interview

Erfolgreiche Partnerschaft in der Automation

In Österreich ist Güdel seit bereits 18 Jahren mit einer eigenen Niederlassung vertreten und zu einem wichtigen Standort für die Gruppe herangewachsen. Ein rund 20-köpfiges Team deckt das gesamte Portfolio von der Komponente bis hin zum System ab. Wir sprachen mit Geschäftsführer Gerold Matuschek über Hintergründe, Alleinstellungsmerkmale und konkrete Projekte.

In Österreich decken wir mit unserem rund 20-köpfigen Team das gesamte Portfolio von der Komponente bis hin zum System ab.
Gerold Matuschek, Geschäftsführer der Güdel GmbH Austria.

In Österreich decken wir mit unserem rund 20-köpfigen Team das gesamte Portfolio von der Komponente bis hin zum System ab. Gerold Matuschek, Geschäftsführer der Güdel GmbH Austria.

Herr Matuschek, Güdel ist seit 18 Jahren im österreichischen Markt aktiv. Was macht das Unternehmen so erfolgreich?

Güdel bietet hochqualitative Lösungen für ganz spezielle Applikationen. Unser Führungssystem ist gezielt für Pick-and-place-Aufgaben entwickelt. Es ist robust, leichtgängig, präzise und leise und kann in sehr vielen unterschiedlichen Handlingbereichen zum Einsatz kommen. Meist sind es hohe Massen, die sehr dynamisch bewegt werden müssen. Durch den modularen Aufbau unserer Produkte können wir sehr wirtschaftliche und interessante Lösungen anbieten. Im Bereich der industriellen Automation haben wir international gesehen über 30.000 Installationen und Lösungen im Markt. Und im Bereich von Blechpressen in der Automobilindustrie haben wir bereits über 220 Produktionsstraßen automatisiert, die bei fast allen namhaften Produzenten im Einsatz sind. In dieser Branche ist die Anforderung an die Qualität besonders hoch. Eine Produktionsstraße die steht, bringt kein Geld, darum wird dort bestellt, wo die zuverlässigsten Produkte hergestellt werden. Die Qualität der Güdel-Produkte schätzen viele Kunden ob in Asien, in den USA oder eben auch in Österreich.

Spezial-Wender für automatisiertes Schweißen: Mit dieser Wendestation von Güdel können Rahmenprofile aus Stahl vollautomatisiert gefertigt werden.

Spezial-Wender für automatisiertes Schweißen: Mit dieser Wendestation von Güdel können Rahmenprofile aus Stahl vollautomatisiert gefertigt werden.

Güdel bietet also ein sehr breites Produktportfolio an.

Richtig, was zugegebenermaßen auch eine komplexe Herausforderung für das Unternehmen in seiner Organisationsstruktur ist. In den Anfängen war Güdel reiner Lohnfertiger – erst später begann man ein eigenes Komponentenprogramm zu produzieren. Es wurden Zahnstangen aller Art, Ritzel und später Getriebe hergestellt. Ab den 90ern haben wir dann auch Lineartechnikmodule und ganze Systeme entwickelt und produziert. Dieses Know-how wiederum ist die Basis, um die Anforderungen an die Komponenten richtig verstehen zu können. Im Bereich der Automatisierungstechnik ist viel Erfahrung notwendig – sowohl was die eingesetzten Mechaniken als auch die Applikation selbst betrifft und all das konnten wir in den letzten Jahrzehnten schärfen. Wir bieten heute in den Bereichen Robotics und Solutions optimierte mechanische Module bzw. schlüsselfertige Anlagen mit eigens entwickelten Komponenten an.

Ein schematischer Blick auf die Anlage zur semiautomatisierten Fertigung von Schalungsrahmen.

Ein schematischer Blick auf die Anlage zur semiautomatisierten Fertigung von Schalungsrahmen.

Wo sehen Sie die wesentlichen Alleinstellungsmerkmale?

Einerseits sicherlich die hohe Fertigungstiefe. Dadurch können wir die Premiumqualität unserer Produkte und Lösungen sicherzustellen. Darauf basierend haben wir einen hohen Grad an Diversifizierung erreicht. Güdel ist heute mit einem globalen Footprint geographisch diversifiziert. Wir bedienen sämtliche Wirtschaftsräume mit über 20 Niederlassungen. Es gibt Maschinenbaukunden, die Komponenten wie beispielsweise Zahnstangen kaufen, es gibt Integratoren, die es schätzen, unsere zuverlässigen mechanischen Module einzusetzen und wir bieten in manchen Nischen auch komplette schlüsselfertige Anlagen bei Endanwendern an. Außerdem kommen unsere Produkte in sehr vielen unterschiedlichen Branchen (z. B. Auto-, Stahl-, Holz-, Glasindustrie etc.) zum Einsatz. Dabei behalten wir immer den Fokus auf die für Güdel passenden Applikationen, was davor bewahrt, sich zu verzetteln. Diese Möglichkeiten und die überaus stabile Fertigungsqualität gewähren langfristige Produktionssicherheit und eine hohe Kundenzufriedenheit.

Lösung für die Uni Denmark:  Mit dem Güdel-Portal können vier Knickarmroboter (Nutzlast von 210 kg, Reichweite 3 m) in einem Arbeitsraum von 30 x 20 x 10 m bewegt werden.

Lösung für die Uni Denmark: Mit dem Güdel-Portal können vier Knickarmroboter (Nutzlast von 210 kg, Reichweite 3 m) in einem Arbeitsraum von 30 x 20 x 10 m bewegt werden.

Können Sie uns interessante Projekte vorstellen, die Güdel Österreich entwickelt hat?

Es ist immer eine Freude, sich mit spannenden Herausforderungen zu beschäftigen. So haben wir in den vergangenen Jahren von der Aufstiegshilfe der Skisprungschanze in Bischofshofen bis hin zu Reinraumachsen in der Elektronikindustrie viel Innovatives realisiert. Vor Kurzem durften wir für einen renommierten österreichischen Hersteller von Schalungselementen eine Anlage für eine semiautomatisierte Fertigung von Schalungsrahmen realisieren. Es handelt sich dabei um die TMF-4-UF, eine unter dem Boden verfahrende Linearachse, inklusive Spezialwender für automatisiertes Schweißen.

Wie funktioniert diese Anlage konkret?

In den seitlichen, äußeren Bereichen der TMF-4-UF befinden sich manuelle Arbeitsplätze. Dort werden Rahmenprofile aus Stahl in eine Schweißvorrichtung eingelegt. In einem weiteren Schritt fährt die Schweißvorrichtung mittels den gelieferten Güdel-Wendeeinheiten in die Schweißkabine. Darin werden die Rahmenprofile durch den Einsatz von zehn Robotern vollautomatisch geschweißt. Anschließend werden diese Rahmen wieder aus der Kabine herausgefahren und manuell entnommen. Die linke und rechte Vorrichtung arbeitet dabei im Wechselspiel. Die Herausforderungen waren dabei vielfältig, von der kollaborativen Schnittstelle zu manuellen Arbeitsplätzen über die Genauigkeiten, die der Prozess erfordert bis hin zur gewünschten Taktzeit. Die Anlage ist insgesamt fast 40 m lang und produziert unterschiedliche Rahmentypen auch in Kleinserien sehr wirtschaftlich. Aktuell beschäftigen wir uns mit einem sehr innovativen Projekt in der Intralogistik. Dabei geht es um Kommissionierungen im Lebensmittelbereich.

Güdel pflegt auch intensive Kontakte zu universitären Einrichtungen.

Das stimmt. Wir haben einen hohen Anteil an F&E, daher sind uns gute Kontakte zu universitären Einrichtungen sehr wichtig. Zum einen möchten wir die besten Abgänger als Mitarbeiter verpflichten, zum anderen können wir dadurch unsere Produkte für die Wissenschaft zur Verfügung stellen und diese dort auch testen. Am Institut für Technologie in der Architektur (ITA) an der ETH Zürich widmet man sich der Erforschung von Bauprozessen, digitaler Fertigung und zukunftsweisender Gebäudetechnik. Es beherbergt beispielsweise zwei Lösungen von Güdel.

Eine Lösung betrifft das 2.300 m² große Holzdach, das ein multifunktionaler Portalroboter fertigte. Das Arch_Tec_Lab ist ein Vorzeigebeispiel wie der Automatisierungsgrad in der Bauwirtschaft und speziell im Holzbau weiter vorangetrieben werden kann. Jeder Träger ist einzigartig. Alle Einzelteile und Nagelbilder wurden durch eine von der ETH erstellten Software errechnet und in der woodFlex Anlage umgesetzt. Dies zeigt beeindruckend, was heute mit robotergestützter Fabrikation alles möglich ist.

Die zweite Güdel Lösung befindet sich in der Laborhalle (Robotic Fabrication Laboratory) initiiert durch die Forschungsgruppe Gramazio Kohler Research. Dort bewegt ein Güdel-Flächenportal mit beeindruckenden 45 m Länge und 15 m Breite, vier Roboter, die kopfüber verschiedene Arbeiten ausführen. Entweder einzeln für sich oder koordiniert zusammen. Das Portal verfügt über zwei Brücken mit je zwei Teleskopachsen. Insgesamt werden 40 Achsen gesteuert. Dadurch kann ein Volumen von 47 x 15 x 6 m digital bearbeitet werden.

Güdel ist auch in Dänemark an einer Universität aktiv?

Richtig, wir haben den Zuschlag für den Bau eines Überkopfportals für die University of Southern Denmark (SDU) erhalten. Dabei handelt es sich um ein Portal, mit dem sich vier Roboter in einem Arbeitsraum von 30 mal 20 Metern und einer Höhe von 10 Metern bewegen können. Es sollen vier Knickarmroboter mit einer Nutzlast von 210 kg und einer Reichweite von drei Metern angebracht werden, die damit praktisch jede Bewegung ausführen können. Das Portal wird mit Schweißanwendungen und 3D-Druckelementen ausgestattet, um die komplexen und komplizierten Anforderungen der Bau-, Schifffahrts- und Energieindustrie erfüllen zu können.

Die Zukunft von Güdel ist also gesichert?

Als Familienunternehmen wollen wir im Bereich der Automation an vorderster Stelle vertreten sein. Dazu ist Tag für Tag die größtmögliche Leistung für unsere Kunden notwendig. Das funktioniert nur mit verlässlichem Service, bestmöglicher Kundenunterstützung und qualitativ hochwertigen Produkten.

Danke für das Gespräch!

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