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Große (Master-)Pläne für 2018 und später

Gute Stimmung auf der Jubiläums-SMART in Linz und: Eines war bei der zehnten Ausgabe der SMART Automation im bestens besuchten Design Center Linz ganz deutlich zu sehen: Der Branche geht’s gut und es wird wieder investiert. Konkrete Anfragen gab es vor allem zu den Themen Industrie 4.0, Fabrik der Zukunft und Netzwerksicherheit, wie zahlreiche Aussteller in ihren Statements bestätigten. Ein gutes Zeichen für Reed Exhibitions: Schließlich setzen die SMART-Veranstalter im nächsten Jahr bei einem parallel stattfindenden neuen Messeformat namens C4I – Connectivity for Industry – voll auf die „Zurschaustellung“ des digitalen Wandels in der Industrie. Autorin: Sandra Winter / x-technik

Reed Exhibitions-Geschäftsführer Benedikt Binder-Krieglstein

„Unsere Veranstaltungen müssen dermaßen „sexy“ werden, dass man 700 Kilometer und mehr auf sich nimmt, um als Besucher dabei zu sein.“

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Das wissen nicht nur Fußballtrainer. Jeder, der langfristig auf der Erfolgswelle segeln will, muss sich und sein Tun in regelmäßigen Abständen hinterfragen, um etwaige Anpassungen an veränderte Rahmenbedingungen vornehmen zu können. Bei Reed Exhibitions ist dies passiert. „Wir befanden uns mit unserem Messedoppel Intertool/SMART in der Vergangenheit zugegebenermaßen nicht immer nah genug am Puls der Zeit und haben uns demzufolge zu wenig um die Trends der Zukunft gekümmert. Diesen Fehler werden wir nicht noch einmal machen. Deshalb gibt es jetzt die „Agenda 2022“, einen mehrstufigen Masterplan, der gemeinsam mit Key Playern der Branche erarbeitet wurde und der seit dem Vorjahr mit jeder Messeedition Schritt für Schritt umgesetzt wird“, verrät Geschäftsführer Benedikt Binder-Krieglstein. Erklärtes Ziel sei es, spätestens ab 2022 dermaßen „sexy“ zu sein mit den eigenen Veranstaltungen, dass jeder dafür gerne einmal 700 Kilometer mit dem Auto fährt. „Wir alle steigen dann und wann für ein Pop-Konzert oder ähnliches sogar ins Flugzeug, aber für jene Fachmesse, mit der wir unser Brot verdienen, können wir nicht einmal 400 Kilometer auf uns nehmen? Das ist doch ‚ein Gschichtl‘, und ist ein Zeichen, dass wir nicht attraktiv genug sind“, zeigt sich der Reed Exhibitions-Geschäftsführer selbstkritisch und gelobt zugleich Besserung: „Bei der Agenda 2022 geht es u. a. auch darum, abzuschätzen wie ein Robotik- oder Artificial Intelligence-Format bis dahin aussehen wird bzw. muss und wie sich der Auftritt einer Messe in Summe verändert.“

Am Linzer Schlossberg wurde „das Geheimnis“ um ein neues Messeformat, das im nächsten Jahr gemeinsam mit der Wiener SMART Automation und der Intertool an den Start gehen wird, von v. l. Alexander Eigner (Category Manager), Barbara Leithner (Director New Business) und Reed Exhibitions-Geschäftsführer Benedikt Binder-Krieglstein gelüftet.

Am Linzer Schlossberg wurde „das Geheimnis“ um ein neues Messeformat, das im nächsten Jahr gemeinsam mit der Wiener SMART Automation und der Intertool an den Start gehen wird, von v. l. Alexander Eigner (Category Manager), Barbara Leithner (Director New Business) und Reed Exhibitions-Geschäftsführer Benedikt Binder-Krieglstein gelüftet.

Phoenix Contact-Geschäftsführer Thomas Lutzky

„Ich finde es sehr wichtig, dass es jedes Jahr eine Automatisierungsmesse in Österreich gibt. Mit der C4I als neues, zusätzliches Messeformat zur Wiener SMART bzw. zur Intertool können wir nun auch IT-Leiter und CIOs noch gezielter ansprechen, und diese beiden Besuchergruppen sind höchst relevante Ansprechpartner für das Thema.“

Allgemeine Zuversicht und Optimismus

Obwohl das Krisenjahr 2009 bereits eine Weile her ist, zeigte sich die produzierende Industrie in jüngster Vergangenheit doch noch ein wenig verhalten bei ihrer Investitionsfreude. „Da war immer ein bisschen Handbremse mit dabei“, bringt es Pilz Österreich-Geschäftsführer Walter Eichner auf den Punkt. Mittlerweile ist seiner Wahrnehmung nach wieder „alles beim Alten“: „Die Linzer SMART Automation ist zwar ohnedies ein Format, das traditionellerweise sehr gut läuft, aber heuer konnte man die Zuversicht und den Optimismus bei den Standbesuchern so richtig spüren: Es war unübersehbar, dass es unseren Kunden gut geht. Die Sorgen der vergangenen Jahre waren vergessen und sie standen mit einem zufriedenen Lächeln vor uns“, beschreibt er. Und auch Phoenix Contact-Geschäftsführer Thomas Lutzky bestätigt: „Die gute Konjunktursituation, die derzeit in der Industrie vorherrscht, spiegelte sich in der Stimmung der Messebesucher wider. Die meisten kamen mit konkreten Projektanfragen zu uns.“

Über ein sehr technisch orientiertes Interesse mit zahlreichen Anfragen in Richtung Fabrik der Zukunft weiß Sick-Geschäftsführer Helmut Maier zu berichten: „Das Publikum war extrem hochwertig in diesem Jahr. Wir wurden ganz gezielt mit Fragen zu unseren Produktneuheiten und zu allgemeinen Trendthemen konfrontiert. Beispielswiese ging es in zahlreichen Gesprächen darum, wie eine bestimmte Lösung in bestehende Anlagen einzubinden ist.“ Einen regen Ansturm konnte Sick auch beim von Human Resources Managerin Michaela Pfaffenlehner betreuten Schüler-Informationsstand verzeichnen: Alleine am ersten Messetag fanden dort über 600 Getränke durstige Abnehmer. Als Dankeschön hagelte es jede Menge „Likes“ und weitere positive Rückmeldungen über Facebook. Insgesamt waren es 7.303 Fachbesucher, die in Linz nach innovativen Lösungen und anregenden Gesprächen Ausschau hielten, was einem Plus von fünf Prozent gegenüber 2015 entspricht. Dabei äußerten manche Aussteller im Vorfeld der Messe bereits Bedenken, weil es auf telefonische oder persönliche SMART-Einladungen sehr oft „sorry ich kann derzeit nicht aus der Firma weg, wir gehen in Aufträgen unter“ hieß.

Intelligente Komponenten und Software im Vormarsch

Werner Fürndrath, zuständig für E-Technik und MSR beim Gleisdorfer Verpackungsanlagen- und Palettiersystem-Spezialisten Statec Binder, besucht eine Fachmesse wie die SMART Automation u. a. um persönliche Kontakte zu Menschen zu knüpfen, die man üblicherweise nur per Telefon oder E-Mail kennt. „Außerdem mag ich es, Teile in natura sehen und angreifen zu können, die ich sonst nur im Katalog oder im Internet begutachten könnte“, verrät er. Nach den ihn besonders interessierenden derzeitigen Trends befragt, bestätigt der Steirer, worauf nahezu alle Automatisierungstechnikanbieter momentan setzen: „Es wird zunehmend vernetzt. Außerdem wandert immer mehr Intelligenz selbst in einfache Bauteile, damit Maschinen und Anlagen umfassend überwacht werden können.“ Letztendlich ist es aber vor allem die eingesetzte Software, der bei sämtlichen Datenanalyse- und Monitoring-Aktivitäten eine entscheidende Rolle zukommt. „Robuste, zuverlässige Hardware im Feld sowie Software sind für mich DIE Themen der Zukunft. Denn irgendwelche Daten in die Cloud zu schicken ist das eine, um diese in verwertbare Informationen umwandeln zu können, müssen aber auch entsprechende Applikationen geschrieben werden. Es gilt den gesammelten Informationen Leben einzuhauchen“, erklärt Turck-Geschäftsführer Stephan Auerböck.

Industrie 4.0 als Zugpferd

Auf vielen Ständen diente heuer das Hard- und Software- sowie das Dienstleistungsangebot rund um Industrie 4.0 als Zugpferd. Bei Phoenix Contact waren es laut Thomas Lutzky überwiegend Netzwerktechnik- und Security-Lösungen sowie eine neue, offene, auf der PLCnext Technology basierende Steuerungsplattform, die das meiste Besucherinteresse weckten. Bei Festo hingegen bildete die Digitalisierung das zentrale Thema am Stand: „Sowohl unser neues Motion Terminal, das eine digitale Revolution der Pneumatik einläutet, als auch rund 300 geführte VR-Touren sorgten für reichlich Gesprächsstoff und einen starken Impuls in Richtung Industrie 4.0“, fasst Rainer Ostermann, Country Manager Österreich, den diesjährigen SMART-Auftritt zusammen.

Bei Dietmar Buxbaum war es tatsächlich ein prominent platzierter Hinweis auf die eigene Industrie 4.0-Expertise, der etliche Besucher anzog: „Diese Angabe hat sich wirklich als Publikumsmagnet erwiesen, wobei wir in den weiterführenden Gesprächen vielfach feststellen konnten, dass hauptsächlich zuverlässig funktionierende Fernwartungsmöglichkeiten gefragt waren und nicht unbedingt Industrie 4.0-Lösungen.“ Was am Stand von Buxbaum Automation seinen Schilderungen nach ebenfalls extrem interessierte: Die Sicherung von Anlagendaten, das Lesen von Bar- und DataMatrix-Codes sowie Netzwerkmesstechnik.

Connectivity für mehr Productivity

Industrie 4.0 ist nicht nur für die Großen da. Auch mittlere, kleine und sogar Kleinstunternehmen können von den Möglichkeiten moderner Technik profitieren. „Indem sie beispielsweise aussagekräftige Diagnoseinformationen für zielgerichtete Predictive Maintenance-Aktivitäten nutzen“, spricht sich Pilz-Geschäftsführer Walter Eichner dafür aus, die Automatisierungswelt ein bisschen nach oben hin aufzumachen. „Aber jedwede vertikale und horizontale Vernetzung muss sicher sein“, warnt er. Und da sind wir auch schon beim Thema.

Mittlerweile steht wohl fest, dass über kurz oder lang kein Weg an der Digitalisierung der Industrie vorbeiführen wird. Trotzdem gibt es vielerorts Bedenken – zumal die Angriffslust von Hackern und Cyberkriminellen permanent steigt. Die C4I – Connectivity for Industry – ein neues Messeformat von Reed Exhibitions, das im nächsten Jahr parallel zur Intertool und zur Wiener SMART Automation erstmals an den Start gehen wird, soll praxisnahe und umsetzbare Lösungen für solche Herausforderungen liefern. „Die C4I versteht sich als Anlaufstelle für alle, die ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Digitalisierung und Vernetzung ihrer Wertschöpfungskette sichern und ausbauen wollen“, beschreibt Benedikt Binder-Krieglstein, Geschäftsführer von Reed Exhibitions. Für interessierte Aussteller stehen bei dieser Veranstaltung vier unterschiedliche Packages mit Standgrößen von 9, 12, 18 und 36 Quadratmetern zur Auswahl. Die Präsentationsflächen werden bezugsfertig zur Verfügung gestellt.

„Digitalisierung ermöglicht es, bestehende und natürlich auch neue Anlagen qualitativ und quantitativ besser einzusetzen. Mit der C4I kommt jetzt ein zusätzlicher Spieler mit ins Boot, der neue Akzente setzt und der all die Themen, die uns derzeit bewegen, wie Big Data, Cloud Computing oder Security, bestens beherrscht“, freut sich Beckhoff-Geschäftsführer Armin Pehlivan über eine perfekte Ergänzung zum vom 15. bis 17. Mai 2018 in Wien stattfindenden Messedoppel Intertool und SMART Automation. „Wir haben bei der Ideenfindung für dieses Format versucht, Weitblick zu beweisen. Weitblick für den Messestandort Österreich, Weitblick für die Aussteller und Weitblick für die Industrie, der wir alle verpflichtet sind. Wir planen bei der C4I etwas, das wir als übergreifenden Showcase definiert haben – das ist etwas, was es in dieser Form weltweit auf keiner anderen Messe zu sehen gibt“, macht Benedikt Binder-Krieglstein abschließend neugierig auf eine Veranstaltung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, der digitalen Zukunft der Industrie einen Namen bzw. Rahmen zu geben.

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