interview
AVS Schmersal Österreich will mit Innovation und Kundennähe noch mehr wachsen
Uwe Seeger ist seit wenigen Monaten Geschäftsführer von AVS Schmersal Österreich. Mit der AUTOMATION sprach er über die aktuelle Wirtschaftslage, die Bedeutung des österreichischen Marktes innerhalb der Schmersal-Gruppe, internationale Wachstumsimpulse und darüber, warum europäische Unternehmen wieder mutiger werden müssen.
„Der Innovationsdruck ist zweifellos hoch. Vor allem beim Thema Digitalisierung und Künstliche Intelligenz erleben wir derzeit enorme Veränderungen.“ Uwe Seeger, Geschäftsführer, AVS Schmersal Österreich
Herr Seeger, Sie haben vor Kurzem die Geschäftsführung von AVS Schmersal Österreich übernommen. Herzlichen Glückwunsch. Wie beurteilen Sie die aktuelle Ausgangssituation des Unternehmens in einem wirtschaftlich herausfordernden Umfeld?
Vielen Dank erst einmal für die Wünsche. Wir, bei AVS Schmersal, sehen uns insgesamt gut aufgestellt. Unsere Stärke liegt nicht nur im klassischen Komponentengeschäft, sondern zunehmend auch in der Fähigkeit, komplette Systemlösungen sowie umfassende Beratungsleistungen anzubieten. Gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten ist diese Kombination ein wichtiger Vorteil. Kunden suchen heute nicht mehr nur einzelne Produkte, sondern Partner, die sie bei der Umsetzung komplexer Anforderungen begleiten können.
Die kommenden Regelwerke – etwa die neue Maschinenverordnung oder die Cybersecurity-Anforderungen – beschäftigen derzeit die gesamte Industrie. Für viele Unternehmen bedeutet das zunächst zusätzlichen Aufwand und erhöhte Komplexität – dies wurde im Interview näher erläutert.
Die Industriebranche befindet sich in einer Phase großer Unsicherheit. Welche Entwicklungen erwarten Sie für die kommenden Jahre?
Nach wenigen Monaten in meiner neuen Funktion wäre es vermessen zu behaupten, bereits alle Marktmechanismen vollständig zu kennen. Was sich jedoch sehr klar zeigt: Der direkte Kundenkontakt wird künftig noch wichtiger werden. Unsere Mitarbeitenden im Außendienst spielen dabei eine Schlüsselrolle. Nur durch einen engen Austausch mit bestehenden und potenziellen Kunden erkennen wir frühzeitig neue Anforderungen und können passende Lösungen entwickeln. Das ist unser Anspruch.
„Ich persönlich würde mir wünschen, dass wieder mehr Optimismus in die Märkte zurückkehrt und Unternehmen wieder stärker investieren.“ So lautet das Fazit des neuen AVS Schmersal Österreich Geschäftsführers.
Wo setzen Sie gezielt Ihre Prioritäten in den ersten Monaten Ihrer Tätigkeit?
Mein Fokus liegt klar auf Vertrieb und Kundenbeziehungen. Die internen Abläufe funktionieren sehr gut. Entscheidend ist jetzt, bestehende Partnerschaften weiter auszubauen, neue Kunden zu gewinnen und gleichzeitig unsere Vertriebsmannschaft kontinuierlich weiterzuentwickeln. Der persönliche Kontakt zum Markt ist gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten von zentraler Bedeutung und den pflegen wir intensiv.
Sie sind seit vielen Jahren Teil der Schmersal-Gruppe und sind bzw. waren in weiteren Funktionen tätig. Welche Erfahrungen bringen Sie in die neue Aufgabe mit?
Ich bin seit mittlerweile elf Jahren innerhalb der Schmersal-Gruppe tätig. In dieser Zeit war ich vor allem für verschiedene Märkte in Asien sowie im Mittleren Osten verantwortlich. Die Betreuung Österreichs und weiterer angrenzender Länder ist nun hinzugekommen. Diese internationale Erfahrung hilft natürlich dabei, Entwicklungen in unterschiedlichen Märkten besser einordnen und vergleichen zu können.
Welche Unterschiede sehen Sie zwischen den asiatischen Märkten und Europa?
Die Märkte unterscheiden sich weniger in den grundsätzlichen Anforderungen als vielmehr in ihrer Dynamik. Besonders auffällig ist die Geschwindigkeit, mit der Entscheidungen in Asien getroffen und Projekte umgesetzt werden. In vielen asiatischen Märkten erwarten Kunden sehr schnelle Reaktionszeiten. Dort zählt jede Stunde. In Europa akzeptiert man hingegen häufig längere Entscheidungs- und Abstimmungsprozesse. Diese höhere Schlagzahl empfinde ich durchaus als gut. Besonders in Zeiten rascher technologischer Entwicklungen sollten wir uns auch in Europa stärker an dieser Dynamik orientieren.
Wird Europa dadurch im internationalen Wettbewerb unter Druck geraten?
Der Innovationsdruck ist zweifellos hoch. Vor allem beim Thema Digitalisierung und Künstliche Intelligenz erleben wir derzeit enorme Veränderungen. In Asien beobachte ich häufig eine größere Bereitschaft, neue Technologien frühzeitig auszuprobieren. Fehler werden dabei eher als Teil des Lernprozesses verstanden. Diese Kultur des Ausprobierens kann ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein. Während in Europa oftmals zunächst versucht wird, Risiken vollständig auszuschließen, werden in anderen Regionen neue Lösungen bereits praktisch getestet und weiterentwickelt. Dem könnten wir uns stärker annehmen.
Können europäische Unternehmen von dieser Herangehensweise profitieren?
Absolut. Ich bin überzeugt, dass ein intensiverer Austausch beiden Seiten Vorteile bringen kann. Europa verfügt über enorme Erfahrung, hohe technische Kompetenz und ausgeprägtes Prozesswissen – das sind eindeutig unsere Stärken. Gleichzeitig erleben wir in Asien eine beeindruckende Geschwindigkeit bei der Umsetzung neuer Ideen. Die ideale Kombination wäre aus meiner Sicht die Verbindung europäischer Expertise mit asiatischer Dynamik. Daran arbeiten wir innerhalb der Schmersal-Gruppe bereits, etwa durch unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Indien und China.
Wo sehen Sie aktuell und aus Ihrer Sicht den größten Nachholbedarf für europäische Industrieunternehmen?
Viele Unternehmen haben erkannt, dass sie neue Technologien stärker nutzen müssen. Es herrscht jedoch häufig Unsicherheit darüber, wo man beginnen soll. Die Sorge, möglicherweise den falschen Weg einzuschlagen, führt oft dazu, dass gar nicht gehandelt wird. Das halte ich für einen Fehler. Denn: Wer aus Angst vor Fehlern nichts unternimmt, verliert wertvolle Zeit. Unternehmen sollten wieder stärker in den Modus kommen, Dinge konkret auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln. Nicht jede Initiative wird sofort erfolgreich sein, aber Stillstand ist langfristig keine Lösung.
Welche Bedeutung hat der österreichische Markt innerhalb der Schmersal-Gruppe? Kann man das definieren?
Österreich nimmt innerhalb der Gruppe eine wichtige Position ein. Gemessen am Umsatz gehören wir zu den stärkeren europäischen Gesellschaften und bewegen uns innerhalb Europas unter den Top Fünf der Schmersal-Landesgesellschaften. Darüber hinaus betreuen wir von Österreich aus auch weitere Märkte in Ost- und Südeuropa. Dadurch geht unsere Verantwortung deutlich über den heimischen Markt hinaus und wir leisten einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der gesamten Region.
Welche Chancen ergeben sich daraus für den Standort Österreich?
Die zusätzliche Verantwortung eröffnet zahlreiche Möglichkeiten. Gemeinsam mit unseren Partnern in den betreuten Ländern wollen wir Wachstumspotenziale erschließen und Erfahrungen austauschen. Österreich fungiert dabei zunehmend als Impulsgeber innerhalb dieser Region. Außerdem profitieren wir von den unterschiedlichen Marktanforderungen. Jeder Markt hat seine eigenen Besonderheiten. Dieser internationale Austausch schafft neue Perspektiven und hilft dabei, erfolgreiche Konzepte auf andere Regionen zu übertragen.
Kommen wir noch zum Thema Maschinensicherheit. Dies ist das Kerngeschäft von Schmersal. Welche Auswirkungen haben die neuen europäischen Regulierungen auf den Markt?
Die kommenden Regelwerke – etwa die neue Maschinenverordnung oder die Cybersecurity-Anforderungen – beschäftigen derzeit die gesamte Industrie. Für viele Unternehmen bedeutet dies zunächst zusätzlichen Aufwand und erhöhte Komplexität. Für Schmersal ergeben sich daraus jedoch auch Chancen. Unsere Kunden benötigen Unterstützung bei der Umsetzung dieser Anforderungen. Deshalb investieren wir intensiv in Schulungen, Beratung und Wissensvermittlung. Diese Aktivitäten reichen weit über Europa hinaus, da alle Maschinenhersteller, die ihre Produkte auf dem europäischen Markt anbieten möchten, die entsprechenden Vorgaben erfüllen müssen.
Viele Unternehmen empfinden die hohe Regulierungsdichte als Belastung. Teilen Sie diese Einschätzung?
Europa weist zweifellos eine hohe Regulierungsdichte auf. Gleichzeitig gelten diese Anforderungen für alle Marktteilnehmer gleichermaßen. Wer in Europa erfolgreich sein möchte, muss diese Regeln beherrschen. Für international aufgestellte Unternehmen wie Schmersal entsteht daraus ein Wettbewerbsvorteil. Wir verfügen über das notwendige Know-how und können unsere Kunden weltweit dabei unterstützen, die Anforderungen korrekt umzusetzen.
Abschließend möchte ich noch einen Blick auf die wirtschaftliche Gesamtlage mit Ihnen werfen: Erwarten Sie in Europa bald wieder einen Aufschwung?
Davon gehen wir aus und darauf hoffen wir natürlich auch wie viele weitere Unternehmen am Markt. Neben den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen spielt dabei die allgemeine „Stimmung“ eine wichtige Rolle. Wirtschaft besteht immer auch aus Erwartungen und Zuversicht. Ich persönlich würde mir wünschen, dass wieder mehr Optimismus in die Märkte zurückkehrt und Unternehmen wieder stärker investieren. Die Gespräche, die wir hier etwa auf der all about automation in Wels führen konnten, stimmen uns jedenfalls positiv. Wir erleben großes Interesse, viele neue Kontakte und eine grundsätzlich konstruktive Stimmung. Das sind gute Voraussetzungen, um gemeinsam wieder Wachstum zu schaffen.



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