interview
Wie Lapp mit dem Epic M23P den Rundsteckverbinder „neu denkt“
Kürzlich wurde bei Lapp ein Wendepunkt eingeläutet, und zwar mit dem Epic M23P. Im Interview mit Klemens Dolzer, Geschäftsführer Lapp Austria, und Daniel Jackstadt, Head of Product Management & Business Development bei Lapp Austria, zum neuen Rundsteckverbinder wurde deutlich, welche clevere Strategie das Unternehmen damit erzielen möchte.
„Mit diesem Produkt setzen wir bewusst ein strategisches Signal: Der Epic M23P ist nicht nur eine technische Innovation, sondern der Startpunkt für eine neue Generation von Steckverbindern bei Lapp.“ Daniel Jackstadt (links) und Klemens Dolzer,, beide Lapp Austria. (Bild: x-technik)
Mit dem neuen Rundsteckverbinder Epic M23P möchte Lapp nicht weniger als eine neue Ära im Bereich der industriellen Verbindungstechnik einläuten. Was steckt hinter dieser Aussage?
Klemens Dolzer: Steckverbinder sind für Lapp schon seit Jahrzehnten ein zentrales Thema. Mit dem Epic M23P haben wir den Anspruch, den Stecker neu zu denken – und zwar ganzheitlich. Wir haben bei der Entwicklung nicht nur an die Technik gedacht, sondern an alle Beteiligten in der Wertschöpfungskette. Genau dieses Denken in Systemen und Bedürfnissen war für uns der Ausgangspunkt. Wir wollten nicht nur ein weiteres Produkt, sondern einen neuen Standard schaffen.
Daniel Jackstadt: Mit diesem Produkt setzen wir bewusst ein strategisches Signal: Der Epic M23P ist nicht nur eine technische Innovation, sondern der Startpunkt für eine neue Generation von Steckverbindern bei Lapp. Wir adressieren damit gezielt die wachsenden Anforderungen in der industriellen Automatisierung und Robotik, wo kompakte Bauformen, hohe Spannungsfestigkeit und flexible Anschlussoptionen entscheidend sind. Gleichzeitig stärken wir unsere globale Marktposition, indem wir eine Lösung anbieten, die universell einsetzbar, mechanisch robust und weltweit verfügbar ist. Für unsere Kunden bedeutet das: höhere Flexibilität, bessere Usability und Zukunftssicherheit.
Mit der neuen Winkeleinbaudose bringt Lapp erstmals einen Steckverbinder für den direkten Anschluss am Servomotor auf den Markt.
Herr Jackstadt, was war der Ausgangspunkt für die Entwicklung dieses neuen Steckverbinders?
Der Markt für Rundsteckverbinder ist grundsätzlich gut etabliert. Aber genau das war für uns auch eine Herausforderung: Wir wollten nicht nur mitspielen, sondern Maßstäbe setzen. Entstanden ist ein Produkt, das in vielerlei Hinsicht über den aktuellen Marktstandard hinausgeht. Es ist nicht nur robust, sondern zukunftssicher, verarbeitungsfreundlich und modular aufgebaut. In der Summe der Details liegt der Unterschied.
Mit dem neuen Rundsteckverbinder Epic M23P möchte Lapp nicht weniger als eine neue Ära im Bereich der industriellen Verbindungstechnik einläuten. Doch was steckt dahinter? Das diskutierten die beiden Lapp Austria-Experten GF Klemens Dolzer (re.) und Daniel Jackstadt im Interview.
Können Sie das genauer definieren? Was macht den Rundsteckverbinder so besonders im Vergleich zu bisherigen Lösungen?
Das Besondere am Epic M23P ist, dass er direkt am Servomotor eingesetzt werden kann und für Spannungen bis zu 1.000 Volt ausgelegt ist. Durch die drehbare Winkeleinbaudose und das Quickflex-Schnellverriegelungssystem gelingt der Anschluss mit nur einer Achtelumdrehung – schnell, einfach und kompatibel zu marktüblichen Steckverbindern. Damit eröffnen wir Anwendern eine völlig neue Flexibilität bei der Installation. Auch das miniaturisierte Design beim Kabelstecker ist durchaus ein nennenswerter Punkt, denn weniger Bauraum bedeutet gleichzeitig mehr Anwendungsmöglichkeiten. Dies ist besonders relevant für die Robotik. Auch das sogenannte Color-Coding zur Signalisierung von Leistungs- und Signalachsen wäre hervorzuheben sowie ein vorhandenes Clean Design – also keine scharfen Kanten – und die volle Kompatibilität, mechanisch wie elektrisch.
„Mit dem Epic M23P denken wir Steckverbinder nicht nur technisch neu – wir verändern, wie der Markt uns wahrnimmt.“ Klemens Dolzer, Geschäftsführer Lapp Austria.
Für welche Branchen bzw. Praxiseinsätze ist der M23P interessant, Herr Dolzer?
Im Fokus stehen deutlich die Hersteller von Antrieben und Servomotoren. Aber auch die Intralogistik, Robotik und die Lebensmittelindustrie sind wichtige Zielbranchen. Durch das modulare System und Features wie die EMV-Festigkeit ist der Steckverbinder überall dort gefragt, wo hohe Datenübertragungsraten und robuste Verbindungslösungen benötigt werden. Sein robustes Metallgehäuse hält Schock und Vibrationen auch bei Lastwechseln stand, während die Schutzart IP68 eine einfache Reinigung ermöglicht. Besonders interessant ist das kompakte Gehäuse für Roboteranwendungen, bei denen jeder Millimeter zählt.
„Der Epic M23P ist nicht nur eine technische Innovation, sondern der Startpunkt für eine neue Generation von Steckverbindern bei Lapp.“ Daniel Jackstadt, Head of Product Management & Business Development bei Lapp Austria.
Herr Jackstadt, welche Rolle spielt die Modularität des Steckverbinders?
Eine zentrale. Weniger Teile bedeuten eine leichtere Verarbeitung, reduzierte Lagerhaltung und eine höhere Lieferfähigkeit und das auch international. Unser System erlaubt es, gleiche Komponenten für unterschiedliche Anwendungen einzusetzen, was besonders in unsicheren Lieferkettenzeiten ein großer Vorteil ist.
Dolzer: Für unsere Kunden heißt das wiederum, dass sie weniger Komplexität und weniger Aufwand bei gleichzeitiger Flexibilität vorfinden. Das ist heutzutage das A und O.
Es hat sich viel im Hause Lapp getan: Der Zukauf von Cableforce und die Neugestaltung der Forschungs- und Entwicklungsabteilung sind nur einige Punkte, die das Unternehmen somit noch stärker in Richtung Zukunft rüsten. Darüber waren sich alle im Gespräch einig.
Apropos Lieferketten: Welche Strategie verfolgt Lapp diesbezüglich, Herr Dolzer?
Local for local ist unser klares Prinzip bei Lapp. Wir produzieren lokal für lokale Märkte, ergänzend dazu arbeiten wir mit ausgewählten, international aufgestellten Lieferanten, um auch bei Engpässen flexibel reagieren zu können.
Kommen wir bitte kurz auf den Entwicklungsprozess zu sprechen, Herr Jackstadt. Wie ging dieser vonstatten?
Grundsätzlich haben wir uns bei Lapp im Zuge dessen organisatorisch neu aufgestellt. Die Forschungs- und Entwicklungsabteilung wurde gezielt ausgebaut und es wurden Experten mit Markt-Know-how ins Team geholt. Auch einige Kunden wurden früh eingebunden. Insgesamt hat die Entwicklung somit rund drei Jahre gedauert und viel Know-how gefordert.
Dolzer: Zu Recht. Wir haben ein sehr kompetentes und hochmotiviertes Team an Bord, die sich um die weitere Entwicklung kümmert. Im Hause Lapp ist die eine strategisch langfristig gedachte Investition in unsere Marke Epic und in die technologische Zukunft des Unternehmens, das möchte ich besonders betonen. Wir haben und hatten ein klares Ziel vor Augen und investieren sehr klar in die Zukunft. Zudem belebt Konkurrenz grundsätzlich den Markt und den rütteln wir mit diesem Schritt sicher ein stückweit auf, zu marktüblichen Preisen und mit hohen Qualitätsstandards.
Auf den Punkt gebracht: Warum sollte ein Unternehmen jetzt auf den Epic M23P setzen, Herr Jackstadt?
Das liegt auf der Hand: weil er technisch überzeugt. 1.000 Volt Spannungsklasse, ein minimierter Bauraum, das Clean Design, Color Coding, die volle Kompatibilität – und das alles in einem modularen, verarbeitungsgerechten System. Der Kunde profitiert sofort – durch einfacheres Design-in, bessere Logistik und langfristige Verfügbarkeit.
Dolzer: Und weil Innovation nicht beim Produkt aufhört. Es geht auch um die Prozesse, die dahinterstehen und um Partnerschaften. Unsere Kunden sollen spüren: Lapp ist mehr als nur ein Lieferant. Wir denken mit und das ganz klar zukunftsgerichtet.
War die SPS 2025 ein bewusst gewählter Zeitpunkt für die Produkteinführung, Herr Dolzer?
Das Timing ist eher das Resultat des Entwicklungsverlaufs und somit klar branchengetrieben, nicht messeterminiert. Die Nachfrage nach modernen Lösungen steigt seit Jahren. Dass wir zur SPS ein marktreifes Produkt zeigen können, ist ein schöner Zufall.
Eine beeindruckende Unternehmensübernahme gab es dieses Jahr ebenfalls bei Lapp. Cableforce aus China wurde übernommen. Besteht ein Zusammenhang zur Entwicklung des Epic M23P, Herr Dolzer?
Die Entwicklung des Epic M23P und die Cableforce-Akquisition liefen parallel. Somit ergänzt sich beides perfekt. Cableforce stärkt unser Portfolio im Bereich Sensor-Aktor-Verkabelung, vor allem mit umspritzten M8- und M12-Steckern, was ein Schlüsselthema in der Automatisierung ist. Die Fertigungskompetenz dort eröffnet uns zusätzliche Optionen. Dennoch liefen beide Entwicklungen getrennt voneinander ab.
Vielen Dank für das Gespräch.
Produkt im Bericht
Lapp Epic M23P
Die drehbare und gewinkelte M23-Motorsteckverbindung verfügt über ein Quickflex-Schnellverriegelungssystem, das ein einfaches Verbinden mit dem Gegenstück für Jedermann möglich macht. Die Verriegelung erfolgt bereits nach einer Achtelumdrehung und ist mit Steckverbindern des Marktstandards steckbar. Dabei tritt der Epic M23P im neuen und innovativen Clean Design von Lapp auf und erreicht im gesteckten Zustand die Schutzart IP 68, sodass eine besonders leichte Reinigung möglich ist.







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