interview

Eplan Syngineer: Kopplung von Engineering-Disziplinen über die Cloud

Verbindet Teams mit unterschiedlicher Methodik: Wenn Software-Leute, Mechaniker und Elektriker in unterschiedlichen Methoden arbeiten, leidet häufig deren Kommunikation und in Folge ihre Zusammenarbeit. Eplan hat 2016 dafür die Syngineer-Lösung auf den Markt gebracht. Via dieser können sich Konstrukteure der einzelnen Engineering-Disziplinen über eine gemeinsam genutzte mechatronische Produktstruktur in Echtzeit miteinander abstimmen. Es gibt keinen Zeitverlust mehr in der Kommunikation und keinen Informationsverlust. Ing. Martin Berger, Geschäftsführer von Eplan Österreich führt im Gespräch mit x-technik aus, was die neue Plattform heute bereits leisten kann. Das Gespräch führte Luzia Haunschmidt / x-technik

Der Syngineer gleicht nicht nur die Engineering-Daten unterschiedlicher Disziplinen ab, sondern spielt auch den Übersetzer zwischen den jeweiligen Arbeitsweisen.

Ing. Martin Berger, Geschäftsführer von Eplan Österreich.

Der Syngineer gleicht nicht nur die Engineering-Daten unterschiedlicher Disziplinen ab, sondern spielt auch den Übersetzer zwischen den jeweiligen Arbeitsweisen. Ing. Martin Berger, Geschäftsführer von Eplan Österreich.

Ing. Martin Berger
Geschäftsführer von Eplan Österreich.

„Der Syngineer gleicht nicht nur die Engineering-Daten unterschiedlicher Disziplinen ab, sondern spielt auch den Übersetzer zwischen den jeweiligen Arbeitsweisen.“

Herr Berger, Elektrotechniker und Maschinenbauer arbeiten in der Regel in unterschiedlichen Methoden und haben somit in ihrer Zusammenarbeit häufig ein Kommunikationsproblem. Inwiefern bietet Ihre 2016 auf den Markt gebrachte Syngineer-Lösung dazu Abhilfe?

Im Maschinen- wie Anlagenbau verschmelzen die Bereiche der Mechanik, Elektrotechnik und Software zusehends. Damit einhergehend werden auch die Engineering-Prozesse stetig komplexer. Somit haben die Teams der unterschiedlichen Disziplinen einen hohen Bedarf, eng verzahnt – sozusagen auf einer gemeinsamen Ebene – in Real Time sich auszutauschen und ihre zu Arbeit parallelisieren. In der Praxis stellt das die Unternehmen jedoch vor neue Herausforderungen. Denn die daran beteiligten Engineering-Disziplinen haben sich ja aus der Vergangenheit heraus jede für sich – quasi in eigener Sache – entwickelt. Dem heutigen Workflow entsprechend, nach wie vor klassisch sequenziell zu arbeiten, verlangt allerdings zu viel Zeit. Mit dem Syngineer bietet Eplan für diesen Paradigmenwechsel eine übergreifende und komfortable Kommunikationsbasis, damit die verschiedenen Abteilungen in der Produktentwicklung enger und interdisziplinär kooperieren können.

Über den Syngineer haben in der Cloud alle beteiligten Disziplinen einen Überblick über die gemeinsame mechatronische Produktstruktur und den Projektstatus.

Über den Syngineer haben in der Cloud alle beteiligten Disziplinen einen Überblick über die gemeinsame mechatronische Produktstruktur und den Projektstatus.

Heißt dies, dass die verschiedenen Disziplinen des Engineerings in ihren gewohnten Umgebungen weiter arbeiten können, aber über die Plattform Syngineer in einer einheitlichen Sprache miteinander reden?

Exakt! In der Praxis sieht das so aus, dass der Maschinenbauingenieur beispielsweise im Autodesk Inventor, der Elektroingenieur mit Eplan Electric P8 und der Fluid-Verantwortliche weiterhin mit Eplan Fluid arbeitet. Mit der Syngineer-Ebene erhalten jedoch alle drei eine gemeinsame Kommunikationsplattform, die Informationen austauscht und alle Engineering-Disziplinen synchronisiert.

Über die Integration in Codesys können Programmierer direkt auf wichtige Informationen der Steuerungstechnik zugreifen.

Über die Integration in Codesys können Programmierer direkt auf wichtige Informationen der Steuerungstechnik zugreifen.

Jede Engineering-Disziplin hat ja nun auch jeweils verschiedenste Tools, welche jedoch mitunter auch quasi miteinander Können müssen. Schafft die Syngineer-Plattform auch dahingehend ein gemeinsames Sprachverständnis?

Auf alle Fälle – sämtliche Entwickler unterschiedlicher Bereiche erleben über die Syngineer-Plattform auch Verständnis für- und untereinander. Das drückt sich in der Form aus, dass alle beteiligten Mitarbeiter eines Projekts durchgeführte Änderungen auf jeder Seite schnell erkennen und frühzeitig miteinander darüber diskutieren können. Das beschleunigt die Entwicklungszeiten enorm und schützt darüber hinaus vor Fehlentscheidungen in den einzelnen Disziplinen, die das gemeinsame Projekt verzögern oder gar scheitern lassen würden.

Das neue System gleicht also nicht nur die Engineering-Daten ab, sondern spielt auch den Übersetzer zwischen den jeweiligen Arbeitsweisen. Über eine flexible und unabhängige Darstellung bekommen die Entwickler dann die Änderungen der anderen Seiten angezeigt.

Einfache Einbindung des Syngineers in die Eplan Oberfläche: Schaltpläne und Betriebsmittel lassen sich darüber verknüpfen.

Einfache Einbindung des Syngineers in die Eplan Oberfläche: Schaltpläne und Betriebsmittel lassen sich darüber verknüpfen.

Wie und an welche Disziplinen bzw. deren Systeme lässt sich die Syngineer-Plattform bereits heute anbinden?

Keine Frage – diese Frage ist essentiell! Schließlich besteht die Engineering-Welt aus sehr vielen Systemen. Bei den Schnittstellen des Syngineers bieten wir neben den eigenen Entwicklungssystemen im ersten Schritt Plug-Ins für Autodesk Inventor, AutoCAD und SolidWorks und für die Entwicklungsumgebung CODESYS auf der SPS-Seite an. Und natürlich werden in naher Zukunft Plug-Ins für weitere Systeme folgen.

Durch die Integration der Autodesk Inventor Oberfläche können die 3D-Modelle per drag & drop mit dem Syngineer verknüpft werden.

Durch die Integration der Autodesk Inventor Oberfläche können die 3D-Modelle per drag & drop mit dem Syngineer verknüpft werden.

Da stellt sich automatisch die Frage, ob der Syngineer auch Schnittstellen zu ECAD-Angeboten Ihrer Mitbewerber bieten wird …

Nun, grundsätzlich zeigen wir uns offen gegenüber sämtlichen willigen Anbindungen an unsere Syngineer-Plattform. Aber wir wollen das Plug-In-Angebot so ausbauen, dass wir möglichst rasch ein möglichst hohes Spektrum der am Markt eingesetzten Systeme abdecken. Auf ECAD-Seite haben wir mit Eplan Electric P8 und unserem Weltmarktanteil zwischen 25 % und 30 % schon jetzt einen sehr guten Marktzugang. Der MCAD-Markt ist hingegen deutlich feiner geartet. Deswegen legen wir bei den nächsten Plug-Ins die Priorität vor allem auf die Mechanik- und die Steuerungsseite.

Und wie sieht es in nächster Zeit mit der Entwicklung neuer Funktionalitäten im Syngineer aus?

Der Syngineer wird gemeinsam mit Pilotkunden entwickelt. Die daraus gewonnenen Erfahrungen werden direkt in das Produkt einfließen. Weiters denken wir darüber nach, wie es z. B. in Fertigung und Fertigungslogistik weitergehen kann, über konsolidierte mechatronische Stücklisten, über Änderungsdienste oder weitergehende Konfigurationen. Attraktive Ansätze werden uns hier so schnell nicht ausgehen, da wir ja unsere Plattform in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden und deren Feedback weiter entwickeln. Vorerst konzentrieren wir uns aber erst auf die Grundfunktionalität und deren Umsetzung in der Praxis, da wir ja – wie bereits gesagt – viele Anwender so schnell wie nur irgend möglich erreichen wollen.

Gehe ich in der Annahme recht, dass der Syngineer aufgrund seiner vielseitigen Kommunikationsfähigkeit sich in einer Cloud befindet?

Ja, das ist so. Letztendlich befindet sich die Syngineer-Plattform in einer Cloud. Dort liegen die Synchronisierungsdaten und dort findet auch die Kommunikation statt – nahezu in Echtzeit. Das ist Voraussetzung, weil die jeweiligen Entwicklungsabteilungen oft räumlich weit voneinander entfernt sind. Nicht selten wird auch die eine oder andere Disziplin an Dienstleister wie Ingenieurbüros ausgelagert. Die erforderliche Infrastruktur wollen wir dabei auf etablierten Plattformen zur Verfügung stellen – wie beispielsweise Micosoft Azure oder der SAP Hana Cloud Plattform. Da richten wir uns ganz nach den Wünschen unserer Kunden.

Wenn es um eine in der Cloud gelagerten Plattform geht, höre ich von OEMs wie Produzenten gleichermaßen die sensible Frage nach der Bewältigung der Sicherheitsthematik …

Dass wir hier auf Standardplattformen setzen, hilft uns natürlich auch bei den viel diskutierten Aspekten von Datensicherheit und Co. Dabei ist uns bewusst, dass dieses Thema in der Industrie äußerst sensibel beäugt wird. In Bezug auf den Ansatz des Syngineers überwiegen allerdings die Chancen und die Möglichkeiten der Cloud das Risiko bei Weitem. Ob ein beteiligter User im Nachbarbüro sitzt, zwei Häuser weiter, in einer Stadt oder auf der gegenüberliegenden Seite des Erdballs – das spielt keine Rolle mehr. Alle User können sich schnell und unkompliziert austauschen und Daten abgleichen. Der Syngineer ist letztendlich eine neue Metaebene für das mechatronische Engineering, die sich über allen Disziplinen spannt – das ist der zentrale Bestandteil des Mehrwerts für den Kunden.

Herr Berger, herzlichen Dank für Ihre Ausführungen!

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