interview

Wie Janitza-Messtechnik Netzstabilität im Tunnelbau sichert

Energie- & Spannungsqualitätsmesstechnik als Rückgrat im Tunnelbau: Lastspitzen, hohe Anlaufströme und lange Leitungswege machen die Energieversorgung im Tunnelbau zur anspruchsvollen Disziplin. Die Porr Bau GmbH setzt dabei auf ein abgestuftes Messkonzept von Janitza. Es schafft Transparenz, erhöht die Betriebssicherheit und bildet die Basis für eine effiziente Energiesteuerung über die gesamte Projektlaufzeit. Wolfgang Peherstorfer, Niederlassungsleiter von Janitza Österreich, sprach im Interview über die messtechnischen Herausforderungen im Tunnelbau, ein skalierbares Messkonzept sowie Power-Quality-Analysen und regulatorische Anforderungen.

„Energiemesstechnik ist für uns ein präventiver Hebel. Sie schafft die Grundlage für eine belastbare Bewertung der Netzstabilität, schützt Betriebsmittel und verbessert die Effizienz. Das Ergebnis ist ein robustes Energiesystem mit hoher Verfügbarkeit.“ Wolfgang Peherstorfer, Niederlassungsleiter, Janitza Österreich. (Bild: x-technik)

„Energiemesstechnik ist für uns ein präventiver Hebel. Sie schafft die Grundlage für eine belastbare Bewertung der Netzstabilität, schützt Betriebsmittel und verbessert die Effizienz. Das Ergebnis ist ein robustes Energiesystem mit hoher Verfügbarkeit.“ Wolfgang Peherstorfer, Niederlassungsleiter, Janitza Österreich. (Bild: x-technik)

Herr Peherstorfer, welche messtechnischen Herausforderungen ergeben sich auf Baustellen wie dem Neubau des Brenner Basistunnels, insbesondere mit Blick auf Lastspitzen, Anlaufströme von Tunnelbohrmaschinen und die Netzstabilität?

Auf Großbaustellen sind die elektrischen Verbräuche durch hohe, dynamische Lastwechsel geprägt. Tunnelbohrmaschinen, Vortriebe und große Antriebe bewegen sich in sehr hohen Leistungsbereichen. Daraus ergeben sich Lastspitzen, hohe Anlauf- und Spitzenströme sowie entsprechende Netzrückwirkungen. Diese Effekte belasten die elektrische Infrastruktur erheblich und stellen hohe Anforderungen an die Netzstabilität. Entscheidend ist eine hochauflösende Messtechnik, die sowohl Live-Daten als auch belastbare historische Verbrauchsdaten bereitstellt. Damit lassen sich Lastspitzen und Spannungsqualitätsereignisse sauber erfassen, analysieren und in Folge bewerten. Gleichzeitig schafft die Messtechnik die nötige Transparenz und ermöglicht eine gezielte Laststeuerung vor Ort, optimiert Lastprofile und senkt Energiekosten. Das ist entscheidend. Denn gerade bei Großbaustellen ist Energie ein wesentlicher Kostentreiber.

Konkret bedeutet das: Mit unserer Energiemesstechnik beugen wir möglichen Problemen vor. Sie schafft Klarheit über die Netzstabilität, sie schützt gleichzeitig Betriebsmittel und unterstützt einen effizienten Energieeinsatz. Das Ergebnis ist ein robustes, hochverfügbares Energiesystem, das den kontinuierlichen Betrieb sichert. Im Tunnelbau ist diese Hochverfügbarkeit ein eindeutiger Wirtschaftsfaktor.

Die Messtechnik von Janitza bietet ein kontinuierliches Energiemonitoring über sämtliche Ebenen.

Die Messtechnik von Janitza bietet ein kontinuierliches Energiemonitoring über sämtliche Ebenen.

Im Baulos H53 kommen unterschiedliche Janitza-Messgeräte zum Einsatz. Nach welchen technischen Kriterien wurde das Messkonzept aufgebaut und wie hat Janitza Hauptverteilung, Unterverteilungen und Verbrauch messtechnisch abgedeckt?

Bei Projekten dieser Größenordnung ergibt sich das Messkonzept immer aus einer Kombination aus projektspezifischen Anforderungen, normativen Vorgaben und dem konkreten Anlagenaufbau. Das System sollte am Ende die hohen Lastgänge und die Komplexität der Infrastruktur zuverlässig abbilden. Im Baulos H53 haben wir das Messkonzept daher klar hierarchisch aufgebaut. Auf der Ebene der Hauptverteilung werden große Leistungen und die Gesamtenergieflüsse erfasst, während in den Unterverteilungen und an ausgewählten Abgängen und Verbrauchern detaillierte Messungen erfolgen. So kann man sowohl den Gesamtzustand der Anlage als auch einzelne Verbraucher gezielt analysieren.

Zum Einsatz kommen unterschiedliche Janitza-Messgeräte – von kompakten Multifunktionsmessgeräten bis hin zu leistungsfähigen Analysegeräten für komplexere Messungen. Ein zentrales Kriterium ist die Modularität des Systems. Das Messkonzept muss über die gesamte Projektlaufzeit mit der Baustelle mitwachsen können und gleichzeitig eine hohe Betriebssicherheit und Verfügbarkeit gewährleisten. Gerade bei mehrjährigen Tunnelprojekten ist diese Flexibilität ein sehr wichtiger Aspekt.

Die Netzvisualisierungssoftware GridVis zeigt Energieeinsparpotenziale auf und hilft Betriebsmittelnutzungszeiten zu optimieren sowie Fertigungsausfälle frühzeitig zu erkennen.

Die Netzvisualisierungssoftware GridVis zeigt Energieeinsparpotenziale auf und hilft Betriebsmittelnutzungszeiten zu optimieren sowie Fertigungsausfälle frühzeitig zu erkennen.

Das Projekt läuft über mehrere Jahre und entwickelt sich technisch ständig weiter. Wie stellen Sie sicher, dass Messkonzept, Geräte und Software langfristig stabil und erweiterbar bleiben?

Derartige Projekte sind dynamisch. Wenn eine Baustelle wächst, ändern sich auch die Rahmenbedingungen: Maschinen und Antriebe kommen hinzu, die Infrastruktur vergrößert sich und Vorgaben aus Normen und Gesetzgebung entwickeln sich weiter. Gerade bei Projekten, die lange Zeit in Anspruch nehmen, zählt ein Messkonzept, das mitwächst. Deshalb setzen wir konsequent auf modulare Messtechnik. Bestehende Hardware bleibt dabei erhalten. Das betrifft auch die Kommunikation.

Wichtig sind zukunftssichere Schnittstellen und Protokolle wie MQTT, mit denen wir neue Anforderungen integrieren können. Damit bleibt der Betreiber über die gesamte Projektlaufzeit flexibel. Erweiterungen sind jederzeit mit wenig Aufwand möglich.

Das GridVis Dashboard Energieübersicht bietet eine schnelle Visualisierung aller relevanten Energiedaten im Netz.

Das GridVis Dashboard Energieübersicht bietet eine schnelle Visualisierung aller relevanten Energiedaten im Netz.

Welche Funktionen der Janitza-GridVis-Software sind in Projekten dieser Größenordnung besonders wichtig, um Abweichungen, Fehlerursachen oder Effizienzpotenziale frühzeitig zu erkennen?

In Projekten dieser Größenordnung stehen vor allem Analyse, Transparenz und vorausschauendes Steuern im Vordergrund. Die Netzvisualisierungssoftware GridVis von Janitza dient dabei als zentrales Werkzeug für Lastgang- und Trendanalysen, die Live-Überwachung sowie die Auswertung historischer Messdaten. Besonders bei großen Energiebedarfen schafft die datenbasierte Sicht einen klaren Vorteil. Sie stärkt die Wirtschaftlichkeit und erkennt Lastspitzen frühzeitig.

Auch die Überwachung der Spannungsqualität ist ein zentraler Baustein, da sie Abweichungen und Netzrückwirkungen rechtzeitig sichtbar macht. Die Differenzstromüberwachung ergänzt das Konzept um eine präventive Maßnahme: Sie macht den Betrieb sicherer, schützt die Anlagen und reduziert Brandrisiken. GridVis bündelt die gesamten Informationen, erkennt Abweichungen früh, analysiert gezielt die Ursachen und unterstützt schnelle Gegenmaßnahmen.

Der GridVis Berichtseditor ermöglicht die strukturierte Auswertung und Dokumentation von Energiedaten.

Der GridVis Berichtseditor ermöglicht die strukturierte Auswertung und Dokumentation von Energiedaten.

Können Sie dies im Detail erklären?

Die Analyse der Spannungsqualität spielt in solchen Projekten eine Schlüsselrolle. Sie grenzt Ursachen gezielt ein. Mit Power-Quality-Monitoring lässt sich beispielsweise genau unterscheiden, ob Störungen von der Netzseite kommen oder innerhalb der Anlage entstehen – etwa durch Leistungselektronik, große Antriebe oder dynamische Lastwechsel. Erfahrungsgemäß entstehen viele dieser Effekte innerbetrieblich und wirken über Netzrückwirkungen wieder auf das Gesamtsystem zurück.

Mit einer kontinuierlichen Netzanalyse sehen wir früh, wie sich Störungen im System entwickeln. Das hilft dem Betreiber, rechtzeitig gegenzusteuern, bevor der Betrieb betroffen ist. Dazu kommt die Differenzstromüberwachung als präventive Schutzmaßnahme. Gerade bei langen Leitungswegen, parallelen Kabeltrassen und rauen Umgebungsbedingungen entstehen Isolationsprobleme oft schleichend. Die permanente Überwachung erkennt solche Veränderungen früh und reduziert das Risiko von Ausfällen oder sicherheitsrelevanten Situationen. In solchen Projekten arbeiten wir eng mit allen Beteiligten zusammen. Wir unterstützen bei der Auswahl der Messtechnik, der Integration ins System und der Auswertung der Daten.

Die Netzvisualisierungssoftware GridVis unterstützt Unternehmen bei der transparenten Erfassung, Analyse und Dokumentation von Energiedaten.

Die Netzvisualisierungssoftware GridVis unterstützt Unternehmen bei der transparenten Erfassung, Analyse und Dokumentation von Energiedaten.

Nachhaltigkeit wird zunehmend datengetrieben definiert: über Energiedaten, Transparenz und nachweisbare Einsparungen. Welche Rolle spielt Energiemesstechnik in der Nachhaltigkeitsstrategie von Janitza und wie unterstützen Sie Kunden?

Ohne exakte Messwerte bleibt Nachhaltigkeit oft ein vages Zielbild. Energiemesstechnik dagegen schafft einen detaillierten Überblick über Verbräuche, Lastspitzen und Effizienzpotenziale. Damit lassen sich Maßnahmen gezielt priorisieren und ihre Wirkung sauber nachweisen. Das ist auch für den Carbon Footprint entscheidend, denn CO₂-Bilanzen brauchen belastbare Energiedaten und eine klare Zuordnung. In der Praxis geht es Betreibern daher nicht nur um Kosten. Es geht auch um Zielvorgaben bei Energieeffizienz und CO₂. Neben einem verlässlichen System ist auch die begleitende Expertise besonders hilfreich. Janitza unterstützt hier mit Service und Erfahrung: von der Messpunktstrategie über Inbetriebnahme und Parametrierung bis zur Analyse in der Software. So entsteht eine belastbare Basis für Entscheidungen und Maßnahmen, die im Betrieb wirken.

Janitza Project Solutions ist eine schlüsselfertige Lösungen für individuelle Anforderungen.

Janitza Project Solutions ist eine schlüsselfertige Lösungen für individuelle Anforderungen.

Auch Normen und regulatorische Vorgaben wie ISO 50001, ISO 14001 oder künftig auch CSRD erhöhen die Anforderungen an eine Messgenauigkeit, Datenverfügbarkeit und Nachvollziehbarkeit. Wie helfen Janitza-Lösungen Anwendern dabei, diese Anforderungen im Betrieb prüfbar zu erfüllen?

Wenn Projekte über viele Jahre laufen, ändern sich Normen und regulatorische Rahmenbedingungen. Aktuell ist dies beispielsweise im Kontext von CSRD-Reporting, energiebezogenen Vorgaben oder tariflichen Anforderungen ein Thema. Systeme müssen deshalb nicht nur Daten erfassen, sondern auch so bereitstellen, dass sie auswertbar, nachvollziehbar und reportfähig sind. Deshalb müssen Reportingfunktionen flexibel konfigurierbar sein und sich an neue Anforderungen anpassen lassen – etwa über automatisierte Berichte und anpassbare Reportinhalte. Auf Betreiberseite ist dabei entscheidend, dass Messdaten über den gesamten Zeitraum konsistent verfügbar sind und die Lösung langfristig tragfähig bleibt. Gerade bei langen Lebenszyklen punkten Systeme, die auf Langzeitverfügbarkeit und Erweiterbarkeit ausgelegt sind, wie es bei Janitza der Fall ist.

Vielen Dank für das Gespräch!

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