interview
Ohne Messwerte kein Umdenken – Wolfgang Peherstorfer, Janitza, im Interview
Energiemanagement ist heutzutage nicht nur relevant für die Umwelt und Gesellschaft, sondern auch ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Nur wer den Energieverbrauch im Blick behält, kann Kosten reduzieren und gleichzeitig die Effizienz steigern. Janitza bietet komplette Systemlösungen für ein zeitgemäßes Energiedatenmanagement sowie Lösungen zur Spannungsqualitäts- und Differenzstromüberwachung. Welche Wege zum Umdenken führen und mit welchem positiven Beispiel das Unternehmen selbst vorangeht, diskutierte Wolfgang Peherstorfer, Niederlassungsleiter Janitza Österreich, mit der x-technik AUTOMATION.
„Fest steht – Energiemanagement lohnt sich immer und die Zeit für Investitionen in die Nachhaltigkeit ist genau jetzt richtig.“ Wolfgang Peherstorfer, Niederlassungsleiter von Janitza Österreich
Herr Peherstorfer, das Portfolio von Janitza umfasst unter anderem Messgeräte und Software, anhand derer Unternehmen ein effizientes Energiemanagement durchführen können. Nun liegen seit geraumer Zeit zahlreiche Regularien vor, die die Betriebe zu mehr Nachhaltigkeit bewegen. Können Sie bei der Nachfrage nach Janitza-Lösungen diese Trendwende bestätigen?
Als Hersteller von Energiemesstechnik und Softwarelösungen im Bereich Energiemanagement, Energiemonitoring und Lastmanagement spüren auch wir bei Janitza einen Anstieg der Nachfrage nach entsprechenden Lösungen. Das ist richtig. In diesem Zusammenhang möchte ich ein passendes Statement von Lord Kelvin zitieren, der vor vielen Jahrzehnten an der Institution of Civil Engineers Folgendes gesagt hat: „Wenn man etwas nicht messen kann, dann weiß man nicht viel darüber und kann es nicht verbessern.“ Damit trifft er den Kern der Messtechnik und zeichnet das derzeitige Bild ab, das der Markt hergibt. Grundsätzlich verzeichnet die Messtechnik eine große Nachfrage, denn anhand gemessener Daten kann man Schlussfolgerungen für das eigene Unternehmen ziehen und entsprechend handeln. Ohne Daten wird ein Umdenken schwer erreichbar sein.
Ohne Messtechnik und ohne entsprechende Software werden Unternehmen die Schritte der Prozessoptimierung schwer erreichen. Das oberste Credo ist ein smartes Messkonzept, das man als Unternehmer aufstellen muss – unabhängig von der Unternehmensgröße.
Mit welchen Lösungen tritt Janitza diesbezüglich am Markt auf?
Das Portfolio von Janitza umfasst neben Messgeräten und Software auch die Dienstleistung – eine Gesamtlösung, die effizientes Energiemanagement garantiert. Hierzu zählen Energiemesstechnik, Klasse A-Spannungsqualitätsanalysatoren entsprechend der Norm EN 50160, Energiemanagementsysteme, digitale Einbaumessgeräte, mobile Spannungsqualitätsanalysatoren und Lastmanagement-Controller. Was das Energiemanagement betrifft, basiert dieses wie erwähnt auf Kennzahlen. Und diese kann man anhand unserer Lösungen bestens messen und schnell einen ROI erzielen.
Janitza kann viele spannende Referenzen zitieren, bei denen bereits Einsparpotenzial eruiert und entsprechend umgerüstet wurde. Ein für Österreich sehr passendes Anwenderbeispiel ist der Skibetrieb Planai-Hochwurzen-Bahn.
Das stimmt. Die Betreiber der Planai-Hochwurzen-Bahnen haben ein Monitoring-system installiert, das einerseits hilft, Einsparpotenziale zu entdecken und den Erfolg von Maßnahmen zu kontrollieren und das andererseits die Unternehmenskommunikation dabei unterstützt, sich den Fragen zum Energieverbrauch und den ökologischen Folgen des Wintersports zu stellen. Generell gesprochen ist die Nachfrage nach Energiemessgeräten in den letzten Jahren gestiegen und nachdem wir als Janitza zu den Spezialisten im Bereich Energiemanagement, Monitoring und Lösungen zählen, freuen wir uns über zahlreiche Referenzen, die wir aufzeigen können. Neben den nachhaltigen Aspekten ist auch stets der Wettbewerbsvorteil im Fokus, den Unternehmen erzielen können. Und selbstverständlich können wir im industriellen Bereich ebenfalls sehr gute Referenzen aufzeigen. Allgemein zeigt sich eines: Ohne Messtechnik geht es nicht.
Nun stellen sich viele Unternehmen DIE eine Frage beim Thema Nachhaltigkeit: Was habe ich davon? Halte ich „ausschließlich“ gesetzliche Regularien ein oder kann ich Optimierungen bei der Energieeffizienz auch monetär nachweisen? Wird Janitza mit diesen Fragen konfrontiert?
Das ist eine sehr berechtigte Frage, die wir immer wieder gestellt bekommen. Janitza beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Messtechnik, Energiemonitoring etc. und eines steht dabei ganz klar fest: Energiemanagement lohnt sich immer! Selbstverständlich muss auch die Frage des Investments durchleuchtet werden. Hier diskutieren wir oft den Begriff der „wertschöpfenden und nicht wertschöpfenden Energie“. Innerhalb der Industrie ist das ein sehr weiter Begriff. Bei der Prozessoptimierung im Allgemeinen, vor allem im Automotivbereich, sind Einsparungen von 20 bis 30 Prozent ein enormes Potenzial im Gesamtkomplex. Hier schlagen sich Einsparungen sehr deutlich zu Tage.
Würden Sie der Aussage zustimmen, dass wenn ich Energie nachhaltig einspare und meinen Energieverbrauch sichtbar messe, ich als Unternehmen in Folge ein Stück weit smart bin?
Auf jeden Fall. Smarte Energiemesstechnik ist ein Begriff der Industrie 4.0-Welt. Beim Thema Prozessoptimierung, die man als Unternehmen immer anstreben sollte, gehen Betriebe bereits einen nächsten Schritt – und zwar in Richtung Industrie 5.0. Smart bin ich als Unternehmen immer dann, wenn ich meine Prozesslandschaft positiv verändere. Fakt ist: Ohne Messtechnik und ohne entsprechende Software werde ich die Schritte der Prozessoptimierung schwer erreichen. Das oberste Credo ist ein smartes Messkonzept, dass ich als Unternehmer aufstellen muss – unabhängig von der Unternehmensgröße. Dabei konzentriert man sich vor allem auf die Haupt(energie)verbräuche im eigenen Betrieb und geht dann in Folge auf die Maschinenebene ein Stück weiter „hinunter“. Anhand eines übersichtlichen Gesamtbildes lässt sich daraus die IST-Situation darstellen, die zu optimieren ist. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von stetig wachsenden Prozessen.
Gehört die beratende Komponente beim nachhaltigen Energiemanagement auch zum Janitza-Portfolio?
Wir unterstützen den Kunden von einem sogenannten Erstgespräch über die Einführung der Maßnahmen bis hin zum Messkonzept und zur Umsetzung. Diese Komponente darf man auch nicht unterschätzen, sie benötigt Zeit und Ressourcen und ist ausschlaggebend für die darauffolgenden Schritte.
Wie viel Zeit muss ein Unternehmen einplanen, bis Maßnahmen greifen bzw. im Betrieb umgesetzt werden können?
Man darf den Zeitaufwand wirklich nicht unterschätzen, das betonen wir immer wieder. Nach dem Erstgespräch kann nicht in der darauffolgenden Woche mit der Umsetzung der Maßnahmen begonnen werden. Es sind viele einzelne Schritte bis zum endgültigen Ziel nötig. Grob gerechnet würde ich sagen, dass man mit einem halben bis dreiviertel Jahr Vorlaufzeit rechnen muss, je nachdem wie weit der Betrieb schon ist. Zudem müssen verschiedenste Abteilungen mit einbezogen werden und dann beginnt erst das eigentliche Messen. Die ersten greifbaren Messdaten hat man meist nach ein bis zwei Monaten – dann kann man mit ihnen arbeiten. Zudem stellt sich auch die Frage, ob ich als Betrieb zusätzliches Personal benötige bzw. wer welche „neuen“ Aufgaben im Unternehmen zugeschrieben bekommt. Auch diese Frage muss beantwortet werden.
Derzeit zögern viele Unternehmen bei Neuinvestitionen. Dennoch haben Sie anfangs betont, dass eine rege Nachfrage nach nachhaltigen Messtechniklösungen zu verzeichnen ist. Wie sehen Sie das?
Es stimmt, dass derzeit die Investitionsfreude nicht sehr ausgeprägt ist. Das hängt natürlich mit der Rezession zusammen. Die Inflation, die geopolitische Unsicherheit und vieles mehr lassen Neuinvestitionen schwer zu. Dennoch sollte man im Gespräch bleiben und planen, denn durch die gesetzlichen Änderungen lassen sich gewisse Dinge nur aufschieben, aber nicht ignorieren. Oft bringt eine Investition auch recht schnell den ROI und entsprechende Einsparungen im Unternehmen. Das darf man nicht außer Betracht lassen. Wir beraten auch hier wie gesagt gerne.
Schlussendlich heißt es immer: Mit gutem Beispiel vorangehen. Wie schaut es bei Janitza selbst aus? Nimmt das Unternehmen bei nachhaltigen und energieeffizienten Investitionen eine Vorreiterrolle ein?
Bei Janitza gehen wir mit einem guten Beispiel voran. Das kann ich bestätigen. Als Experte der Energiemesstechnik ist für uns die Erfassung der CO₂-Emissionen im Bereich Scope 1 und 2 – d. h., CO₂-Emissionen, die direkt im Unternehmen oder durch eingekaufte Energie erzeugt werden – relativ einfach. Seit 2013 werden bereits Energieverbräuche im Unternehmen im Rahmen eines zertifizierten Energiemanagementsystems detailliert erfasst und ausgewertet. 2016 erfolgte der Ausbau der PV-Anlage und Heizung bzw. die Klimatisierung über Wärmepumpen im damals neuen Verwaltungsgebäude und 2019 die energetische Sanierung des Forschungs- und Entwicklungsgebäudes.
2024 sind wir als ein „Climate Partner zertifiziertes Unternehmen“ ausgezeichnet worden und auch in Österreich versuchen wir mit bestem Beispiel voranzugehen. Das Bestreben von Janitza ist es stets, sich auch selbst den Anforderungen des Marktes zu stellen und vor allen Dingen eigene wesentliche Zeichen zu setzen, die die Nachhaltigkeit unterstützen. Das betonen wir auch gerne in unseren Veranstaltungen und bei unseren Vorträgen, wo wir renommierte Keynote Speaker wie Reinhold Messner oder Andreas Jäger einladen konnten. Und wir haben auch in Zukunft vor, unsere Veranstaltungsserie so erfolgreich fortzuführen wie bisher.


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