interview

Janitza-Project Solutions trumpft mit ganzheitlichen Lösungsansätzen

Mit dem neuen Geschäftsbereich „Janitza Project Solutions“ erweitert Janitza sein Portfolio von der klassischen Energiemesstechnik hin zu umfassenden, integrierten Kundenlösungen. Auf der SPS in Nürnberg sprach die x-technik AUTOMATION mit Thomas Hilbig, Bereichsleiter Produktmanagement und Dienstleistung bei Janitza, über strategische Hintergründe, technische Tiefe und die wachsende Bedeutung ganzheitlicher Projektansätze.

„Viele Kunden kennen uns aufgrund unserer Messtechnik und Software. Dass wir darüber hinaus ganzheitliche Projektlösungen anbieten, ist noch nicht überall bekannt.“ Thomas Hilbig, Bereichsleiter Produktmanagement und Dienstleistung, Janitza electronics GmbH (Bild: x-technik)

„Viele Kunden kennen uns aufgrund unserer Messtechnik und Software. Dass wir darüber hinaus ganzheitliche Projektlösungen anbieten, ist noch nicht überall bekannt.“ Thomas Hilbig, Bereichsleiter Produktmanagement und Dienstleistung, Janitza electronics GmbH (Bild: x-technik)

Kontakt Österreich:

Niederlassungsleiter Österreich:
Wolfgang Peherstorfer
E-Mail: wolfgang.peherstorfer@janitza.com
Telefon: +43 664 347 6375

Herr Hilbig, Janitza ist seit Jahrzehnten für Energiemesstechnik bekannt. Welche Rolle spielt Project Solutions im Unternehmen?

Hinter dem Begriff Project Solutions steht ein ganzheitlicher Ansatz für die Projektbearbeitung – von der ersten Analyse über die technische Umsetzung bis hin zu Service, Schulung und Wartung. Historisch kommen wir als Unternehmen eindeutig aus der Energiemesstechnik. Unsere Geräte erfassen Energiedaten in Industrieanlagen, Rechenzentren oder Infrastrukturen. Doch Energiedaten allein reichen heute nicht mehr aus. Sie sind komplex, umfangreich und müssen in einen Kontext gebracht werden. Genau hier setzt die Project Solution an: Wir liefern nicht nur Komponenten, sondern entwickeln Gesamtlösungen für Energie-Monitoring und Energietransparenz.

Hinter dem Begriff Project Solutions steht ein ganzheitlicher Ansatz für die Projektbearbeitung – von der ersten Analyse über die technische Umsetzung bis hin zu Service, Schulung und Wartung.

Hinter dem Begriff Project Solutions steht ein ganzheitlicher Ansatz für die Projektbearbeitung – von der ersten Analyse über die technische Umsetzung bis hin zu Service, Schulung und Wartung.

Bedeutet das, dass Kunden mit einer konkreten Problemstellung auf Sie zukommen und Sie daraus eine individuelle Lösung entwickeln?

Richtig. Dabei beschränken wir uns nicht ausschließlich auf die Energiemesstechnik. Wir verfügen über breite Erfahrung in der Automatisierungstechnik, im Prozessdatenmanagement und in der Softwareintegration. Das heißt: Wir können bestehende Systeme beim Kunden erweitern oder komplette neue Systemarchitekturen aufbauen. Alles, was sich um Datenerfassung, Datenverarbeitung und Datenintegration dreht, gehört zu unserem Lösungsraum. Zuerst analysieren wir gemeinsam mit dem Kunden, welches Ziel er verfolgt. Geht es ihm um Kostentransparenz, Lastmanagement, Versorgungssicherheit oder Prozessoptimierung? Auf dieser Basis konzipieren wir dann eine technisch passende Lösung.

„Verfügbarkeit ist in vielen Branchen heute mindestens so wichtig wie Energieeffizienz. Produktionsanlagen, Rechenzentren oder kritische Infrastrukturen können sich ungeplante Stillstände schlicht nicht leisten. Genau hier setzen unsere Project Solutions an“, erläutert Thomas Hilbig, Bereichsleiter Produktmanagement und Dienstleistung bei Janitza, im Gespräch mit AUTOMATION-Chefredakteurin Stephanie Englert.(Bild: x-technik)

„Verfügbarkeit ist in vielen Branchen heute mindestens so wichtig wie Energieeffizienz. Produktionsanlagen, Rechenzentren oder kritische Infrastrukturen können sich ungeplante Stillstände schlicht nicht leisten. Genau hier setzen unsere Project Solutions an“, erläutert Thomas Hilbig, Bereichsleiter Produktmanagement und Dienstleistung bei Janitza, im Gespräch mit AUTOMATION-Chefredakteurin Stephanie Englert.(Bild: x-technik)

Wie läuft ein solches Projekt in der Praxis ab?

Wir beginnen immer mit einer Vor-Ort-Analyse und betrachten die Infrastruktur, die bestehenden Systeme, die Kommunikationsschnittstellen und definieren gemeinsam mit dem Kunden die Zielsetzung. Darauf folgt die technische Planung. Im Bereich Automatisierung arbeiten wir beispielsweise intensiv mit Siemens-SPS-Systemen. Wir projektieren Hardware, erstellen SPS-Programme, nehmen Anlagen in Betrieb und sorgen für die saubere Integration in die Energiewelt. Das umfasst auch Schnittstellenentwicklung, API-Programmierung oder die Anbindung an übergeordnete Softwarelösungen – sei es Siemens-Software oder andere Systeme. Natürlich setzen wir bevorzugt unsere eigene Netzvisualisierungssoftware Gridvis ein, wenn es technisch sinnvoll ist. Aber wir sind nicht darauf festgelegt. Entscheidend ist, was für den Kunden die beste Lösung darstellt.

Janitza beschränkt sich nicht ausschließlich auf die Energiemesstechnik, sondern verfügt über umfassende Erfahrungen in der Automatisierungstechnik, im Prozessdatenmanagement und in der Softwareintegration.

Janitza beschränkt sich nicht ausschließlich auf die Energiemesstechnik, sondern verfügt über umfassende Erfahrungen in der Automatisierungstechnik, im Prozessdatenmanagement und in der Softwareintegration.

Seit wann verfolgt Janitza diesen ganzheitlichen Ansatz?

Projektbezogene Lösungen bieten wir schon seit vielen Jahren an, etwa beim Aufbau von Visualisierungen oder Dashboards mit der Gridvis. Den strategischen Schritt in Richtung umfassender Automatisierungslösungen haben wir durch die Integration der ehemaligen Firma Atcom Datensysteme GmbH ermöglicht, die seit Jahren stark im Automatisierungsumfeld verankert ist. Seit vergangenem Sommer treten wir als Janitza offiziell als eigener Geschäftsbereich „Janitza Project Solutions“ auf. Wir haben unsere Leistungen gebündelt, standardisiert und als klar definierte Lösungspakete strukturiert. Damit professionalisieren wir den Ansatz und machen ihn für Kunden transparenter zugänglich.

Welche Leistungen umfasst dieser Geschäftsbereich konkret?

Janitza Project Solutions ist Teil der Janitza electronics GmbH, agiert aber als eigenständiger Bereich innerhalb unserer Dienstleistungsstruktur. Dazu gehören der Standort in Siegen sowie unsere Service- und Applikationsabteilungen. Wir bieten Lösungen für alle Schritte des Energiemonitorings an, von Planung, Projektierung, Installation, Inbetriebnahme und Schulung bis zur abschließenden Wartung oder Erweiterung. Kunden sollen sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können, sei es im Maschinenbau, in der Produktion oder im Rechenzentrumsbetrieb. Energiemesstechnik und Datenmanagement sind in den seltensten Fällen Kernkompetenz des Anwenders. Genau diese Lücke schließen wir.

Wie lange dauern solche Projekte typischerweise?

Das hängt vom Umfang ab. Im Bereich Lastmanagement – beispielsweise bei der Integration von Batteriespeichern, PV-Anlagen oder Ladesäulen – verfügen wir über standardisierte Lösungsbausteine, die Projekte deutlich beschleunigen. Bei individuellen Anpassungen kann sich die Laufzeit entsprechend verlängern. Manche Projekte sind in wenigen Wochen umgesetzt, andere begleiten wir über ein bis anderthalb Jahre in mehreren Ausbaustufen. Das Spektrum ist breit.

Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und steigende Energiepreise in diesem Kontext?

Sie sind ein eindeutiger Treiber. Energietransparenz wird zunehmend zur wirtschaftlichen Notwendigkeit. Selbst wenn politische Maßnahmen Entlastungen bringen, bleibt Energie ein relevanter Kostenfaktor. Gleichzeitig geht es nicht nur um Einsparungen. In der Automatisierung steht Prozessoptimierung im Vordergrund. Durch transparente Daten lassen sich diese Abläufe stabilisieren, Verfügbarkeiten erhöhen und Qualitätsprobleme frühzeitig erkennen. Spannungsqualitätsanalysen und die Detektion von Fehlerströmen reduzieren das Ausfallrisiko – etwa in Produktionsanlagen oder Server-Racks. Am Ende steht natürlich auch eine wirtschaftliche Betrachtung. Aber ein eingesparter Euro nützt wenig, wenn die Produktion stillsteht. Unser Ansatz verbindet Effizienz, Verfügbarkeit und Nachhaltigkeit.

Wie wichtig ist dabei die Zusammenarbeit mit Partnern?

Partner spielen eine wichtige Rolle bei der Umsetzung komplexer Projekte. Unser breites Solution-Partner-Netzwerk ergänzt das eigene Leistungsspektrum, etwa in den Bereichen Energieberatung, Spannungsqualitätsanalyse und Installation. Dadurch realisieren wir ganzheitliche Lösungen, die technisch und wirtschaftlich optimal auf die Anforderungen der Kunden abgestimmt sind.

Ich möchte nun noch über das Thema Verfügbarkeit kurz sprechen. Welche konkrete Rolle spielt Project Solutions bei der Sicherstellung von Anlagen- und Prozessverfügbarkeit?

Verfügbarkeit ist in vielen Branchen heute mindestens so wichtig wie Energieeffizienz. Produktionsanlagen, Rechenzentren oder kritische Infrastrukturen können sich ungeplante Stillstände schlicht nicht leisten. Genau hier setzen unsere Project Solutions an. Durch eine durchgängige Erfassung von Energie- und Prozessdaten schaffen wir die Grundlage für Transparenz in Echtzeit. Wir analysieren Spannungsqualität, erkennen Oberschwingungen, Transienten, Ereignisse oder Fehlerströme und setzen Grenzwertüberwachungen auf. In Kombination mit SPS-gestützten Automatisierungslösungen und intelligenter Softwareanbindung können wir Alarme generieren oder automatisierte Reaktionen auslösen, bevor es zu einem Anlagenstillstand kommt.

Das Ziel ist ein prädiktiver Ansatz: Wir identifizieren Probleme nicht erst, wenn die Maschine steht, sondern bereits wenn sie entstehen. Damit erhöhen wir nicht nur die technische Verfügbarkeit, sondern auch die Planungssicherheit für Instandhaltung und Produktion. Gerade in energieintensiven oder hochautomatisierten Umgebungen ist das ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

Wenn wir über Energietransparenz und Verfügbarkeit sprechen, spielen Normen und regulatorische Anforderungen eine zentrale Rolle. Welche Bedeutung haben beispielsweise ISO 50001 oder Spannungsqualitätsnormen wie EN 50160 im Kontext Ihrer Project Solutions?

Das ist eine wichtige Frage. Normen sind in vielen Projekten der eigentliche Ausgangspunkt. ISO 50001 beschreibt den Aufbau eines systematischen Energiemanagements und dessen kontinuierliche Verbesserung. Dafür braucht es belastbare, nachvollziehbare und auditfähige Datenstrukturen. Unsere Project Solutions schaffen genau diese Grundlage: von der normgerechten Messkonzeption über die Auswahl geeigneter Messgeräte bis hin zur strukturierten Datenaufbereitung in einem Energiemanagementsystem. Wir unterstützen Kunden bei der Definition von Messkonzepten nach ISO 50001, sorgen für eine konsistente Datenaggregation und ermöglichen Kennzahlenbildungen, direkt in der Software. Gleichzeitig stellen wir sicher, dass Messgeräte entsprechend der geforderten Genauigkeitsklassen eingesetzt werden.

Im Bereich Spannungsqualität ist die EN 50160 die zentrale Norm. Sie umfasst Parameter wie Oberschwingungen, Spannungseinbrüche oder Transienten. Mit unseren Netzanalysatoren erfassen wir diese Größen normkonform und können Grenzwertverletzungen eindeutig dokumentieren. In Verbindung mit Automatisierungslösungen lassen sich daraus konkrete Maßnahmen ableiten, wie beispielsweise angepasste Lastverteilungen oder das Identifizieren kritischer Verbraucher. Wichtig ist, dass wir Normen nicht isoliert als Compliance-Thema betrachten, sondern als technischen Rahmen für stabile und effiziente Prozesse. Eine normkonforme Infrastruktur schafft Transparenz und Transparenz ist wiederum die Basis für Optimierung, Verfügbarkeit und letztlich auch Wirtschaftlichkeit.

Wohin entwickelt sich Janitza Project Solutions in den kommenden Jahren?

Wir bauen aktuell unser Standortnetzwerk in Deutschland weiter aus. Neben den Standorten in Siegen und Appenweier sind weitere Betriebsstätten geplant. Perspektivisch denken wir auch international. Unsere Landesgesellschaften – etwa in den USA – realisieren bereits kundenspezifische Lösungen. Gleichzeitig verfolgen wir einen Local-for-Local-Ansatz. Lösungen sollen möglichst nah am jeweiligen Markt entstehen. Kurzfristig liegt unser Fokus jedoch klar auf Deutschland und Europa.

Welche Ziele verfolgen Sie als Unternehmen mit Messeauftritten?

Viele Kunden kennen uns aufgrund unserer Messtechnik und Software. Dass wir darüber hinaus ganzheitliche Projektlösungen anbieten, ist noch nicht überall bekannt. Unsere Messeauftritte bieten eine ideale Plattform für klare Kommunikation und Positionierung unserer Lösungen. Bestandskunden erhalten neue Anregungen für konkrete Anwendungen – gleichzeitig entstehen neue Kontakte für künftige Projekte. Wer vor einer Herausforderung im Bereich Datenintegration, Energie-Monitoring oder Automatisierung steht, sollte das Gespräch mit uns suchen. In der Regel finden wir einen Weg.

Vielen Dank für das Gespräch.

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