interview
Energiemanagement als Wachstumstreiber bei Janitza
Kaum ein Thema ist für die Industrie derzeit so brisant wie die effiziente Nutzung von Energie. Steigende Preise, regulatorischer Druck und der Anspruch an mehr Nachhaltigkeit stellen Unternehmen vor große Herausforderungen und bieten zugleich enorme Chancen für technologische Innovationen. Janitza electronics gilt als einer der Pioniere im Bereich Energiemanagement und Spannungsqualität. Anlässlich des bevorstehenden 40-jährigen Firmenjubiläums sprach Rudolf Müller, Geschäftsführer Janitza electronics, der das Unternehmen seit fast zwei Jahrzehnten entscheidend geprägt hat, über technologische Entwicklungen, internationale Marktdynamik und darüber, warum gerade jetzt die Zeit „reif“ ist, Energie ganzheitlich zu denken.
„Am Beispiel vom UMG 604-PRO zeigt sich, wie sehr Innovation und Kontinuität bei Janitza miteinander verbunden sind. Das Gerät steht für die konsequente Weiterentwicklung einer Idee, Energie messbar zu machen und sie durch vernetzte Systeme effizienter zu nutzen.“ Rudolf Müller, Geschäftsführer, Janitza electronics
Herr Müller, die Branche befindet sich in einem ständigen Wandel. Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage für die Industrie ein?
Die Lage ist vielschichtig. Global sehen wir ein eher gemischtes Bild. Auf der einen Seite gibt es wachstumsstarke Märkte wie die asiatischen, auf der anderen Seite stagnieren Investitionen in Teilen Europas, nicht zuletzt aufgrund politischer Unsicherheiten. Dennoch: Der Bedarf an Energieeffizienz, Prozesssicherheit und Digitalisierung ist vorhanden und das mehr denn je.
Die Einführung des UMG 604-PRO im Jahr 2008/2009 markierte einen bedeutenden Fortschritt für Janitza im Bereich der Energiemess- und Netzanalyselösungen. Das Gerät gehörte zu den ersten Netzanalysatoren mit integrierter Ethernet-Schnittstelle.
Welche Regionen oder Segmente sind für Janitza besonders spannend?
Der Bereich Rechenzentren ist für uns stark wachsend, insbesondere rund um den Raum Frankfurt/Main in Deutschland. Hier erleben wir seit Jahren eine starke Dynamik, getrieben durch die Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung. Aber auch international entstehen viele Projekte, bei denen Energiemanagement eine zentrale Rolle spielt. Herausforderungen wie steigende Energiepreise oder Netzinstabilität wirken da eher als Beschleuniger. Ebenso wichtig ist der Industriesektor mit seinem zunehmenden Fokus auf Energieeffizienz, CO₂-Footprint und gesetzeskonforme Nachweise im ESG-Kontext.
Innovative Energiemesstechnik: Energie muss sauber und zuverlässig zur Verfügung stehen. Dafür sind transparente Energiedaten und optimales Monitoring nötig.
2026 steht ein besonderes Jubiläum im Hause Janitza an: 40 Jahre Janitza electronics – herzlichen Glückwunsch. Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Meilensteine?
Vielen Dank erst einmal für die Glückwünsche. Janitza ist ein Familienunternehmen mit Wurzeln, die bis in die Nachkriegszeit reichen. In ihrer heutigen Form besteht die Janitza electronics GmbH seit 1986. Die Anfänge gehen jedoch auf das Jahr 1961 zurück, als Eugen Janitza die Eugen Janitza GmbH gründete – ein Unternehmen mit Fokus auf Energieverteilungsanlagen, Blindstrom-Kompensationsanlagen, Transformatoren und Stromversorgungen.
Der Bereich Rechenzentren ist für Janitza stark wachsend. Eine starke Dynamik, getrieben durch die Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung, prägen den Ruf nach Energie und Sparmaßnahmen.
Herr Müller, was hat auch Ihren Werdegang bei Janitza die zurückliegenden Jahre besonders geprägt?
Für mich persönlich war die Transformation vom Gerätehersteller zum Lösungsanbieter ein echter Meilenstein. Der Aufbau eines eigenen Vertriebs und die konsequente Internationalisierung haben diesen Weg perfekt ergänzt. Als ich vor knapp 20 Jahren begann, waren wir ein klassischer Mittelständler mit rund 50 Mitarbeitenden. Heute beschäftigen wir in der Gruppe rund 700 Menschen weltweit. Das ist eine herausragende Entwicklung. Wenn ich an technologische Entwicklungen denke, war die Einführung der UMG 600-Serie ganz klar ein Schlüsselmoment. Sie war eines der ersten Geräte mit umfassender Netzqualitätsanalyse, integrierter Ethernet-Schnittstelle und vielem mehr. Das hat neue Märkte erschlossen und uns technologisch nach vorne katapultiert. Und: Das Produkt ist bis heute noch im Portfolio vorhanden und hat sich stetig optimiert.
Kontinuität spielt hier eine herausragende Rolle. Damit meine ich, dass das Gerät den Beginn einer sich permanent weiterentwickelten Produktlinie markiert, die bis heute konsequent optimiert und technologisch verbessert wurde. Technische Kontinuität bedeutet nicht nur für mich persönlich Innovation auf Basis bewährter Architektur und Philosophie. Sie zeichnet Janitza als Unternehmen aus und gibt unseren Kunden in weiterer Folge auch Investitionssicherheit.
Und inwiefern hat Janitza mit der UMG 600-Serie das Thema Konnektivität geprägt?
Das ist eine gute Frage. Die Einführung des UMG 604-PRO im Jahr 2008/2009 markierte einen bedeutenden Fortschritt für Janitza im Bereich der Energiemess- und Netzanalyselösungen. Das Gerät gehörte zu den ersten Netzanalysatoren mit integrierter Ethernet-Schnittstelle und machte eine direkte Einbindung in industrielle Netzwerke möglich. Anwender konnten Messwerte erstmals ohne zusätzliche Software direkt im Browser visualisieren, analysieren und konfigurieren. Das war technologisch ein echter Fortschritt. Durch offene Kommunikationsprotokolle wurde das UMG 604-PRO zu einem Bindeglied zwischen Energie-, Gebäude- und Automatisierungstechnik. So legte Janitza früh den Grundstein für vernetzte Energiemanagementsysteme und ebnete den Weg in Richtung Industrie 4.0.
Was bedeutet das Jubiläum für das Unternehmen Janitza?
Es ist ein Anlass innezuhalten, zurückzublicken, aber auch eine Möglichkeit, um neue Impulse zu setzen. Wir planen 2026 – nicht nur im Rahmen der Feierlichkeiten – verschiedene Kundenveranstaltungen, darunter natürlich auch unseren etablierten Janitza Energy Day (29. Jänner 2026), den es nun schon seit fünf Jahren gibt. Er hat sich zu einem wichtigen Branchentreffpunkt entwickelt. Allein die Anzahl der Teilnehmenden – die auch online zugeschaltet sind – ist auf einem hohen Niveau. Das zeigt uns, dass wir die richtigen Themen aufgreifen und zur Diskussion stellen.
Ein weiteres zentrales Thema ist die Nachhaltigkeit. Wie sehen Sie hier die Rolle des Energiemonitorings?
Energiemonitoring ist die Grundlage für jede Nachhaltigkeitsstrategie. Getreu dem Motto: „Man kann nur optimieren, was man auch messen kann“. Gemeinsam mit unseren Kunden und Partnern zeigen wir, wie sich damit Effizienzpotenziale aufdecken und Investitionen schnell amortisieren. Viele unserer Kunden setzen konsequent auf Maßnahmen zur CO2-Reduktion – sei es aus regulatorischen oder unternehmensstrategischen Gründen. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Idealismus, sondern um unternehmerische Wirtschaftlichkeit. Die erwähnten Amortisationszeiten für Energiemanagementsysteme betragen oft nur wenige Monate. Das ist vielen nicht bewusst.
Wie steht Janitza zum regulatorischen Druck aus der Politik?
Der Druck kann initial ein Treiber sein, aber echte Veränderung kommt durch Überzeugung. Die Herausforderung ist, dass viele Unternehmen aktuell kaum Planungssicherheit haben. Wir wünschen uns von der Politik langfristige und vor allem klare Rahmenbedingungen. Das stärkt das Vertrauen in Investitionen, davon bin ich überzeugt.
Janitza geht mit dem Konzept namens Project Solutions einen neuen Weg. Was steckt genau dahinter?
Mit Janitza Project Solutions ist unser vollumfängliches Dienstleistungsangebot – von der Beratung über die Planung bis zur Integration und Inbetriebnahme – gemeint. Wir wollen ein ganzheitlicher Lösungsanbieter sein und nicht nur Komponentenhersteller bleiben. Mit dem Angebot unterstützt Janitza Kunden bei der Umsetzung komplexer Projekte – inklusive Software, Schnittstellen, Support und Schulungen. Das Ziel ist dabei klar definiert: Systemlösungen aus einer Hand, die funktionieren.
Was unterscheidet genau dieses Modell vom klassischen Produktvertrieb?
Der reine Produktverkauf steht längst nicht mehr im Vordergrund. Unsere Kunden wollen verlässliche Systeme, kompetente Ansprechpartner auf Augenhöhe und eine echte Partnerschaft über den gesamten Betriebszeitraum hinweg. Das hat unsere internen Prozesse stark verändert: Wir denken heute als Janitza viel projektorientierter, interdisziplinärer und kundennäher und das ist auch gut so. Nur wer reflektiert handelt und auf Augenhöhe kommuniziert, wird auch in Zukunft den Markt und die Entwicklung aktiv prägen.
Wie wichtig ist dabei der Mensch hinter der Technik?
Extrem wichtig. Unser Außendienst ist technisch hervorragend geschult. Kunden schätzen das sehr. Wir führen viele fachlich anspruchsvolle Gespräche, aus denen häufig neue Ideen entstehen. Doch am wichtigsten ist das Vertrauen, das dabei wächst. Genau daran arbeiten wir gezielt. Viele unserer Partner kennen wir schon seit Jahren und begleiten sie verlässlich bei ihren Herausforderungen und Fragen.
Apropos Vertrauen: Sie sind seit fast 20 Jahren bei Janitza tätig. Hätten Sie anfangs gedacht, dass sich auch Ihre Rolle immer wieder neu definiert?
Technik hat mich schon immer fasziniert, und bei Janitza konnte ich diese Leidenschaft mit verantwortungsvollen Rollen verbinden. Dieser „(Lebens-)abschnitt“ war unglaublich spannend und prägend: Aus einem Messgeräteanbieter wurde ein Systemanbieter mit starker Softwarekompetenz. Wenn man Dinge aktiv mitgestaltet, wächst man automatisch – beruflich wie persönlich.
Das klingt alles sehr positiv. In die Glaskugel geschaut: Wie sehen Sie die Zukunft von Janitza?
Wir sind gut aufgestellt und das gibt uns Kraft. Themen wie Energieeffizienz, hochverfügbare Energieversorgung, Digitalisierung, Nachhaltigkeit – das sind keine kurzfristigen Trends, sondern dauerhafte Herausforderungen der Unternehmen und Gesellschaft. Janitza gestaltet gemeinsam mit unseren Kunden wirtschaftlich tragfähige Projekte – partnerschaftlich und lösungsorientiert. Dabei investieren wir weiter in Innovation und stellen uns neuen Herausforderungen mit Strategie und Weitblick.
Dann jedoch ohne Ihre weitere Expertise, wenn ich das erwähnen darf. Denn Sie verlassen Ende des Jahres das Unternehmen und gehen in den wohlverdienten Ruhestand.
(lacht) Ja, das stimmt. Ich werde mich 2026 aus dem aktiven Geschäft zurückziehen. Aber Janitza bleibt in Bewegung – mehr denn je! Wir haben noch viele Ideen und klare Ziele, wie wir Nachhaltigkeit und Energieeffizienz weiter vorantreiben können. Das passiert künftig ohne mich, aber mit einem starken Team, das diesen Kurs engagiert fortsetzt. Janitza ist in guten Händen und ich freue mich auf das, was kommt: nämlich Kreta. Und vielleicht lerne ich sogar ein bisschen mehr „griechische Gelassenheit“, man lernt ja nie aus.






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