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Stäubli InnovationsForum 2026 zeigte Flexibilität, Präzision und digitale Intelligenz

Modulare Zellen, KI-gestützte Qualitätssicherung, virtuelle Inbetriebnahme und Dynamic Safety: Das Stäubli InnovationsForum 2026 im oberösterreichischen Gurten zeigte, wie sich industrielle Robotik zur zentralen Integrationsplattform vernetzter Produktionssysteme entwickelt. Im Fokus standen skalierbare Architekturen, reproduzierbare Präzision und die systemische Verknüpfung von Mechanik, Sensorik und Software.

Das Stäubli InnovationsForum Best of Automation war ein voller Erfolg.

Das Stäubli InnovationsForum Best of Automation war ein voller Erfolg.

Der Industrieroboter übernimmt zunehmend die Rolle einer strukturellen Klammer moderner Fertigung. Nicht einzelne Komponenten, sondern ihr abgestimmtes Zusammenspiel entscheidet über Leistungsfähigkeit, Variantenflexibilität und Zukunftssicherheit. Das wurde beim Stäubli InnovationsForum 2026 deutlich – mit Robotik als durchgängiger Plattform.

Ein Digitaler Zwilling ist nur so gut wie seine Datenbasis und Modellgüte, doch erleichtert in der Anwendung enorm den Prozess.

Ein Digitaler Zwilling ist nur so gut wie seine Datenbasis und Modellgüte, doch erleichtert in der Anwendung enorm den Prozess.

Modulare Architektur für Variantenvielfalt

Wie sich Flexibilität und Serienrobustheit verbinden lassen, zeigte Thomas Benninger, Geschäftsführer der AutoLab – Next Automation GmbH (PMT Holding), in seiner Keynote „One Line – Any Part: Flexible Fertigung und Intelligente Prüfung in Serie“. Das vorgestellte Konzept basiert auf klar modularisierten Fertigungszellen mit definierten Schnittstellen zwischen Robotern, Greifern und Prozessmodulen. Ergänzt wird die Produktionszelle durch eine intelligente Prüfeinheit mit elektrischen, mechanischen und optischen Tests sowie KI-gestützter Bildverarbeitung. „Flexibilität und Prozessstabilität sind kein Widerspruch“, betonte Benninger im Vortrag. Entscheidend sei eine strukturierte Modularisierung, die Variantenvielfalt ermöglicht, ohne reproduzierbare Qualität zu gefährden. KI wird dabei gezielt eingesetzt – etwa bei variantenreichen Bauteilen oder schwer definierbaren Fehlerbildern. Der messbare Nutzen liegt in höherer Robustheit und reduzierten Pseudoausschussraten. Voraussetzung ist eine durchgängige Datenintegration zwischen Fertigung und Prüfung als Basis für Rückverfolgbarkeit und adaptive Prozessregelung.

Thomas Benninger, Geschäftsführer der AutoLab – Next Automation GmbH (PMT Holding) betonte, dass Flexibilität und Prozessstabilität kein Widerspruch sind.

Thomas Benninger, Geschäftsführer der AutoLab – Next Automation GmbH (PMT Holding) betonte, dass Flexibilität und Prozessstabilität kein Widerspruch sind.

Präzision als Systemaufgabe

Wie sich Standardrobotik für hochpräzise Anwendungen adaptieren lässt, zeigte ein gemeinsames Projekt von Fill und Stäubli. Ausgangspunkt war ein TX200, erweitert um Sinumerik-Steuerung und Laserkompensationsalgorithmen, auch bekannt als Accubot. Das Ziel ist eine reproduzierbare Bahngenauigkeit unter realen Produktionsbedingungen, etwa in NDT-Anlagen für Aerospace-Bauteile „Bahngenauigkeit unter realen Bedingungen ist die eigentliche Herausforderung“, erklärte Wilhelm Rupertsberger, Head of Competence Center Plastics/Composites, Fill. Neben der Kompensation spielen stabile Prozesse, definierte Wartungskonzepte und qualifizierte Schulungen eine zentrale Rolle. Präzision endet eben nicht bei der Installation. Sie muss organisatorisch abgesichert werden.

Mit dem mobilen Robotersystem FL1500 präsentierte Stäubli eine Lösung zur Optimierung der Produktionslogistik.

Mit dem mobilen Robotersystem FL1500 präsentierte Stäubli eine Lösung zur Optimierung der Produktionslogistik.

Dynamik beginnt beim Greifer

Performance entsteht nicht allein in der Steuerung. Am Beispiel eines CFK-Robotergreifers zeigte das Unternehmen XeNTiS Composite, wie Gewichtseinsparungen von bis zu 60 Prozent Dynamik und Energieeffizienz verbessern, denn weniger bewegte Masse reduziert die Antriebsbelastungen, erhöht die Taktzahlen und steigert weiters die Prozessstabilität. Gerade bei hochdynamischen Anwendungen wird der Endeffektor damit zum entscheidenden Effizienzfaktor.

Produktion zuerst virtuell validieren

Einen klaren Fokus auf Planungssicherheit legte digifai mit der physikbasierten 3D-Simulationen und virtueller Inbetriebnahme. „Ein Digitaler Zwilling ist nur so gut wie seine Datenbasis“, brachte es der Head of digifai Michael Eberle auf den Punkt. Sind Modellgüte und Datenkonsistenz gegeben, lassen sich Projektrisiken signifikant reduzieren. Die Herausforderung liegt weniger in der Simulationstechnologie als in der interdisziplinären Zusammenarbeit: Mechanik, Steuerung und Software müssen frühzeitig integriert entwickelt werden.

Flexible Zuführung und erweiterte Arbeitsräume

Moderne Robotikzellen benötigen anpassungsfähige Peripherie. Ronald Fasching, Kaufmännischer Leiter Vision Systems, Reliste zeigte mit vibrationsbasierten Vereinzelungssystemen und intelligenter Bildverarbeitung Lösungen für die flexible Handhabung chaotisch vorliegender Teile. Und Carl-Christian Baumgarten, International Sales Manager Europe, HepcoMotion ergänzte diesen Ansatz mit kurvengängigen Verfahrsystemen, die die Reichweite von Robotern erweitern und flexible Layouts ermöglichen – ohne zusätzliche Robotereinheiten. Die Frage „Produkt zum Roboter oder Roboter zum Produkt?“ wird damit neu definiert.

Mobile Robotik und Dynamic Safety

Mit dem mobilen Robotersystem FL1500 adressiert Stäubli die innerbetriebliche Logistik. Autonome Transportlösungen verbinden Produktionsbereiche und integrieren sich in bestehende Strukturen. Parallel dazu verändert sich das Sicherheitsverständnis. Market Product Manager Industrial Safety, Sick, Werner Zipperer, beschrieb mit „Dynamic Safety“ einen Ansatz, bei dem Prozesse im Gefahrenfall nicht zwingend stoppen, sondern situativ angepasst werden. Intelligente Sensorik ermöglicht Geschwindigkeitsreduktionen oder Routenänderungen in Echtzeit. Sicherheit wird damit dynamisch und prozessabhängig – vorausgesetzt, Sensorik und Steuerung sind eng verzahnt.

Regulatorik als Entwicklungsparameter

Mit der neuen Maschinenverordnung (EU) 2023/1230, dem Cyber Resilience Act sowie Normen wie IEC 62443 und ISO 10218-1/2:2025 steigen die Anforderungen an Hersteller und Integratoren. Normkonformität wird damit zum integralen Bestandteil der Systemarchitektur – insbesondere an der Schnittstelle zwischen funktionaler Sicherheit und Cybersecurity. Das InnovationsForum verdeutlichte einen klaren Trend: Flexibilität entsteht durch modulare Schnittstellen, Präzision ist Ergebnis systemischer Integration und die Sicherheit wird dynamisch. Vor allem aber hielt es eines fest: die Digitalisierung beginnt vor der realen Inbetriebnahme. Der Industrieroboter entwickelt sich damit vom Automatisierungselement zur Integrationsplattform vernetzter Produktionssysteme. Entscheidend ist weniger die einzelne Technologie als ihre konsequente, interdisziplinäre Umsetzung.

Produkt im Bericht

<b>Stäubli FL 1500: </b>Der Stäubli FL1500 ist ein ultrakompaktes Gegengewichtsstapler-AGV mit einer maximalen Traglast von 1,5 Tonnen.

Stäubli FL 1500

Der Stäubli FL1500 ist ein ultrakompaktes Gegengewichtsstapler-AGV mit einer maximalen Traglast von 1,5 Tonnen.

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