interview
100 Jahre Innovation: Festo Österreich im Wandel der Automatisierung
Festo Österreich im Wandel der Automatisierung: Festo feiert(e) 2025 sein 100-jähriges Bestehen – ein Anlass, auf technologische Meilensteine, neue Entwicklungen und Zukunftsperspektiven zu blicken. Im Gespräch mit der AUTOMATION gibt Rainer Ostermann, Geschäftsführer von Festo Österreich, gute Einblicke in die Rolle des heimischen Standorts, aktuelle Trends wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit sowie die Bedeutung von Aus- und Weiterbildung für den Industriestandort der Zukunft.
„Der gesamte Maschinenbau muss sich in den verschiedensten Branchen konsolidieren. Neue Technologien werden dazu einen Beitrag leisten.“ Das meint Rainer Ostermann, GF von Festo Österreich.
Herr Ostermann, Festo feiert(e) 2025 ein bedeutendes Jubiläum. Herzlichen Glückwunsch. Welche technischen Innovationen prägten aus Ihrer Sicht die Unternehmensgeschichte insbesondere?
Vielen Dank. Wir sind nicht nur seit 100 Jahren Partner der Automatisierungsbranche, sondern haben auch einige Meilensteine mit geprägt. Eine der bedeutendsten Innovationen war etwa zweifellos die Erfindung der Ventilinsel, die wir 1987 als Weltneuheit präsentierten. Diese Entwicklung revolutionierte den Markt, indem sie den Aufwand für Verschlauchung und Verdrahtung drastisch reduzierte. Ein weiterer Meilenstein, der erwähnenswert ist, ist die geregelte Pneumatik. Dank moderner Sensorik und Piezotechnologie lässt sich Pneumatik heute in einem geschlossenen Regelkreis hochpräzise steuern – das erschließt völlig neue Einsatzfelder. Ergänzt wird das durch unsere elektrische Automatisierungstechnik, die zusammen mit der Pneumatik ein durchgängiges Baukastensystem bildet.
Mit der kostenlosen Festo Automation Suite erledigt man die Inbetriebnahme des Antriebspaketes von der Mechanik bis zur Steuerung im Handumdrehen.
Welche Rolle spielt dabei der Standort Österreich?
Österreich war immer ein starker Impulsgeber, nicht nur als sogenanntes Tor zum Osten, sondern auch in den Bereichen Forschung und Entwicklung. Unser Edge Controller CEPE ist ein gutes Beispiel dafür: Er basiert auf Festo AX OS, einem Echtzeitbetriebssystem auf PLCnext-Basis von Phoenix Contact, das maßgeblich in Wien entwickelt wurde. Ebenso die Festo Automation Suite – eine zentrale Software, mit der sich Antriebssysteme von der Mechanik bis zur Steuerung effizient in Betrieb nehmen lassen. Dahinter steckt viel Engineering-Know-how aus Österreich.
Eine Entwicklung, die maßgeblich aus Österreich kommt: CEPE – der erste Edge Controller, der auf Festo AX Controls und der PLCnext Technology basiert.
In welchen Branchen hat Festo Österreich besonders starke technologische Impulse gesetzt?
Unsere Lösungen sind in nahezu allen Branchen zu finden. Die Ventilinsel ist ein Paradebeispiel für unseren innovativen Beitrag. Auch der Ansatz, elektrische Automatisierung als gleichwertiges Pendant zur Pneumatik zu etablieren, war wegweisend. Ziel war und ist es, Elektrik so einfach wie Pneumatik und Pneumatik so dynamisch steuerbar wie Elektrik zu machen.
CMMT-AS: Der neue Servoregler mit erweiterten Sicherheitsfunktionen.
Wie hat sich der Automatisierungsmarkt in Österreich zuletzt entwickelt?
Bis 2021/22 verzeichnete man in Österreich ein starkes Wachstum. Im Anschluss sorgten die Pandemie, Lieferkettenprobleme und Unsicherheiten im Automotive-Sektor für Investitionszurückhaltung. Die jüngsten Zinssenkungen machen jedoch wieder Hoffnung, aber für eine nachhaltige Erholung braucht es weitere Zinssenkungen und eine strategische Energiepolitik. Österreich könnte hier mit den Erneuerbaren Energien einen echten Standortvorteil schaffen.
„Modularität ist der Schlüssel zur Lösung und schafft Flexibilität. Das geht Hand in Hand mit einem immer größeren Software-Anteil, der einer einheitlichen Hardware spezifische Funktionen zuweist.“ Das betont Rainer Ostermann, Geschäftsführer, Festo Österreich
Wie stark treiben heimische Unternehmen Ihrer Ansicht nach die Digitalisierung und Automatisierung voran?
Technologisch hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Die Marktunsicherheiten und die daraus resultierende Zurückhaltung bei den Investitionen haben in vielen Unternehmen ein großes Potenzial für Modernisierungen heranwachsen lassen. Steigt das Vertrauen in die Zukunft, die Zuversicht und Investitionsfreude, warten hier spannende Aufgaben.
Im Festo MotionLab in Wien können Kunden schon in einer ganz frühen Phase ihres Projekts Teststellungen realisieren.
Welche Branchen bergen besonders hohes Wachstumspotenzial?
Die Halbleiterindustrie, Intralogistik und Pharmaindustrie sind globale Wachstumstreiber. Oft stammen die passenden Maschinen von innovativen Maschinenbauern aus Österreich. Besonders KMU zeigen hier viel Flexibilität, etwa beim Umstieg von der Automobil- auf andere Industrien.
VTUX: Die neue Ventilinsel von Festo vereint die Vorteile dreier Ventilinsel-Klassiker.
Wie stark spürt Festo Österreich aktuelle Herausforderungen wie Lieferkettenprobleme oder Energiepreise?
Die Engpässe von 2022/23 haben sich weitgehend stabilisiert. Was bleibt, sind Unsicherheiten bei den Energiepreisen. Für uns als Vertriebsgesellschaft schlagen allerdings die Lohnkosten stärker zu Buche.
Gibt es ein persönliches Herzensprojekt, Herr Ostermann? Ja, alles rund um die elektrische Automatisierungstechnik und das ist einer der Gründe, warum wir ein MotionLab in Wien haben. Das ist eine echte „Spielwiese“ für Techniker. Hier lassen sich technologische Grenzen ausloten und überschreiten.
Welche aktuellen Technologien treiben Festo Österreich derzeit besonders an?
Ein Highlight oder gar Meilenstein ist die neue Ventilinsel VTUX, die die Stärken unserer Klassiker CPV, MPA-L/S und VTUG vereint. Sie ist modular, leistungsstark und bereit für die Digitalisierung. Mit ihr kann man den technischen Wandel in den eigenen Maschinengenerationen Schritt für Schritt mitgestalten – ob bei der Digitalisierung, der Cloud-Anbindung oder bei Fragen der Maschinenkonzeption. Im Bereich elektrischer Antriebstechnik erweitern wir konsequent unser Portfolio bei Motoren und Controllern. Unsere Advanced Safety-Lösungen erleichtern den sicheren Einsatz elektrischer Antriebe erheblich.
Welche Bedeutung haben modulare Systeme und flexible Automatisierung?
Modularität ist der Schlüssel zur Lösung und schafft Flexibilität. Das geht Hand in Hand mit einem immer größeren Software-Anteil, der einer einheitlichen Hardware spezifische Funktionen zuweist. So kann eine Komponente bzw. ein System verschiedene Aufgaben übernehmen. Das erleichtert auch die Auslegung, die Inbetriebnahme und sorgt für eine schlankere Lagerhaltung. Dazu bieten wir die richtigen Tools, mit denen wir Kunden auf dem Weg zur optimalen Lösung begleiten und das durchgängig auf der gesamten Customer Journey. Und die endet keinesfalls mit der Inbetriebnahme.
Wie integriert Festo energieeffiziente Technologien?
Nachhaltigkeit ist fester Bestandteil unserer Entwicklung – in eigenen Werken wie im Kundenprojekt. Als strategischer Motion-Partner begleiten wir unsere Kunden auf ihrem Weg zum nachhaltigeren Wirtschaften – dazu gehört auch eine technologieoffene Beratung zur effizienten Lösung der jeweiligen Bewegungsanforderungen. Das gilt ebenso für bestehende Anlagen. Pneumatische Anwendungen bieten häufig erhebliches Einsparpotenzial in Bezug auf den Druckluftverbrauch und die damit verbundenen Energiekosten. Unsere Energieeffizienz-Experten nehmen diese Anlagen genau unter die Lupe und finden heraus, ob sie energieeffizient gelöst sind. KI spielt heute ebenfalls eine große Rolle. Stichwort Festo AX: Es hilft durch eine KI-Analyse von Echtzeitdaten, ungeplante Stillstände zu vermeiden, die Produktqualität sicherzustellen und den Energieverbrauch zu senken.
Welche F&E-Initiativen fokussieren besonders auf Nachhaltigkeit?
Als weltweiter Forschungsverbund muss hier jedenfalls das Festo Bionic Learning Network genannt werden. Denn die Natur ist ein Meister der Effizienz. Sie hat im Laufe der Evolution Lösungen hervorgebracht, von denen wir in der Technik viel lernen können. Also schauen wir ganz genau hin und leiten von den natürlichen Vorbildern ab, wie man mit einem möglichst geringen Energieeinsatz für viel Bewegung sorgt. Das Ergebnis sind unsere bionischen Entwicklungen, aus denen immer wieder interessante, praxisorientierte Lösungen werden.
Festo ist stark in der industriellen Aus- und Weiterbildung engagiert. Wie wird dieses Know-how in Österreich eingesetzt?
Wir arbeiten schon sehr lange eng mit Lehrwerkstätten, HTL, Fachhochschulen, Universitäten und betrieblichen Ausbildungszentren zusammen, um Automatisierung auf unterschiedlichste Art und Weise erlebbar zu machen. Die Lernfabriken von Festo Didactic sind dafür ein gutes Beispiel, aber auch unser MotionLab in Wien, in dem Technikerinnen und Techniker die Inbetriebnahme von Antrieben mit Steuerungen verschiedenster Hersteller selbst testen und erlernen können. Ein Erfolgskonzept, das wir weiter ausbauen. Aus dem MotionLab wird ein Festo Experience Center (FEC) mit etwa der doppelten Grundfläche.
Wie relevant ist die Verbindung von Didaktik und Technologie für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Österreich?
Sie ist essenziell. Neue Technologien brauchen Wissen. Ob KI oder andere Tools – nur wer versteht, wie sie funktionieren, kann sie auch sinnvoll einsetzen. Deshalb ist der enge Schulterschluss zwischen Industrie und Bildung so wichtig.
Wo sehen Sie die größten Wachstumschancen?
Der gesamte Maschinenbau muss sich in den verschiedensten Branchen konsolidieren. Neue Technologien werden dazu einen Beitrag leisten. Sie sind jedoch nicht der alleinige Wachstumstreiber. Hier sind Kreativität und Querdenken gefragt. Für manchen Märkte können nämlich bestehende, anderenorts bereits erfolgreiche Technologien einen deutlichen Sprung nach vorne bringen.
Wo soll Festo Österreich technologisch in fünf bis zehn Jahren stehen?
Der Fortschritt ist gegenwärtig derart rasant, dass der Blick in eine solch ferne Zukunft heute unmöglich ist. Schon der Blick ins nächste oder übernächste Jahr wird immer schwieriger. Eines weiß ich jedoch gewiss und das bestätigt auch der Blick in unsere eigene Forschungseinheit in Wien: 2026 kann kommen – die nächsten Innovationen sind ready 2 go.
Gibt es ein persönliches Herzensprojekt?
Alles rund um die elektrische Automatisierungstechnik und das ist einer der Gründe, warum wir ein MotionLab in Wien haben. Das ist eine echte „Spielwiese“ für Techniker. Hier lassen sich technologische Grenzen ausloten und überschreiten. Wir sind seit 100 Jahren erfolgreich in der Pneumatik – die Elektrik kam später dazu. Heute machen wir beides: Pneumatik und Elektrik und das im perfekten Zusammenspiel. Wir können technologieunabhängig für jede Anwendung die optimale Lösung bieten. Davon profitieren unsere Kunden.
Vielen Dank für das Gespräch!
Produkte im Bericht
Festo CMMT-AS
Kompakter Servoantriebsregler für Punkt-zu-Punkt- und interpolierende Bewegungen, eignet sich für unterschiedliche Ethernet-basierte Bussysteme und lässt sich direkt in Systemumgebungen unterschiedlicher Steuerungshersteller integrieren. Einer der kompaktesten Servoantriebsregler im Markt Präzise Kraft-, Geschwindigkeits- und Positionsregelung Autotuning unterstützt die einfache Inbetriebnahme und optimiert das Regelverhalten rotativer und linearer Bewegungen automatisch Preis- und größenop
Festo VTUX
Die wandelbare Ventilinsel für höchste Flexibilität in der Maschinenkonzeption. Von der bewährten Multipol-Anschaltung bis hin zur neuesten AP-Kommunikationsanschaltung bietet sie zudem ein Höchstmaß an Kommunikationsperformance, die sich im weiteren Ausbau als äußerst wertvoll erweist.












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