Aerotech analysiert wie man Zielkonflikte in der Display-Fertigung auflösen kann

Kosten, Qualität und Geschwindigkeit – drei Parameter, die in der Produktion häufig miteinander konkurrieren. In der Displayfertigung zeigt sich dieser Zielkonflikt besonders deutlich: Konsumentinnen und Konsumenten verlangen hochauflösende Displays mit brillanten Farben, schnelle Bildwiederholraten und gleichzeitig attraktive Preise. Hersteller stehen daher vor der Herausforderung, Qualität und Durchsatz zu maximieren, ohne dass die Kosten aus dem Ruder laufen.

Die vier zentralen Bewegungselemente eines Hochleistungs-Bewegungssteuerungssystems für das Display-Schneiden.

Die vier zentralen Bewegungselemente eines Hochleistungs-Bewegungssteuerungssystems für das Display-Schneiden.

Die Fallstudie zeigt, wie sich durch optimierte Bewegungssteuerungssysteme und sorgfältige Abstimmung aller Komponenten die Schneidleistung beim Bearbeiten von Glassubstraten signifikant steigern lässt. Das Resultat: höhere Ausbeute, bessere Qualität und spürbare Kostenvorteile in der Fertigung.

Beispiel eines Smartphone-Displays mit den acht Radien, die während der Fertigung geschnitten werden.

Beispiel eines Smartphone-Displays mit den acht Radien, die während der Fertigung geschnitten werden.

Anforderungen an das Schneiden von Displays

Die Displayfertigung zählt zu den anspruchsvollsten Bereichen der Elektronikproduktion. Allein 2020 wurden weltweit rund 1,2 Milliarden Smartphone-Displays hergestellt – das entspricht etwa 38 Einheiten pro Sekunde. Um solche Stückzahlen zuverlässig zu realisieren, setzen Hersteller hochpräzise Automatisierungssysteme ein, die mit Laserscanköpfen kombiniert werden. Entscheidend ist ein ganzheitlicher Systemansatz. Nur wenn Maschinenbasis, Scanner, mechanische Tische und Steuerungen exakt aufeinander abgestimmt sind, lassen sich Präzision, Durchsatz und Ausbeute gleichzeitig maximieren.

Die vier zentralen Elemente für das Display-Schneiden sind ein massiver Granitsockel für hohe Steifigkeit, dynamische Scanköpfe, präzise Lineartische und Steuerungen, die Bewegungen und Strahlauslösung koordinieren. Überschreiten Schnittgeschwindigkeiten 5 m/s wirkt sich jede Schwäche – etwa zu geringe Steifigkeit, unzureichende Dynamik oder niedrige Auflösung – unmittelbar auf Qualität und Ertrag aus.

Eine vereinfachte Darstellung der Funktionsweise eines Laserscankopfes.

Eine vereinfachte Darstellung der Funktionsweise eines Laserscankopfes.

Fallstudie: Ziele und Prüfprofil

Die Fallstudie untersucht die Effekte eines einzigen Designparameters des eingesetzten Laserscankopfs. Bewertet wurden drei Kernziele: Maximierung des Durchsatzes – möglichst viele Displays pro Zeiteinheit, Sicherung der Schnittqualität mit Spurfehler unter 12 µm sowie Minimierung der Kosten – niedrige Maschinenzeitkosten pro Display.

Als Prüfprofil diente ein typisches Smartphone-Display mit acht Radien, die während des Schneidens eingehalten werden müssen. Die zugrunde liegenden Daten stammen aus Aerotechs Software-Tool Automation1 Visualize Workspace.

Beispiel eines Smartphone-Displays mit acht zu schneidenden Radien. Die im hervorgehobenen Bereich dargestellten Radien stellen die größten Herausforderungen für den Schneidprozess dar.

Beispiel eines Smartphone-Displays mit acht zu schneidenden Radien. Die im hervorgehobenen Bereich dargestellten Radien stellen die größten Herausforderungen für den Schneidprozess dar.

Technische Grenzen der Laserscanköpfe

Ein Laserscankopf arbeitet mit Galvanometer-Motoren, die Spiegel präzise bewegen, und einer F-Theta-Linse, die den Strahl linearisiert. Drei Faktoren bestimmen die Leistungsfähigkeit: Die Auflösung – Sie nimmt mit wachsendem Arbeitsabstand ab; entscheidend ist der kleinste detektierbare Schritt (Dither). Die Servo-Regelgeschwindigkeit – Mit steigender Bahngeschwindigkeit reichen die Abtastpunkte irgendwann nicht mehr aus, um Soll-Ist-Abweichungen exakt zu korrigieren. Sowie die Mechanische Dynamik – Motoren und Spiegel stoßen bei schnellen Bewegungen an Resonanzgrenzen; Masse und Trägheit wirken sich direkt auf Präzision und Dynamik aus. Diese Faktoren erklären, warum nicht jeder Scankopf für hohe Geschwindigkeit und enge Toleranzen gleichermaßen geeignet ist.

Spitze-zu-Spitze-Fehler in Mikrometern (µm) in X- und Y-Richtung für die beiden untersuchten Laserscanner bei einer vorgegebenen Schnittgeschwindigkeit von 4,36 Metern pro Sekunde.

Spitze-zu-Spitze-Fehler in Mikrometern (µm) in X- und Y-Richtung für die beiden untersuchten Laserscanner bei einer vorgegebenen Schnittgeschwindigkeit von 4,36 Metern pro Sekunde.

Vergleich zweier Laserscanner

Im Test wurden die Aerotech-Modelle AGV20-HP(O)-2 und AGV20-XPO-E2 gegenübergestellt. Beide sind hochpräzise, unterscheiden sich jedoch deutlich in Auflösung und Dynamik. Der XPO bietet 32-bit-Encoderauflösung (0,00016 µrad) gegenüber 25 bit beim HP(O) und erreicht mit 0,02 µrad einen zwanzigfach geringeren Dither. Auch bei der Spitzenbeschleunigung liegt er mit 88.000 m/s² vor dem HP(O) mit 80.000 m/s².

Das Ergebnis: Der HP(O) überschritt beim Prüfprofil den zulässigen Spurfehler von 12 µm deutlich (46,4 µm Spitze-zu-Spitze). Der XPO hielt die Vorgabe zuverlässig ein, mit 9,3 µm Spurfehler bei 4,36 m/s Schnittgeschwindigkeit. Damit erwies er sich als einziges System, das die Kombination aus Präzision und Geschwindigkeit erreichte.

Der resultierende Fehler in µm, der in den X- und Y-Dimensionen bei den beiden Laserscannern mit einer längeren FOV-Optik und einer höheren Sollgeschwindigkeit von 8,73 m/s beobachtet wurde.

Der resultierende Fehler in µm, der in den X- und Y-Dimensionen bei den beiden Laserscannern mit einer längeren FOV-Optik und einer höheren Sollgeschwindigkeit von 8,73 m/s beobachtet wurde.

Brennweitenverlängerung als Hebel

Neben der Wahl des Scankopfs beeinflusst auch die Brennweite der eingesetzten Optik Leistung und Kosten. Wird die Brennweite von 250 auf 500 mm verdoppelt, vergrößert sich das Sichtfeld erheblich. Dadurch kann der Strahl bei gleichem Spiegelwinkel längere Strecken über das Substrat zurücklegen. In der Praxis führte diese Anpassung zu einer Verdopplung der Schnittgeschwindigkeit auf 8,73 m/s. Der Spurfehler blieb mit 10,5 µm unterhalb der Spezifikationsgrenze. Damit verdoppelte sich der Durchsatz von 10 auf 20 Displays pro Sekunde, während die Maschinenzeitkosten von 0,05 auf 0,025 US-Dollar pro Display sanken.

Die hochgradig wiederholbaren und thermisch stabilen Rückkopplungssensoren des AGV-HP(O) können über das gesamte Sichtfeld bis auf eine Genauigkeit im einstelligen Mikrometerbereich kalibriert werden.

Die hochgradig wiederholbaren und thermisch stabilen Rückkopplungssensoren des AGV-HP(O) können über das gesamte Sichtfeld bis auf eine Genauigkeit im einstelligen Mikrometerbereich kalibriert werden.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Die wirtschaftlichen Effekte sind erheblich: Bei einer Jahresproduktion von 250 Millionen Displays, verteilt auf 2.080 Maschinenstunden, könnten mit der optimierten Konfiguration zwei statt vier Maschinen ausreichen. Dies spart nicht nur Investitionskosten, sondern auch Energie, Wartung und Personal. Das Einsparpotenzial beläuft sich auf über sechs Millionen US-Dollar jährlich.

Wichtig ist: Diese Vorteile entstehen nicht durch ein einzelnes Element, sondern durch die konsequente Optimierung des Gesamtsystems. Ein leistungsfähiger Scankopf wie der XPO entfaltet sein Potenzial erst im Zusammenspiel mit mechanischer Steifigkeit, präziser Antriebstechnik und intelligenter Steuerung.

Abwägungen und Umsetzung

Die höhere Performance des XPO geht mit höheren Anschaffungskosten einher. Dennoch zeigt die Fallstudie, dass sich diese Investition durch niedrigere Stückkosten schnell amortisiert. Auch längere Brennweiten bergen Herausforderungen, da die Präzision an den Rändern des Sichtfelds sinken kann. Durch datenbasierte Simulation und Validierung lässt sich dieses Risiko jedoch minimieren.

Empfehlenswert ist ein systematisches Vorgehen: Analyse kritischer Profilabschnitte, Simulation verschiedener Scankopf-Optik-Kombinationen, Erprobung auf dem Prüfstand und schrittweise Skalierung in der Produktion. Moderne Softwaretools erleichtern diese Prozesse, indem sie Ist-/Soll-Abweichungen sichtbar machen und eine präzise Optimierung ermöglichen.

Fazit

Die Fallstudie zeigt: Zielkonflikte zwischen Qualität, Durchsatz und Kosten müssen nicht zwangsläufig zu Kompromissen führen. Mit einem integrativen Systemansatz, der Optik, Mechanik und Bewegungssteuerung gleichermaßen berücksichtigt, lassen sich Präzision und Geschwindigkeit parallel steigern – bei sinkenden Kosten. Für Hersteller von Displays oder anderen Präzisionsteilen aus Glas ergibt sich daraus ein klarer Wettbewerbsvorteil.

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