anwenderreportage

Nord-Lösung treibt neue Seilbahn auf dem Titlis an

Eine zweite Pendelbahn stellt sicher, dass die Bergstation des Titlis an 365 Tagen im Jahr erreichbar ist. Nord Drivesystems (ÖV: Getriebebau Nord) liefert dazu die Antriebslösung mit der erforderlichen Leistungsfähigkeit, Effizienz und Ausfallsicherheit. Herzstück ist das Industriegetriebe Maxxdrive XC.

Zuerst erschienen in Ausgabe AT 2026
Im Sommer 2026 nimmt Titlis Connect den Passagierbetrieb auf; bis dahin dient die Pendelbahn dem Materialtransport für die aktuellen Baustellen.

Im Sommer 2026 nimmt Titlis Connect den Passagierbetrieb auf; bis dahin dient die Pendelbahn dem Materialtransport für die aktuellen Baustellen.

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Aufgabenstellung: Im Rahmen des Generationenprojekts Titlis soll eine zusätzliche, hochverfügbare Pendelbahn realisiert werden, die den ganzjährigen Zugang zur Bergstation sicherstellt, höchste Sicherheits- und Zuverlässigkeitsanforderungen erfüllt und dabei energieeffizient sowie wartungsarm betrieben werden kann.

Lösung: Industriegetriebe Maxxdrive XC (Baugröße 14)

Nutzen: Ganzjährige Erreichbarkeit der Bergstation, auch während der Wartungszeiten der „Titlis Rotair“; redundantes Sicherheitskonzept mit entkoppelbarem Hauptantrieb und Notbetrieb; zuverlässige Brems- und Dynamikkomponenten; geringerer Wartungsaufwand und niedrigere Lebenszykluskosten.

„Die Tourismusbranche muss sich stets behaupten. Daher sind innovative Ideen und neue, spezielle Attraktionen gefragt, für die es aber auch energieeffiziente sowie personal- und ressourcenschonende Systeme braucht“, sagt Stefan Terzer vom schweizer-österreichischen Unternehmen Steurer Seilbahnen. Er hat eines der Meilensteinprojekte geleitet, mit denen der Titlis „The Peak To Be“ werden will. Der Hersteller Steuer Seilbahnen ist spezialisiert auf individuell geplante und gefertigte Pendel-, Standseil- und Spezialseilbahnen. Eine ihrer jüngsten Konstruktionen ist die Pendelbahn Titlis Connect, die im April ihren Betrieb aufnahm. Angetrieben mit einer Antriebslösung von Nord Drivesystems soll sie sicherstellen, dass die Bergstation an jedem Tag im Jahr erreichbar sein wird.

Der Titlis in den Schweizer Alpen zählt zu den beliebtesten Wintersport- und Ausflugszielen in der Zentralschweiz. Erst zur Jahresmitte 2025 hat die Betreibergesellschaft Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis einen Halbjahres-Besucherrekord gemeldet. 651.599 Gäste kamen auf den Berg. Und der soll sich den alpinen Touristen künftig noch erlebnisorientierter und nachhaltiger präsentieren. 2023 beschlossen die Titlis Bergbahnen das Generationenprojekt Titlis. Unter der Leitung des renommierten Basler Architekturbüros Herzog & de Meuron entstehen bis 2029 eine neue, moderne Bergstation, bis 2026 der neue Aussichtsturm Titlis Tower sowie die dazugehörige touristische Infrastruktur – allen voran die Pendelbahn Titlis Connect.

Das Maxxdrive XC reduziert die Drehzahl des 900 kW-Motors und erhöht das Drehmoment für die am Abtrieb angetriebene Seilscheibe.

Das Maxxdrive XC reduziert die Drehzahl des 900 kW-Motors und erhöht das Drehmoment für die am Abtrieb angetriebene Seilscheibe.

Stefan Terzer
Projektverantwortlicher, Steurer Seilbahnen

„Die Erfahrung und Kompetenz, die Nord in der Antriebsauslegung für Seilbahnen mitbringt, waren gerade für diese Anlage sehr wertvoll.“

Schlüsselrolle der Connect definiert Anforderungen

„Die neue Bahn spielt eine Schlüsselrolle für den erfolgreichen Verlauf unseres Gesamtprojekts“, sagte Norbert Patt, CEO der Titlis Bergbahnen, bei der Einweihung. Die Pendelbahn verläuft parallel zur bestehenden Titlis Rotair, der drehbaren Luftseilbahn mit 360° Rundsicht. Die Connect verbindet die Talstation auf 2.428 m Höhe mit der Bergstation auf 2.990 m Höhe. Auf einer Strecke von knapp 1,4 km überwindet sie eine Steigung von 76 %. Auch wenn sie „nur“ die Nebenbahn zur Rotair ist, ist ihre Installation von weitreichender Bedeutung für das touristische Konzept der Titlis Bergbahnen: Befindet sich die Rotair in ihrer ganze zwei Wochen dauernden Wartung, bleibt der Bahnbetrieb zur Bergstation durchgängig aufrechterhalten.

Die Anforderungen an das Connect-Anlagenkonzept waren damit gesetzt: Sie umfassten ein besonders hohes Maß an Ausfallsicherheit, Sicherheit und Fahrkomfort sowie Effizienz und einen geringen Wartungsbedarf. Die Anlagenbauer Steuer Seilbahnen setzen seit einigen Jahren auf Antriebslösungen von Nord. „Die Erfahrung und Kompetenz, die Nord in der Antriebsauslegung für Seilbahnen mitbringt, war gerade für diese Anlage sehr wertvoll“, sagt Stefan Terzer. „Die Stationen am Titlis sind zum Teil offen und die Mechanik somit der Witterung am Berg ausgesetzt; das bringt schon besondere Herausforderungen bei so einem Projekt mit sich.“ Zudem handelt es sich bei der Connect um eine einspurige Seilbahn, deren Fahrten also ohne Gegengondel erfolgen. Und: Der Transport auf den Berg war nur per Unterlasttransport mit der Bahn möglich. Deshalb durfte das Gesamtgewicht der Einzelkomponenten maximal 5 t betragen.

Die Stationen sind zum Teil offen, die Pendelbahn-Mechanik ist somit der Witterung ausgesetzt und die ist nicht immer trocken.

Die Stationen sind zum Teil offen, die Pendelbahn-Mechanik ist somit der Witterung ausgesetzt und die ist nicht immer trocken.

Industriegetriebe mit hohen Abtriebsdrehmomenten

Die Nord-Lösung ist der Hauptantrieb der Pendelbahn, der sich im Maschinenraum in der Bergstation befindet. Herzstück ist das Industriegetriebe Maxxdrive XC in der Stirnradausführung in der Baugröße 14. „Es ist das zweitgrößte Industriegetriebe unseres Maxxdrive-Portfolios“, sagt Daniel von Rickenbach, Leiter Innendienst der Schweizer Tochtergesellschaft Getriebebau Nord. „Es ermöglicht Abtriebsdrehmomente von bis zu 190.000 Nm und eignet sich daher ideal für Mischer, Förderbänder und eben Seilbahnen.“

Eine Besonderheit ist die Vielkeilwelle, mit der die Steurer Seilbahnen das Maxxdrive XC für die Connect-Lösung haben ausstatten lassen. Ihre zahlreichen Keilzähne ermöglichen eine effiziente Übertragung großer und wechselnder Drehmomente. Ihre Bauweise sorgt zudem für eine gleichmäßige Lastverteilung auf die Welle und macht sie damit zu einer verschleiß- und wartungsarmen Komponente. Auch mit anderen Eigenschaften stellt das Maxxdrive XC Industriegetriebe eine hohe Zuverlässigkeit sicher. Es verfügt über große Wälzlager und Achsabstände, die die Belastbarkeit und Lebensdauer der einzelnen Komponenten erhöhen. Sein effektives Kühlsystem reduziert die Temperaturen und verlängert die Gebrauchsdauer der Schmierstoffe.

In der Antriebslösung auf dem Titlis wird das Maxxdrive XC mit einem 900 kW-Motor angetrieben. Das Getriebe reduziert die Drehzahl und erhöht das Drehmoment für die am Abtrieb angetriebene Seilscheibe. Die Verbindung zur Seilscheibe erfolgt über eine im Stillstand schaltbare Bogenzahnkupplung, die im Falle eines Defekts das Entkoppeln des Antriebsstrangs und das Leerfahren der Bahn mit dem Notantrieb ermöglicht. Komplettiert wird die Antriebslösung durch zwei Bremsscheiben für die Betriebsbremsen und eine Schwungscheibe zwischen Motor und Getriebe für die nötige Dynamik.

Die Titlis Connect (rechts) stellt zusammen mit der Titlis Rotair die ganzjährige Erreichbarkeit der Bergstation sicher.

Die Titlis Connect (rechts) stellt zusammen mit der Titlis Rotair die ganzjährige Erreichbarkeit der Bergstation sicher.

Das Industriegetriebe Maxxdrive XC ist mit Abtriebsdrehmomente von bis zu 190.000 Nm ideal für Seilbahnen geeignet.

Das Industriegetriebe Maxxdrive XC ist mit Abtriebsdrehmomente von bis zu 190.000 Nm ideal für Seilbahnen geeignet.

Anwender: Steurer Seilbahnen

Die Firma Steurer wurde 1924 als Schmiedebetrieb von Ludwig Steurer gegründet und ab den 1930er-Jahren von dessen Sohn Johann Steurer zu einem renommierten Seilbahntechnikunternehmen ausgebaut. Seit 1926 ist die Firma im Bau von Materialseilbahnen tätig. Seit 1991 ergänzen Standseilbahnen und Schrägaufzüge das seilbahntechnische Programm des Unternehmens und seit 1993 mit der Seilhängebahn SHB, ein patentiertes kuppelbares Transport- und Logistiksystem. Bis heute hat Steurer mehrere hundert Seilbahnen errichtet und ist auch heute im Seilbahnbau tätig, wobei mittlerweile fast ausschließlich Pendelbahnen errichtet werden. Seit 2009 hat Steurer eine Niederlassung in der Schweiz.

Ludwig Steurer Maschinen und Seilbahnbau GmbH & Co KG
Hemmessen 153
A-6933 Doren
https://www.steurer-seilbahnen.com

Kurze Projektzeiten

Passend dimensioniert und ausgelegt sorgt die Antriebslösung für einen effizienten Betrieb der Pendelbahn mit stufenlos regulierbarer Geschwindigkeit. Nord überzeugte hier mit seiner technischen Expertise, aber auch mit seiner Umsetzungskompetenz. „Da wir mit den spezifischen Anforderungen einer Vielzahl von Anwendungen vertraut sind, können wir eine Projektierung innerhalb kurzer Zeiten realisieren“, sagt Daniel von Rickenbach. „Das schlägt sich auch in einer optimierten Bevorratung nieder, dank der wir dann kurze Lieferzeiten ermöglichen können.“ Eine Nord-Stärke, die auch Stefan Terzer von Steurer Seilbahnen schätzt: „Die Zusammenarbeit läuft schnell und unkompliziert ab; Rückmeldungen erfolgen prompt und sind stets kompetent.“

Der Seilbahnbauer plant auch weiterhin mit den Antriebslösungen von Nord, um künftigen Anforderungen im Seilbahnbau hinsichtlich hoher Energieeffizienz und geringer Wartungsumfänge gerecht zu werden. Wer die Titlis Connect live erleben will, kann dies erst mal nur als Zuschauer. In der ersten Betriebsphase wird die Pendelbahn zum Materialtransport für die Bauarbeiten der neuen Bergstation und des Titlis Towers genutzt. Ab Sommer 2026 wird die Bahn für die Besucher des Titlis in Betrieb genommen. Dann soll sie je Fahrt bis zu 80 Personen befördern; gerechnet wird mit 500 Personen pro Stunde. Sicher angetrieben durch Maxxdrive XC.

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