interview
Customized Engineering von der Stange – Aucotec GF Österreich, Heinz Rechberger, im Interview
Immer komplexere Aufgaben, immer weniger Zeit – das betrifft natürlich auch den Entscheidungsprozess bis hin zum Betrieb moderner Engineeringsysteme. Dass dabei Flexibilität im Interesse des Kunden an oberster Stelle steht, ist für Geschäftsführer Heinz Rechberger vom Engineering-Spezialisten Aucotec GmbH gelebte Praxis.
„Die Projekte sind viel komplexer geworden. Mit der disziplinübergreifenden Plattform EB betrifft eine Systemeinführung meist gleich mehrere Abteilungen beim Kunden.“ Heinz Rechberger, Geschäftsführer Österreich bei Aucotec.
Herr Rechberger, welche Herausforderungen sehen Sie für den Einsatz moderner Engineeringsysteme?
Internationale, multidisziplinäre Arbeitsteilung braucht skalierbare Systemarchitekturen, die alle Varianten der Installation unterstützen – vom Einzelplatz bis zum Cloud-Computing. Sie müssen sowohl Online-Kooperation auf derselben Datenbasis als auch Offline-Einbindungen von Lieferanten und Kunden bieten können.
Im Fokus: „Application Consulting” by Aucotec. (Bild: AdobeStock/Gorodenkoff)
Das klingt nach einem umfangreichen Vorhaben. Wie unterstützen Sie einen potenziellen Kunden dabei, der sich für Ihr Produkt Engineering Base interessiert, zu einer positiven Entscheidung zu kommen?
Wir holen den Kunden ab, wo er derzeit steht. Das ist keine Marketing-Floskel, sondern gelebte Praxis. Dahinter stecken erfahrene Engineering-Experten, die für und mit dem Kunden fundierte Prozessanalysen, Machbarkeitsstudien und Return-on-Invest-Berechnungen (ROI) erarbeiten – zugeschnitten auf die Gegebenheiten jedes Interessenten. Wir nennen das „Application Consulting“. Dazu werden auch alle vor- und nachgelagerten Bereiche der potenziellen Anwender wie in Bezug auf notwendige Schnittstellen zu ergänzenden Tools unter die Lupe genommen. Wir sprechen mit allen, die im weitesten Sinne mit Engineering zu tun haben, auch mit dem Vertrieb. Dank passgenauer Prozessanalysen lässt sich dann schon sehr früh ein realistischer Rollout-Plan erstellen. Im Schnitt liegt der Rahmen für die Prozessanalysen bei etwa fünf Tagen. Zwei beim Kunden, zwei für die Analyse der Ergebnisse und das Modellieren der Prozesse und einen Tag für die Abschlusspräsentation. Das hängt aber grundsätzlich von der Unternehmensgröße ab.
In der Evaluierungsphase entsteht aus vielen Einzeltasks ein Gesamtbild, das in Engineering Base dargestellt wird. (Bild: AdobeStock/Dilok)
Aber gerade bei komplexen Anlagen reichen Prozesssanalysen alleine nicht aus?
Genau, daher gehören auch ROI-Analysen zu den Aufgaben der Application Consultants, wie wir unsere Experten nennen. ROI-Analysen sind aufwendiger als Prozessanalysen, aber oft ein weiterer, essenzieller Bestandteil eines „Proof of Concept“, kurz POC. Für jeden Bereich werden die einzelnen Aufgaben definiert und ihre Dauer und Nutzungshäufigkeit notiert. Zusammen mit den dazugehörigen Schnittstellen wird in einem POC aus den vielen Einzeltasks ein Gesamtbild modelliert, das den optimalen Workflow mit dem Aucotec-System darstellt. Die Software wird dann für einen Bereich prototypisch implementiert und die Interessenten können ihre Workflows damit selbst durchspielen. Damit erreichen wir fast immer einen deutlichen Wow-Effekt.
Engineering Base ermöglicht die perfekte Integration in die unternehmenseigene IT-Welt durch kundenspezifische Entwicklungen. (Bild: AdobeStock/GustavsMD)
Der Kunde hat sich aufgrund der Analysen für Engineering Base entschieden – wie geht’s nun weiter?
Ob Machbarkeitsstudie oder zusätzlich die Berechnung der monetären Auswirkungen in einem ROI, ob die gesamte Prozessanalyse oder eine Kurzversion. All die gewonnen Daten und Informationen hat unsere Consulting-Abteilung in einem Sharepoint-Bereich zusammengetragen. In ihm stellen die Applications-Experten alle Informationen und Analyseergebnisse für die Kolleginnen und Kollegen bereit, die die Kunden nach ihrer Entscheidung betreuen. Nach dem Kick-off, an dem immer auch die Presales-Experten teilnehmen, übernimmt der Service. Mit Projektmanagement, Implementierungs-Unterstützung, Customizing und Migration der Altdaten sowie deren Aufarbeitung, je nach Bedarf. Application- und Implementierungs-Consulting greifen bei uns nahtlos ineinander.
Internationale, multidisziplinäre Arbeitsteilung braucht skalierbare Systemarchitekturen wie sie Engineering Base bietet. (Bild: iStock-1181111153)
Wie spielt sich das in der Praxis ab?
Wir stellen den Kunden ja alle Services rund um unsere Software zur Verfügung, von individuellen Demonstrationen über Prozessanalysen und ROI-Berechnungen für Interessenten bis zu Implementierung, Trainings und Integrationen nach der Entscheidung. Da ist es selbstverständlich, dass wir die Anforderungen der Kunden bestens verstehen. Und wir sind sehr schnell, wenn es darum geht, in Abstimmung mit dem Kunden zu entscheiden, ob wir eine kundenspezifische Entwicklung machen. Allerdings hat sich in den letzten Jahren die Art der Kundenbetreuung deutlich verändert. Dafür ist Flexibilität gefragt, und die haben wir jetzt deutlich erhöht.
Braucht eigentlich jeder EB-Kunde ein Customizing?
Nein, grundsätzlich ist kein spezielles Customizing nötig. Wir haben einige Kunden, die EB quasi „out of the Box“ ganz originär einsetzen. Und viele individuelle Anpassungen lassen sich recht einfach – auch vom Kunden selber – über die in EB integrierte C#-/VBA-Schnittstelle entwickeln.
Was hat sich denn verändert?
Die Projekte sind viel komplexer geworden. Mit der disziplinübergreifenden Plattform EB betrifft eine Systemeinführung meist gleich mehrere Abteilungen beim Kunden. Die können auch global verteilt sein, und das bedeutet erheblich mehr Internationalität. Die kommt aber auch dadurch zustande, dass zu unseren Kunden immer mehr große „Global Player“ gehören. Außerdem sind die integrativen Anteile merklich gestiegen, also das Einbinden von Fremdsystemen wie SAP, Automatisierungs-Tools und Ähnlichem. Ebenso gestiegen ist unsere Verantwortung in Bezug auf die IT-Umgebung von EB. Hier geht’s zum Beispiel um Citrix-Optimierungen oder Performanceanalysen, die zu einer Implementierung gehören. Dazu kommt, dass wir inzwischen mehr Beratung als Ersteinweisungen machen und viel mehr maßgeschneiderte Trainings als Standardschulungen.
Was heißt das für Ihre Services?
Die Bandbreite hat sich noch einmal deutlich erweitert. Angefangen bei der klassischen Helpdesk-Unterstützung, die immer ein fester Service-Bestandteil ist, über Prozessberatung, Customizing und sehr individuelle, den Kundenworkflow einbeziehende Schulungen zu Standard-Produkttrainings, Entwicklungen per VBA und C# sowie zu komplettem Projektmanagement. Das beinhaltet alle Stufen vom „Kickoff“ bis „Go-Live“. Die markantesten Veränderungen bei uns sind aber der enorm gestiegene Anteil individueller Anpassungen und die gewachsene Internationalität. Denn viele Kunden, für die wir Customizing machen, sind weltweit präsent.
Dafür haben Sie vor einiger Zeit eine Art schnelle Einsatztruppe eingerichtet, das „Individual Solutions Team“. Warum?
Hauptgrund war, dass die Planung der Weiterentwicklung von Standardsoftware auf feste Versionszyklen ausgerichtet ist. In diesem Prozess individuelle Kundenwünsche zu bewerten und noch „nebenbei“ zeitnah umzusetzen war eine große Herausforderung. Häufig steckten selbst schnell abwickelbare Themen in einem komplizierten Priorisierungsprozess fest oder scheiterten an den Kapazitäten in Produktmanagement und Entwicklung. Das musste sich ändern. Um deutlich schneller und flexibler auf Kundenanforderungen eingehen zu können, steht das höchst agile Team zum Teil im direkten Kontakt mit den Kunden. Dank dieses Kontingents durchläuft die Bewertung der Kundenwünsche nicht mehr den Standardprozess, sondern wird direkt in unserer Abteilung Professional Services entschieden – entsprechend der Dringlichkeit der Projekte.
Was genau macht dieses Individual Solutions Team?
Das Team ist voll fokussiert auf kundenspezifische Entwicklungen. In den meisten Fällen handelt es sich um Integrationen zu Drittsystemen wie PDM/PLM, Automatisierungssysteme oder kundeneigene Tools. Aber auch Workflowassistenten, Import/Export-Funktionen zu Office-Produkten oder spezielle Datenausgabe-Formatierungen für Kundenreports gehören dazu.
Was haben Sie seit Gründung dieser schnellen Einsatztruppe bereits erreicht?
Bereits eine ganze Reihe von Kunden konnte davon profitieren, dass sich individuelle Anforderungen deutlich schneller umsetzen lassen. Neben den genannten Aufgaben sind die ECTR-Kopplung und auch der Workflow-Assistant Ergebnisse des neuen Teams. Beide sind inzwischen zu Standardlösungen geworden, also für alle Kunden einfach adaptierbar.
Was war die speziellste Lösung, die Sie für einen Kunden entwickelt haben?
Da gibt es einige, die auch sehr komplex waren. So wurde für einen renommierten Kompressor-Hersteller EB an sämtliche SAP-Module gekoppelt, die er im Einsatz hat (CRM, Hybris, PdM). Außerdem entwickelten unsere Spezialisten eine Lösung, mit der aus EB heraus sämtliche seiner Kompressoranlagen ihre Grundkonfiguration erhalten.
Was sind Ihre nächsten Projekte?
Unsere Schwerpunkte liegen nach wie vor in den Bereichen Power Transmission & Distribution, Pulp & Paper sowie in der Verkabelung von Fahrzeugen. Hier sind die Kundenwünsche und Herausforderungen immer sehr spannend, aber wir sind sehr flexibel und freuen uns darauf.
Vielen Dank für das Gespräch.
Produkte im Bericht
Aucotec EB
Immer komplexere Aufgaben, immer weniger Zeit und daher der Wunsch nach mehr Kooperation: Für paralleles, simultanes Bearbeiten reicht die klassische Toolkette nicht mehr aus. Internationale, multidisziplinäre Arbeitsteilung braucht skalierbare Systemarchitekturen, die alle Varianten der Installation unterstützen - vom Einzelplatz bis zum Cloud-Computing. Sie müssen sowohl Online-Kooperation auf derselben Datenbasis als auch Offline-Einbindungen von Lieferanten und Kunden bieten können. Flexibilität: Versc
Aucotec EB
Immer komplexere Aufgaben, immer weniger Zeit und daher der Wunsch nach mehr Kooperation: Für paralleles, simultanes Bearbeiten reicht die klassische Toolkette nicht mehr aus. Internationale, multidisziplinäre Arbeitsteilung braucht skalierbare Systemarchitekturen, die alle Varianten der Installation unterstützen - vom Einzelplatz bis zum Cloud-Computing. Sie müssen sowohl Online-Kooperation auf derselben Datenbasis als auch Offline-Einbindungen von Lieferanten und Kunden bieten können. Flexibilität: Versc







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