TrioLogic und Weidmüller verbinden regionale Kompetenz mit offener Automatisierung
Innovative Umwelttechnik braucht mehr als nachhaltige Konzepte, sie benötigt funktionierende Automatisierung. Genau das zeigt ein aktuelles Nahwärmeprojekt im niederösterreichischen Kilb. Gemeinsam realisierten TrioLogic Automation und Weidmüller Österreich eine Lösung, bei der offene Automatisierungssysteme, flexible Softwarearchitekturen und praxisnahe Digitalisierung ineinandergreifen. Das Ergebnis ist eine moderne Sortieranlage für die Nahwärme, die technische Flexibilität mit einfacher Bedienbarkeit und regionaler Umsetzungskompetenz kombiniert.
Die Kombination aus offenen Systemen, praxisnaher Automatisierung und regionalem Engineering prägt die Zusammenarbeit von TrioLogic und Weidmüller. (Bilder: x-technik)
Shortcut
Aufgabenstellung: Automatisierung einer Nahwärme- und Umwelttechnikanlage in Kilb; sichere und effiziente Steuerung der Prozessabläufe; Integration offener Automatisierungssysteme und flexibler Softwarearchitekturen.
Lösung: Einsatz offener Automatisierungsplattformen von Weidmüller; Entwicklung der hauseigenen Steuerungs- und Visualisierungslösung Trio Control von Systempartner TrioLogic.
Nutzen: Hohe Flexibilität durch offene Systeme; einfache Bedienung der Anlage; effiziente Prozesssteuerung; kurze Reaktions- und Abstimmungswege durch regionale Partnerschaft; zukunftssichere und skalierbare Automatisierungslösung.
Nachhaltige Energieversorgung beginnt nicht in abstrakten Zukunftsszenarien, sondern direkt vor Ort, nämlich dort, wo regionale Unternehmen, technische Kompetenz und praxisnahe Automatisierung zusammenspielen. Im niederösterreichischen Kilb zeigt ein aktuelles Nahwärmeprojekt beispielhaft, wie moderne Umwelttechnik heute umgesetzt wird: mit kurzen Wegen, enger Zusammenarbeit und offenen Automatisierungslösungen. Gemeinsam realisierten TrioLogic Automation aus Mank und Weidmüller Österreich eine Lösung, die regionale Energieversorgung mit zeitgemäßer Steuerungs- und Visualisierungstechnik verbindet.
Dabei stand nicht nur die technische Umsetzung im Fokus. Das Projekt zeigt auch, wie wichtig regionale Partnerschaften für die Energiewende geworden sind – gerade in einer Zeit, in der Umwelttechnik, Energieeffizienz und Digitalisierung immer stärker zusammenwachsen. Weidmüller brachte dabei nicht nur Komponenten ein, sondern vor allem die Basis für eine offene, integrierbare Automatisierungsarchitektur, damit sich Anlagenfunktionen und Datenwege auch künftig ohne Systembrüche erweitern lassen. Das Projekt in Kilb steht dabei exemplarisch für einen grundlegenden Wandel in der Automatisierung. Offene Systeme ersetzen zunehmend starre Herstellerstrukturen und ermöglichen flexiblere, skalierbare Lösungen über Systemgrenzen hinweg.
Im Schaltschrank vereinen sich die offenen Automatisierungslösungen von Weidmüller mit dem Engineering- und Integrations-Know-how von TrioLogic.
„Wir bieten das Gesamtkonzept – von der Planung über den Schaltschrankbau bis zur Softwareentwicklung und Inbetriebnahme.“
Automatisierung für die regionale Energieversorgung
Denn: „Heutzutage müssen Energieprozesse effizienter, transparenter und gleichzeitig einfacher bedienbar werden“, erklärt eingangs Marcel Haas, Geschäftsführer und Firmengründer von TrioLogic. Hier setzt das junge Unternehmen, das 2023 gegründet wurde, an und bündelt Kompetenzen aus Schaltschrankbau, Softwareentwicklung und Automatisierungstechnik. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Umwelt- und Energieanwendungen – von Biogas- und Nahwärmeanlagen bis hin zu Kompostier-, Klär- oder Sortieranlagen. Besonders die Verbindung aus Prozess-Know-how und individueller Softwareentwicklung prägt die Arbeitsweise des Unternehmens. Simultan setzt TrioLogic bewusst auf offene Automatisierungsplattformen, um Anlagen flexibel erweitern, unterschiedliche Systeme integrieren und langfristig unabhängig von starren Herstellergrenzen entwickeln zu können.
„Unsere Aufgaben reichen von Belüftungstechnik bis hin zur Prozesstechnik in Biogasanlagen“, betont Andreas Zeiß, Leiter Software und Prokurist bei TrioLogic und einer der Firmengründer. „Bei der Nahwärmeanlage in Kilb ging es konkret darum, das Material so aufzubereiten, dass es kontrolliert in die Vergaserkessel eingebracht werden kann.“ Die regionale Nähe spielte bei dieser Projektvergabe eine zentrale Rolle. Der Betreiber suchte bewusst nach einem Automatisierungspartner aus dem unmittelbaren Umfeld und wurde über Empfehlungen auf TrioLogic aufmerksam. „Auf diesem Weg sind wir schlussendlich zusammengekommen“, erklärt Zeiß. Gerade bei Infrastrukturprojekten wie Nahwärmeanlagen zeigt sich, wie wertvoll kurze Wege und direkte Abstimmungen sein können. Entscheidungen lassen sich schneller treffen, Anpassungen unkomplizierter umsetzen und Inbetriebnahmen effizient begleiten.
Von der Steuerung bis zur Energieversorgung: Im Schaltschrank bei der Nahwärme in Kilb kommen zahlreiche Automatisierungskomponenten von Weidmüller zum Einsatz.
Zwischen Zeitdruck und Sicherheitsanforderungen
Die Umsetzung des Projekts brachte jedoch auch erhebliche technische Herausforderungen mit sich. Roland Gansch, Prokurist und gewerberechtlicher Geschäftsführer bei TrioLogic und ein weiterer Firmengründer, beschreibt vor allem den engen Zeitrahmen als anspruchsvoll. „Das Projekt startete und wir haben sofort beginnen müssen, Bauteile zu bestellen, weil wir mit langen Lieferzeiten rechnen mussten“, so Gansch. „Gleichzeitig mussten verschiedene Gewerke ineinandergreifen.“
Hinzu kamen umfangreiche Sicherheitsanforderungen. Da sich auf der Anlage drehende Komponenten befinden, musste ein Performance Level D erreicht werden – inklusive entsprechender Sicherheitskonzepte und normgerechter Umsetzung. „Das waren durchaus konzeptionelle Anforderungen“, hebt Gansch weiter vor. „Aber wir haben das gut gemeistert.“ Deutlich wird die Realität moderner Automatisierungsprojekte im Schaltschrankbau. Die Zeitfenster zwischen Auftragseingang und Auslieferung werden immer kürzer, Änderungen erfolgen häufig noch während der Fertigung. „Im schlimmsten Fall steht der Schaltschrank bereits fertig aufgebaut bei uns im Haus und es kommt noch eine Änderung dazu“, schildert Gansch den Arbeitsalltag. „Dann wird alles noch einmal geöffnet, erweitert und erneut getestet. Das gehört einfach dazu.“
Wie kritisch selbst kleine Komponenten werden können, zeigt ein Beispiel aus der Praxis: „Ein 10-Euro-Teil, das vor Ort fehlt, kann enorme Kosten verursachen“, versucht Gansch anhand eines Beispiels die Herausforderungen zu erläutern. Deshalb sei eine möglichst vollständige und vorausschauende Planung entscheidend. Während Anpassungen bei regionalen Projekten noch vergleichsweise flexibel umgesetzt werden können, sieht das bei internationalen Anlagen eben anders aus. „Wir haben Projekte in Vietnam oder Polen. Da kann man nicht einfach schnell hinfliegen und etwas nachbauen“, erklärt Gansch die Umstände genauer. „Dass wir ein Projekt wie dieses der Nahwärme direkt vor der Haustür hatten, war daher tatsächlich etwas Besonderes.“
Trotz komplexer Prozesse im Hintergrund steht bei der von TrioLogic entwickelten Software eine möglichst einfache Bedienbarkeit im Vordergrund.
Digitalisierung muss einfach bedienbar bleiben
Neben der eigentlichen Prozessautomatisierung spielte auch die Digitalisierung der Anlage eine zentrale Rolle. TrioLogic entwickelt dafür eigene Software- und Visualisierungslösungen, die speziell auf den praktischen Betrieb ausgelegt sind. „Digitalisierung wird immer wichtiger“, hebt Zeiß im Gespräch hervor. „Wir bieten Cloud-Lösungen an, bei denen weltweit Anlagendaten gesammelt, verarbeitet und visualisiert werden.“ Die Steuerung und Überwachung der Anlagen erfolgen dabei nicht mehr ausschließlich lokal, sondern zunehmend über Webbrowser, Tablets oder Smartphones. Daten können ausgewertet, Prozesse analysiert und Betriebszustände dokumentiert werden.
Die drei Gründer von TrioLogic Automation bündeln Kompetenzen aus Softwareentwicklung, Schaltschrankbau und Automatisierungstechnik und setzen gemeinsam auf regionale Umwelttechnikprojekte mit hoher technischer Tiefe. (Alle Bilder: x-technik)
Einfach zu nutzen
Entscheidend bei Projekten sei laut Zeiß vor allem die Bedienbarkeit. „Eine Anlage muss so programmiert sein, dass man sie ohne großes Handbuchlesen bedienen kann“, erklärt der Fachmann weiter. „Was dahinter passiert, ist unsere Sache.“ Insbesondere im Umfeld von Umwelt- und Energietechnik arbeiten Betreiber häufig nicht täglich mit komplexen IT-Systemen. Deshalb müsse moderne Automatisierung im Hintergrund hochkomplex sein, in der Anwendung aber wie erwähnt möglichst einfach bleiben. Die Nahwärmeanlage in Kilb wurde gleichzeitig zur technologischen Entwicklungsplattform für TrioLogic. Dort entstand erstmals die hauseigene „Trio Control“-Lösung, die künftig auch in weiteren Projekten eingesetzt werden soll. „Die Anlage ist eigentlich als Prototyp unserer Trio Control entstanden“, heißt es von Seiten TrioLogics. „Wir haben das System dort erstmals entwickelt und umgesetzt.“
Mit der eigens entwickelten „Trio Control“-Lösung ermöglicht TrioLogic eine flexible und praxisnahe Steuerung moderner Umwelttechnikanlagen.
Partnerschaft statt klassischer Lieferbeziehung
Eine zentrale Rolle im Projekt spielte die Zusammenarbeit mit Weidmüller. Dabei versteht sich der Automatisierungsspezialist jedoch bewusst nicht nur als Komponentenlieferant, sondern als technologischer Partner. „Mit TrioLogic haben wir fachlich hochkompetente Mitarbeiter und Geschäftsführer kennengelernt“, erklärt Jürgen Kitzler, Automation Sales-Experte von Weidmüller Österreich. „Solche Unternehmen suchen wir sehr gezielt, weil unsere Lösungen erst durch gute Integratoren ihr Potenzial entfalten.“
Zum Einsatz kamen unter anderem Standard-Schaltschrankkomponenten, Relais, Klemmen, USV-Versorgungen, Visualisierungspanels sowie die Steuerungsplattform für die Anlagenautomatisierung. Die Zusammenarbeit begann bereits unmittelbar nach der Firmengründung von TrioLogic, beinahe zufällig. Denn: „Zur Firmengründung führte Weidmüller eine Produktpräsentation bei uns durch“, erinnert sich Andreas Zeiß. „Wir waren gerade dabei, die Firma aufzubauen und brauchten eine Steuerung. Dabei haben wir gesehen, dass man mit Weidmüller gemeinsam etwas aufbauen kann.“ Der Rest ist Geschichte.
Heute geht die Partnerschaft deutlich weiter als eine klassische Lieferantenbeziehung. Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht vor allem der gemeinsame Ansatz offener Automatisierungssysteme. Ziel der Zusammenarbeit ist es, flexible und zukunftssichere Plattformen zu schaffen, die sich an unterschiedlichste Anwendungen anpassen lassen und gleichzeitig maximale Integrationsfähigkeit bieten. „Der große Vorteil offener Systeme liegt darin, dass man flexibel entwickeln kann, ohne auf die Grenzen eines Herstellers achten zu müssen“, konkretisiert Kitzler. „Das bedeutet, die Öffnung des Systemgefängnisses voranzutreiben. Denn offene Systeme ermöglichen es, flexibel zu entwickeln, ohne auf die Grenzen eines Herstellers achten zu müssen.“ Gerade in der Umwelttechnik mit ihren unterschiedlichsten Prozess- und Anlagenstrukturen gewinnen offene Systeme zunehmend an Bedeutung. Unterschiedliche Anlagen, Komponenten und Softwarelösungen müssen miteinander kommunizieren können, gleichzeitig steigen die Anforderungen an Datensicherheit und Vernetzung – etwa im Zusammenhang mit NIS2. „Wir stimmen uns regelmäßig zu neuen Anforderungen und Sicherheitskonzepten ab“, erklärt auch Gansch. „Vor allem Themen wie die erwähnte NIS2 werden künftig immer wichtiger und gehören zum Arbeitsalltag dazu.“
Kurze Wege als Wettbewerbsvorteil
Für TrioLogic liegt ein wesentlicher Vorteil in der engen Verzahnung aller Unternehmensbereiche. Planung, Schaltschrankbau, Softwareentwicklung und Inbetriebnahme erfolgen vollständig im eigenen Haus. „Unsere Kunden bekommen ein komplettes Paket“, erläutert Zeiß. „Und weil alles aus einer Hand kommt, können wir auch während der Bauphase noch flexibel reagieren.“
Diese kurzen Wege unterscheiden mittelständische Unternehmen häufig von großen Konzernstrukturen. „Die Wege sind bei uns sehr kurz gehalten. Dadurch können wir Lösungen oft einfacher und praxisnäher umsetzen.“ Auch Weidmüller sieht darin einen entscheidenden Erfolgsfaktor für zukünftige Projekte. Die Umwelttechnik werde in den kommenden Jahren massiv an Bedeutung gewinnen, nicht zuletzt durch Themen wie Energierückgewinnung, Ressourceneffizienz oder die Nutzung industrieller Abwärme. „Wir erleben aktuell einen starken Datacenter-Boom“, meint Jürgen Kitzler. „Aber irgendwann muss auch diese Abwärme sinnvoll genutzt werden. Umwelttechnik wird deshalb weiterhin ein zentrales Zukunftsthema bleiben.“
Österreichische Automatisierungskompetenz mit Zukunft
Das Projekt in Kilb zeigt beispielhaft, wohin sich moderne Automatisierung entwickelt: weg von geschlossenen Insellösungen, hin zu offenen, flexiblen und partnerschaftlich entwickelten Systemarchitekturen. Besonders in der Umwelttechnik entstehen dadurch neue Möglichkeiten für Digitalisierung, Skalierbarkeit und langfristige Zukunftssicherheit. Dabei geht es längst nicht mehr nur um einzelne Komponenten oder Steuerungen, sondern um das Zusammenspiel aus Prozessverständnis, Digitalisierung und praxisnaher Umsetzung. Für TrioLogic ist diese Verbindung entscheidend. Die Anforderungen verändern sich laufend: von Biogasanlagen über Klärtechnik bis hin zu Recycling- und Nahwärmeanwendungen. „Man muss ständig mit der Zeit gehen und sich weiterentwickeln“, so Gansch konkretisierend. „Man kann sich heute nicht mehr nur auf eine einzige Branche fokussieren.“
Gleichzeitig zeigt die Zusammenarbeit mit Weidmüller, wie wichtig offene Technologien und Partnerschaften auf Augenhöhe geworden sind. „Ich sehe die Zusammenarbeit fast schon auf freundschaftlicher Basis“, betont Kitzler abschließend. „Und ich denke, dass wir diesen Weg noch viele Jahre gemeinsam weitergehen werden.“ Das Projekt in Kilb zeigt damit nicht nur die Zukunft moderner Umwelttechnik, sondern auch, wie offene Automatisierung zunehmend zum entscheidenden Erfolgsfaktor industrieller Infrastruktur wird.










Teilen: · · Zur Merkliste