interview

Druckmessung, die dank Vega auch Extrembedingungen standhält

Abrasive Medien, Feuchtigkeit und dynamische Druckverhältnisse stellen hohe Anforderungen an die Sensorik in der Papierproduktion. Vega zeigt, wie keramische Messzellen und klimakompensierte Drucksensoren auch unter extremen Bedingungen zuverlässige und präzise Messwerte liefern. Thomas Hanl, Gebietsverkaufsleiter Oberösterreich bei Vega, liefert Details.

„Der große Vorteil ist, dass keine Feuchtigkeit in die Messzelle eindringen kann.“ Thomas Hanl, Gebietsverkaufsleiter Oberösterreich, Vega Austria GmbH

„Der große Vorteil ist, dass keine Feuchtigkeit in die Messzelle eindringen kann.“ Thomas Hanl, Gebietsverkaufsleiter Oberösterreich, Vega Austria GmbH

Herr Hanl, die Papierproduktion – insbesondere beim Recycling von Altpapier – ist durch stark abrasive Medien geprägt. Welche konstruktiven Eigenschaften der keramischen Certec-Messzelle sorgen dafür, dass sie diesen extremen mechanischen Belastungen langfristig standhält und worin unterscheidet sie sich dabei von metallischen Messzellen?

Die Keramik der Drucksensoren basiert auf Aluminiumoxid. Dieses ist auch als Korund bekannt und hat die Härte 9 auf der Mohs-Skala. Sie wird nur vom Diamant mit der Härte 10 übertroffen. Somit ist diese bei abrasiven Medien insbesondere in der Altpapieraufbereitung, wo Fremdstoffe wie Metall, Glas oder auch Steine mit der Messzelle in Berührung kommen, bestens geeignet. Weiters hat unsere Certec die höchste Überlastfähigkeit am Markt, ist langzeitstabil (praktisch driftfrei) und es gibt absolut frontbündige Ausführungen. Die keramische Messzelle wird durch die Fremdkörper nicht deformiert und nicht beschädigt. Bei einem Drucksensor mit metallischer Messzelle, die wir natürlich auch im Portfolio haben, würde die Membran mechanisch beschädigt und somit wäre diese für den Betrieb nicht mehr weiter einsetzbar.

In Bereichen wie der Trocknungseinheit oder anderen sehr feuchten Prozessumgebungen kann Kondensat die Druckmessung erheblich beeinflussen. Wie funktioniert die klimakompensierte Messzelle von Vega technisch und welche Vorteile bietet diese gegenüber klassischen belüfteten Relativdrucksensoren?

Bei unserer klimakompensierten Ausführung ist die „Belüftungsöffnung“ im Grundkörper der Messzelle verschlossen. Somit sprechen wir von einer Absolutdruck-Messzelle. Durch diesen Aufbau kann keine feuchte Luft aus der Umgebung ins Innere der Messzelle gelangen. Damit wir trotzdem den Relativdruck messen können, haben wir einen zusätzlichen Absolutdrucksensor in der Elektronik angebracht, um den schwankenden Luftdruck auszugleichen. In der Auswerteelektronik werden beide Werte miteinander verrechnet, damit der Sensor – Vegabar 82/83 – den Relativdruck ausgeben kann.

Der große Vorteil davon ist, dass keine Feuchtigkeit in die Messzelle eindringen kann. Durch die Eigenüberwachung würde dies sofort erkannt und eine Fehlermeldung erzeugt werden. Mit der klimakompensierten Ausführung unserer Vegabar-Sensoren stellen wir sicher, dass das Leitsystem in jedem Moment die richtigen Messwerte der Prozessdrücke bekommt – auch unter extrem schwierigen Prozessbedingungen.

Gerade in Anwendungen wie Pulpern oder Drucksortierern treten häufig starke Druckstöße und schnelle Prozessänderungen auf. Wie stellt der Druckmessumformer Vegabar 82 sicher, dass auch unter solchen dynamischen Bedingungen stabile und präzise Messwerte für eine zuverlässige Prozessregelung zur Verfügung stehen?

Der Messbereich der Certec ist abhängig von der Dicke der Membrane, welche in einem Abstand von circa 18 μm mit dem keramischen Grundkörper über ein Glaslot verbunden ist. Bei sehr hohem Überdruck, aber auch bei Druckschlägen, wird die Membrane bis zum Grundkörper gedrückt und wird somit durch ihn geschützt. Sobald der Überdruck abgebaut ist, kehrt die keramische Membrane wieder in ihre ursprüngliche Position zurück. Es entsteht keine Nullpunktdrift und die Kennlinie der Messzelle (Messgenauigkeit) bleibt ebenfalls unbeeinflusst.

Die Faktoren der Überlastfähigkeit gehen bis zum 150-fachen des Messbereiches. Der große Vorteil liegt darin, dass sich weniger Sensorschäden im Falle von Überdruck oder Druckschlägen ergeben bzw. geringere Betriebskosten, da keine Nachkalibrierung erforderlich ist.

Vielen Dank für das Gespräch.

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