interview

Beckhoff erweitert sein Antriebsportfolio um kostenoptimierte Lösungen für den globalen Wettbewerb

Der steigende Kostendruck im Maschinenbau zwingt viele Hersteller dazu, ihre Antriebskonzepte neu zu denken. Mit dem Economy Drive System, bestehend aus den Komponenten AX1000, AF1000 und AM1000, reagiert Beckhoff auf diese Entwicklung und adressiert gezielt preisbewusste Anwendungen, ohne dabei typische Systemeigenschaften wie Integration, Performance oder Diagnosefähigkeit zu vernachlässigen. Im Gespräch mit Dirk Hansen, Senior Produktmanager Antriebstechnik, Beckhoff Deutschland, haben wir die Hintergründe und technischen Besonderheiten der neuen Antriebsgeneration unter die Lupe genommen.

„Wir haben jede einzelne Funktion konsequent hinterfragt und das über einen längeren Zeitraum hinweg. Fragen wie: Was wird wirklich benötigt? Wo lassen sich alternative, effizientere Lösungen realisieren?“ – waren nur einige. Dirk Hansen, Senior Produktmanager Antriebstechnik, Beckhoff Automation GmbH

„Wir haben jede einzelne Funktion konsequent hinterfragt und das über einen längeren Zeitraum hinweg. Fragen wie: Was wird wirklich benötigt? Wo lassen sich alternative, effizientere Lösungen realisieren?“ – waren nur einige. Dirk Hansen, Senior Produktmanager Antriebstechnik, Beckhoff Automation GmbH

Herr Hansen, Beckhoff hat jüngst sein Portfolio um das Economy Drive System erweitert. Was war die zentrale Motivation für die Entwicklung dieser neuen Antriebsgeneration?

Danke für diese spannende Frage. Wir sehen seit geraumer Zeit, dass viele Anwender, insbesondere in preisgetriebenen Märkten und Anwendungen, zuverlässige, leistungsfähige Antriebslösungen benötigen, gleichzeitig aber deutlich stärker auf Kosten achten müssen. Unser bisheriges Beckhoff-Portfolio war technologisch sehr breit aufgestellt und auf maximale Performance ausgelegt. Das ist auch weiterhin wichtig – ohne Frage. Allerdings erfordern viele Anwendungen gar nicht die gesamte Funktionalität. Genau hier setzen wir mit dem Economy Drive System an und bieten fortan ein optimiertes Preis-Leistungs-Verhältnis ohne Kompromisse bei Qualität und Performance.

Mit dem kompakten Motor AM1000 und dem Servoverstärker AX1000 erhalten Anwender ein ideal abgestimmtes, kostenoptimiertes Antriebssystem.

Mit dem kompakten Motor AM1000 und dem Servoverstärker AX1000 erhalten Anwender ein ideal abgestimmtes, kostenoptimiertes Antriebssystem.

Wie ist das neue System innerhalb Ihres bestehenden Antriebsportfolios von Beckhoff positioniert?

Es handelt sich klar um eine Ergänzung, nicht um einen Ersatz. Unsere High-End-Antriebslösungen bleiben unverändert bestehen. Mit dem Economy Drive System erweitern wir wie eingangs erwähnt lediglich das Portfolio gezielt nach unten – sowohl mit Frequenzumrichtern als auch mit kompakten Servoverstärkern für ein- und dreiphasige Netze sowie den neuen Servomotoren der Baureihe AM1000. Damit erschließen wir Anwendungen und Märkte, die bisher wirtschaftlich schwer erreichbar waren und optimieren gleichzeitig unsere eigene Performance am Markt.

Mit dem Economy-Frequenzumrichter AF1000 lassen sich einfache Antriebsaufgaben kostenoptimiert lösen.

Mit dem Economy-Frequenzumrichter AF1000 lassen sich einfache Antriebsaufgaben kostenoptimiert lösen.

Werden wir konkret: Welche technischen Merkmale zeichnen die Komponenten AX1000, AF1000 und AM1000 aus und für welche Anwendungen sind sie konzipiert?

Ein wesentliches Merkmal ist die konsequente Kompaktheit. Sowohl im Schaltschrank als auch in der Maschine reduzieren wir somit gezielt den Platzbedarf. Die Geräte lassen sich ohne Zwischenabstände montieren, was den Footprint deutlich minimiert. Die frontseitige Anschlusstechnik vereinfacht zudem die Verdrahtung. Ein zusätzliches, besonderes Highlight sind unsere neuen Doppelachs-Frequenzumrichter. Während im Markt üblicherweise ein Umrichter pro Motor eingesetzt wird, integrieren wir zwei Achsen in einem Gerät. Das spart nicht nur Platz, sondern reduziert auch die Kosten pro Achse signifikant. Auch die Servomotoren AM1000 tragen zur Raumeffizienz bei: kurze Baulängen, hohe Leistungsdichte und eine platzsparende Verkabelung machen sie ideal für kompakte Maschinenkonzepte. Damit reagieren wir auf die neuen Marktumstände, gezielt und professionell.

Der Economy-Ansatz steht im Fokus. Wie gelingt es, Kosten zu senken, ohne Abstriche bei Performance und Integration zu machen?

Wir haben jede einzelne Funktion konsequent hinterfragt und das über einen längeren Zeitraum hinweg. Fragen wie: Was wird wirklich benötigt? Wo lassen sich alternative, effizientere Lösungen realisieren? – waren nur einige. Dabei haben wir nicht einfach Funktionen gestrichen, sondern die Architektur insgesamt neu gedacht. Ein entscheidender Faktor ist der Einsatz moderner, kosteneffizienter Prozessoren. Dadurch konnten wir die gewohnte Performance und Diagnosefähigkeit beibehalten. Gleichzeitig haben wir die Geräte für eine optimierte Fertigung ausgelegt. Das Ergebnis zeigt: „Made in Germany“ und Kosteneffizienz schließen sich nicht aus.

Und welche Rolle spielt die Integration in die PC-basierte Steuerungsplattform und in TwinCAT für das neue Drive System?

Eine sehr zentrale! Das Economy Drive System – inkl. der neuen Frequenzumrichter – ist vollständig in unsere PC-basierte Steuerungsplattform integriert. Anwender profitieren von durchgängigen Engineering-Tools: vom TwinCAT Motion Designer über den Drive Manager 2 bis hin zum Autotuning. Das bedeutet im Endeffekt: keine zusätzlichen Tools, keine neuen Schnittstellen und damit deutlich geringerer Aufwand im Engineering und in der Inbetriebnahme. Genau das sind unsere Antworten auf das, was angefragt wird.

Aber konkret: Wo sehen Sie die größten Einsatzpotenziale?

Grundsätzlich überall dort, wo der Kostendruck steigt. Das betrifft inzwischen einen Großteil des Maschinenbaus. Viele Hersteller müssen die Balance zwischen Performance und Wirtschaftlichkeit neu justieren, es führt kein Weg daran vorbei. Gleichzeitig sehen wir verstärkten Wettbewerb aus Asien, der technologisch immer besser wird. Mit dem Economy Drive System adressieren wir genau diese Anforderungen. Es geht nicht darum, weniger Leistung anzubieten, sondern die richtige Leistung für die jeweilige Anwendung bereitzustellen – das möchte ich noch einmal betonen.

Welche konkreten Vorteile ergeben sich für Maschinenbauer im Alltag?

Ein großer Vorteil ist die durchgängige Integration. Da alles in TwinCAT eingebunden ist, entfällt die Einarbeitung in zusätzliche Tools. Die Inbetriebnahme wird deutlich schneller und im Betrieb stehen vollständige Diagnosemöglichkeiten zur Verfügung. Auch im Servicefall profitieren Anwender: Geräte lassen sich einfach austauschen, ohne dass eine aufwendige Parametrierung notwendig ist. Die Parameter werden zentral verwaltet und automatisch übertragen. Das reduziert Stillstandzeiten erheblich.

Wie wird sich das System künftig weiterentwickeln? Plant Beckhoff zusätzliche Leistungsklassen oder Funktionsoptionen?

Wir haben bereits erste Erweiterungen auf der zurückliegenden SPS in Nürnberg vorgestellt, etwa zusätzliche Leistungsklassen bei Servoverstärkern und Frequenzumrichtern sowie die Einführung der AM1000-Servomotoren. Mit dem Economy-Servoverstärker AX1112-3xx1 haben wir die Baureihe der Servoverstärker um eine 12 A-Variante erweitert. Zusätzlich wurde auch die Palette der Frequenzumrichter um eine 5,5 kW-Variante ergänzt. Weitere Ausbaustufen sind in Planung. Unser Ziel ist es, das System kontinuierlich weiterzuentwickeln und an die Anforderungen des Marktes anzupassen. Wie wir alle merken, werden diese Anpassungen immer rasanter – wir sind bereit für Antworten.

Abschließend gefragt: Welche strategische Bedeutung hat das Economy Drive System für Beckhoff?

Für uns ist das, zusammengefasst, mehr als nur eine Produktergänzung. Es ist eine strategische Antwort auf veränderte Marktbedingungen. Der globale Wettbewerb nimmt zu, gleichzeitig steigen die Anforderungen an Effizienz und Wirtschaftlichkeit. Mit dem Economy Drive System zeigen wir, dass sich Innovation und Kostenoptimierung nicht ausschließen, sondern eben sinnvoll ergänzen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Stand 217

Produkte im Bericht

<b>Beckhoff AX1000: </b>Die Economy-Servoverstärker AX1000 sind eine besonders kosteneffiziente Baureihe, die höchste technologische Standards erfüllen. Verfügbar sind zwei Versionen:

    im kleinen Leistungsbereich mit einphasiger Einspeisung 1 x 110 V AC…240 V AC
    im höheren Leistungsbereich mit dreiphasiger Einspeisung 3 x 208 V AC…480 V AC

Trotz der kompakten Abmessungen sind ein Netzteil für 24 V DC, Zwischenkreiskondensatoren, eine Bremsschaltung und bei den meisten Varianten auch ein Bremswiderstand integriert. Die Steuerspannung erzeugt das Netzteil aus der Zwischenkreisspannung. Beide Ausführungen sind als Einachs- und Doppelachsmodule erhältlich. Unterstützt werden die Synchron-Servomotoren AM8000 mit One Cable Technology (OCT) sowie Asynchron- und Reluktanzmotoren.

Beckhoff AX1000

Die Economy-Servoverstärker AX1000 sind eine besonders kosteneffiziente Baureihe, die höchste technologische Standards erfüllen. Verfügbar sind zwei Versionen: im kleinen Leistungsbereich mit einphasiger Einspeisung 1 x 110 V AC…240 V AC im höheren Leistungsbereich mit dreiphasiger Einspeisung 3 x 208 V AC…480 V AC Trotz der kompakten Abmessungen sind ein Netzteil für 24 V DC, Zwischenkreiskondensatoren, eine Bremsschaltung und bei den meisten Varianten auch ein Bremswiderstand integriert. Die Steuerspannung erzeugt das Netzteil aus der Zwischenkreisspannung. Beide Ausführungen sind als Einachs- und Doppelachsmodule erhältlich. Unterstützt werden die Synchron-Servomotoren AM8000 mit One Cable Technology (OCT) sowie Asynchron- und Reluktanzmotoren.

<b>Beckhoff AF1000: </b>Mit dem AF1000 bietet Beckhoff nun auch einen Frequenzumrichter und damit eine kostengünstige Lösung für einfache Antriebsaufgaben wie z. B. Bandantriebe, Pumpen oder Lüfter an. Der Frequenzumrichter ist über EtherCAT vollständig in das TwinCAT-System integriert und bietet somit den vollen, von der Servoantriebstechnik gewohnten Komfort bei Inbetriebnahme und Diagnose.

Beckhoff AF1000

Mit dem AF1000 bietet Beckhoff nun auch einen Frequenzumrichter und damit eine kostengünstige Lösung für einfache Antriebsaufgaben wie z. B. Bandantriebe, Pumpen oder Lüfter an. Der Frequenzumrichter ist über EtherCAT vollständig in das TwinCAT-System integriert und bietet somit den vollen, von der Servoantriebstechnik gewohnten Komfort bei Inbetriebnahme und Diagnose.

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