Turck startet in Österreich durch
Wie bereits in der letzten Ausgabe von x-technik AUTOMATION berichtet, gründete der mit mehr als 2.500 Mitarbeitern weltweit tätige Sensor-, Feldbus-, Interface- und Anschlusstechnikspezialist Turck auch in Österreich eine Landesgesellschaft. Das deutsche Familienunternehmen mit Hauptsitz in Mülheim an der Ruhr hat seine bisherige Vertretung, die Intermadox GmbH mit Sitz in Wien, zu 100 % übernommen und am 1. Mai in Turck GmbH umbenannt. Über die Konsequenzen für den österreichischen Markt sprach Ing. Peter Kemptner für x-technik AUTOMATION mit Stephan Auerböck, Vertriebsleiter und Prokurist von Turck Österreich.

Stephan Auerböck, Turck Österreich Vertriebsleiter Prok.
Stephan Auerböck, Turck Österreich Vertriebsleiter Prok.
Was führte zur Entscheidung, Intermadox zu übernehmen, und was verändert sich dadurch für bisherige Turck- bzw. Intermadox-Kunden?
Die Intermadox-Gründer und bisherigen Geschäftsführer Irene und Heinz J. Brezina hatten den Wunsch geäußert, sich in den Ruhestand zurück zu ziehen. Das warf die Frage auf, wie es mit dem Unternehmen und den Mitarbeitenden weiter geht. Da Turck mit der bisherigen Vertretung sehr zufrieden war und gleichzeitig den österreichischen Markt ausbauen wollte, entschloss man sich, die erfahrene Mannschaft zu übernehmen und mit einer eigenen Landesgesellschaft noch näher zum Markt zu kommen.
Intermadox-Kunden werden durch die personelle Kontinuität keine Veränderungen feststellen. Auch das bisher durch Intermadox vertretene Produktspektrum anderer Hersteller wie die Optosensoren von Banner oder die Verbindungstechnik von Escha bleibt weiterhin im Vertriebsprogramm, ebenso wie wir die Vertretungen von Lenord + Bauer, Gefran sowie ASM behalten haben. Unser Angebot wird sich jedoch kontinuierlich erweitern, der direkte Kontakt zur deutschen Firmenzentrale wird sich für österreichische Kunden vorteilhaft auswirken.
Gemäß unserem Motto „Sense it! Connect it! Bus it! Solve it! bleiben unsere Schwerpunkte die durchgängige Sensorik, Feldbus-, Interface- und Anschlusstechnik für die Industrieautomatisierung, bis hin zu Komplettlösungen mit unserem kürzlich vorgestellten HMI.

Lichtschutzgitter des strategischen Turck-Partners Banner sind nach der neuen Maschinenrichtlinie SIL-zertifiziert.
Lichtschutzgitter des strategischen Turck-Partners Banner sind nach der neuen...
Im Maschinen- und Anlagenbau sorgt die fortschreitende Automatisierung für steigenden Bedarf an Sensorik. Wie beurteilen Sie den österreichischen Sensorikmarkt? Welche Marktposition haben Sie im Sensorikbereich derzeit in Österreich und was sind Ihre Ziele?
Das weite Feld der Sensorik ist natürlich weiterhin ein Schwerpunkt für Turck, es gibt keinen Bereich innerhalb einer Maschine, den wir nicht mit passenden Sensorlösungen abdecken könnten. Über die letzten Jahre war der Markt durch einen Preisverfall geprägt, Turck positioniert sich im oberen technologischen Bereich des Spektrums und in Bereichen, wo raue Umgebungsbedingungen hochwertige Produkte verlangen. Damit bedient Turck Großabnehmer ebenso wie kleine Spezialunternehmen im Automatisierungsbereich, die in Österreich eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Auf dem Gebiet induktiver Sensoren befinden wir uns in Österreich unter den Top 3. Unser Ziel ist die Positionierung von Turck als innovativer Lösungspartner für Automatisierungsanwendungen. Das können wir sowohl mit Katalogprodukten als auch mit kundenspezifischen Lösungen erreichen.
Turck bietet einiges an Sicherheitstechnik, etwa die Lichtvorhänge der Produktfamilie EZ-Screen, ohne diese als eigene Kategorie zu führen. Ist an eine Ausweitung der Produktpalette für diesen Wachstumsmarkt gedacht?
Diese Lichtvorhänge werden wie alle optoelektronischen Produkte von unserem langjährigen Allianzpartner Banner Engineering, der übrigens Marktführer in seinem Heimatland USA ist, entwickelt 
In der Sensorik gilt: Nichts ist für Turck unmöglich, der Schwerpunkt liegt dort, wo Kundenanforderungen hoch sind. Kundenspezifische Entwicklungen inklusive.
In der Sensorik gilt: Nichts ist für Turck unmöglich, der Schwerpunkt liegt...
und produziert. Bereits heute entsprechen die Lichtschutzgitter der LP-Serie der neuen Maschinenrichtlinie, und das zu einem sehr interessanten Preis. Natürlich wird hier weiterentwickelt, sodass Einstrahlsysteme und weitere Komponenten mit der entsprechenden Zertifizierung zu erwarten sind.
Da Turck ja auch in der Feldbustechnik groß ist: Wie wird sich die beginnende Verbreitung von Safety over Industrial Ethernet auf dieses Segment auswirken?
Wir bemerken, dass Safety over Industrial Ethernet bei unseren Kunden ein Thema ist, das die Kollegen in der Turck-Zentrale natürlich verfolgen und bearbeiten. Wann entsprechende Lösungen dem Markt präsentiert werden, kann ich allerdings noch nicht sagen.
Turck präsentierte zur Achema eine Interfacemodul-Backplane, die auf kleinstem Raum Interfaceschächte für bis zu 32 I/O-Kanäle mit standardisierten Systemsteckern und redundanter Stromversorgung (24 V=) verbindet. Wie vergleicht sich Turck-Interfacetechnik mit derjenigen der führenden Steuerungs- und Automatisierungsanbieter?
Turck ist nicht nur im Bereich der Fabrikautomation, sondern auch in der Prozessautomation mit einer breiten Produktpalette stark. Dort verstehen wir uns als Spezialisten für den Physical Layer, also die Verbindung zwischen Leitsystem und Feldgeräten. Hier haben wir zahlreiche Lösungen für die Feldbus-, Remote-I/O- und Interfacetechnik im Programm. Vor allem in der Intefacetechnik 
Mit dem neuen HMI-System VT 250 dringt Turck in den Bereich von Komplettlösungen vor.
Mit dem neuen HMI-System VT 250 dringt Turck in den Bereich von Komplettlösungen...
ist Turck einer der Anbieter mit dem breitesten Portfolio, angefangen von Hutschienengeräten über Cartridges und die Backplane bis hin zu 19“-Karten. Viele Geräte eignen sich dank ATEX-Zulassung auch für den explosionsgefährdeten Bereich.
Das kürzlich vorgestellte Backplane-System für analoge und digitale Signale stellt einen erheblichen Miniaturisierungsschritt dar und trägt durch die Erhöhung der Packungsdichte für eine nicht unerhebliche Kostenersparnis bei. Stichwort: weniger bzw. kleinere Schaltschränke und weniger Kühlbedarf.
In der Feldbustechnik bietet Turck zahlreiche Komponenten und Gateways zu Ethernet, die für unterschiedliche Industrial Ethernet Protokolle geeignet sind, teilweise auch für mehrere. Auf welche Netzwerktechnologie(n) legt Turck den Schwerpunkt? Wie vollständig ist das derzeitige Turck-Angebot auf diesem Gebiet? Was ist hier weiter geplant? Beabsichtigt Turck auch, in den Bereich der Sicherheitssteuerungen und der Safe I/O vorzudringen?
In der Regel geben die Kunden durch ihre Systementscheidung das verwendete Bussystem vor. Uns ist bewusst, dass wir auf diesem Markt nur punkten können, wenn wir die Kompatibilität zu möglichst allen Protokollen herstellen. Daher legen wir auf diesem Gebiet keinen eigenen Schwerpunkt auf eine bestimmte Technologie. Das ist auch deshalb ganz wichtig, weil die österreichische Maschinenbauindustrie exportorientiert ist und sich oft nach örtlichen Präferenzen in den Zielländern richten muss.
Als Link zwischen untergeordneten Feldbussen und übergeordneten Steuerungssystemen können das mit unterschiedlichen Industrial Ethernet Protokollen kompatible und in CodeSys programmierbare, kommunikationsstarke HMI-Produkt VT 250 oder die ebenfalls CoDeSys-programmieren Feldbus-Gateways die oft fehlende Brücke zwischen unterschiedlichen Standards schlagen.
Der Weg in die Zukunft wird mit dezentral verwalteten Safe-I/Os und mit Turck-Produkten mit der Schutzart IP 67 versehen sein.
Mit dem SureCross DX80 hat Turck erst vor einem Monat ein drahtloses Netzwerk zur I/O-Signalübertragung über Modbus RTU vorgestellt. Wer ist die Haupt-Zielgruppe für diese Technologie?
Auch dieses Wireless-System beziehen wir von unserem Partner Banner, der hier ein excellentes Know-how hat. Seine Problemlösungsfähigkeit kann SureCross vor allem in den Bereichen Anlagenbau und Prozessautomatisierung ausspielen, übrigens auch in Ex-Bereichen. Die netzwerkfähigen Banner-Funkmodule sind nicht nur einfach zu parametrieren, sondern auch in der Schutzart IP 67 verfügbar. Das DX80 ist übrigens nur ein Teil unseres umfassenden Wireless-Angebots, das mit dem DX70 eine einfach zu handhabende Point-to-Point-Lösung bietet – quasi als Kabelersatz –, aber auch spezielle Lösungen für den Ex-Bereich.