Getrennte Prozesse verbinden
Den Aufgaben der Robotertechnik hat sich das WIFI OÖ bereits im Jahre 1988 gestellt und mit speziellen Seminaren in diesem Bereich begonnen. Heute betreibt das WIFI Linz ein beispielhaftes Roboterkompetenzzentrum, das durch seine Markenvielfalt ein sehr breites Spektrum an Ausbildungsmöglichkeiten abdeckt. Als zusätzliche Erweiterung der Möglichkeiten in der Automatisierung verbindet jetzt ein Overhead-Trackmotion-Portal der Firma Güdel die beiden bisher getrennten Werkstätten-Bereiche und verleiht somit der Ausbildung einen deutlichen Mehrwert.
Automatisierung ist in der industriellen Fertigung zu einem entscheidenden Wirtschaftsfaktor geworden. Nicht zuletzt durch die immer vielfältiger werdenden Einsatzmöglichkeiten von Industrierobotern — sie sind heute in fast allen Bereichen der Produktion zu finden. Das WIFI Oberösterreich hat sich mit seinem Roboterkompetenzzentrum seit nunmehr 20 Jahren einen ausgezeichneten Namen im Bereich Schulung und Ausbildung für genau diesen Produktionszweig gemacht. Mittlerweile bietet man Schulungen auf insgesamt 10 Robotern mit acht verschiedenen Steuerungen an. Darüber hinaus verfügt die von EUR Ing. DI(BA) Gerhard Michlbauer geführte Abteilung über spezielle Einrichtungen rund um das Thema Robotik, wie ein automatisches Messsystem, eine Montageeinrichtung, ein automatisches Lagersystem, uvm. „Der Grundgedanke unseres Kompetenzzentrums ist, dass man im Bereich Robotertechnik den Firmen und Schulungsteilnehmern österreichweit die komplette Bandbreite dieser Technologie zeigen kann und somit alle Personen — vom Bediener bis zum Experten — schulen kann“, erläutert DI Gerhard Michlbauer.
Roboter wird flexibler
Ausbildungsbedingt sind innerhalb der Werkstätte zwei getrennte Schulungsbereiche entstanden. Ein Ziel von Gerhard Michlbauer war es, diese beiden räumlich getrennten Bereiche zu verbinden – dies natürlich automatisiert. Und genau hier bietet die Schweizer Güdel AG mit seinem speziellen Produktprogramm „Trackmotion“ eine effektive Möglichkeit dies durchzuführen.
Güdel ist ein Anbieter von modularen Linearportalen für die Automatisierungstechnik und sieht sich dort als Partner, wann immer ein Roboter in einer Längsrichtung bewegt werden muss. Es bietet viel Zusatznutzen einen Roboter auf einer Achse montiert als Verkettung von Anlagen zu verwenden und dies ist auch ist ein starker industrieller Trend. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Knickarm-Roboter der neuesten Generation lassen sich vermehrt in beliebiger Einbaulage montieren. Verringerte Eigengewichte zusammen mit leistungsstarken Antrieben ermöglichen diesen Geräten zudem eine höhere Dynamik und eine größere Reichweite. Daher wird es immer wirtschaftlicher, mit einem Roboter bisher getrennte Zellen zu verketten oder auch einen größeren Arbeitsbereich zu bedienen. Bei Letzterem kommen die Vorteile der Portaltechnik zum Tragen, mit der man wesentlich mehr Produktionsraum versorgen kann. Die Verknüpfung beider Vorzüge bietet Güdel mit seinem Overhead-Trackmotion (TMO). Diese ermöglicht die Verwendung eines Roboters in deckenmontierter, in wandmontierter bzw. auch in schräger Einbaulage. Mit der TMO-Baureihe können Roboter aller Hersteller mit Nutzlasten von 3 bis 350 kg und mit Gesamtgewichten von 50 bis 2.500 kg bewegt werden. Die Systeme basieren auf den bewährten Führungs- und Antriebskomponenten von Güdel. Um jedoch den hohen Anforderungen bezüglich Dynamik und Präzision gerecht zu werden, hat das Unternehmen das Linearführungssystem mit einem neuartigen patentierten Hochleistungs-Rollenträger ausgerüstet. Alle Baugrößen bieten die Schweizer in praktisch unlimitierter Länge an. Im konkreten Fall, im WIFI OÖ, ist ein TMO-52 Portal mit 6.120 mm Verfahrweg im Einsatz.
Ausbildungsmöglichkeiten erweitert
„Für uns bietet diese Portallösung kombiniert mit einem Fanuc Knickarm-Roboter eine enorme Erweiterung der Handlingmöglichkeiten. Durch das Güdel-Portal ist die bisher räumlich in zwei Hälften geteilte Werkstatt produktionstechnisch verbunden. Darüber hinaus bieten wir unseren Schulungsteilnehmern jetzt auch die Möglichkeit nicht nur 6. Achsen zu programmieren sondern auch eine externe 7. Achse anzusteuern. Wir können somit neue Möglichkeiten einer prozessoptimierten Produktion zeigen“, ist der Fachbereichsleiter für Produktions- und Handhabungstechnik äußerst zufrieden. Wichtig für Gerold Matuschek, Geschäftsführer der Güdel-Niederlassung in Österreich, ist in diesem Zusammenhang die Neutralität gegenüber den verschiedenen Herstellern. So arbeitet das System mit allen bekannten Robotern und Steuerungssystemen. Hier kommt ein weiterer Punkt ins Spiel — die Schnittstellenproblematik. „Durch die Neutralität von Güdel können wir unseren Teilnehmern das Thema Schnittstellenproblematik sehr gut näher bringen, denn die einzelnen Roboter müssen in unserem System miteinander kommunizieren“, verweist DI Gerhard Michlbauer auf einen weiteren Vorteil seiner Ausbildungsmöglichkeiten.
„Für uns als Anbieter von Roboter-Verfahrachsen ist das Roboterzentrum im WIFI OÖ sehr interessant, um bereits im Ausbildungsbetrieb die Möglichkeit einer Anlagenverkettung mit Robotern aufzuzeigen. Denn einerseits kann ein Roboter durch seine spezielle Kinematik eine Zelle sehr flexibel bedienen, andererseits ermöglicht erst unsere Portallösungen die nötige räumliche Reichweite“, erklärt Gerold Matuschek. Die Verkettung durch ein Portal mit einem Roboter hat noch weitere Vorteile. Das Werkstück bleibt im Gegensatz zu einem Förderband immer positioniert – daher höchste Genauigkeit. Eine Überkopfmontage bietet zudem eine optimale Anlagenzugänglichkeit. Dass die Österreich Tochter von Güdel in Wilhering bei Linz sehr nahe zum WIFI gelegen ist, bringt natürlich Vorteile mit sich: „Wir können jederzeit mit interessierten Firmen das Ausbildungszentrum besuchen, um die Möglichkeiten unseres Portals live anzusehen.“
Mehrfacher Nutzen
Das neue Portal ist besonders in längeren Ausbildungen sehr gut einsetzbar, wie z.B. in der WIFI-Fachakademie. Im Rahmen des Abschlussprojektes der Werkmeisterschule Mechatronik führten heuer vier Teilnehmer die Planung, Programmierung und Inbetriebnahme durch. „Ein derart umfangreiches Projekt zu begleiten ist für die Teilnehmer eine äußerst praxisnahe und wichtige Ausbildung“, freut sich DI Gerhard Michlbauer über einen weiteren Nebeneffekt und er resümiert: „Durch das neue Güdel-Portal können wir jetzt eine automatisierte Produktionskette anbieten: Ein Kuka-Roboter entnimmt die Rohteile aus einem Lista-Schrank und vermisst diese auf einem Zeiss-Messsystem. Die Gutteile werden anschließend mit einem Fanuc-Roboter über das Güdel-Portal an die rechte Werkstatthälfte übergeben. Ein ABB-Roboter übernimmt die Teile und leitet diese dann an eine Bosch-Montage-Zelle weiter.“ Einfach ausgedrückt, eine prozessoptimierte Produktionskette.
Special Lebensmittelindustrie
Der Lebensmittelbereich weißt noch einen relativ geringen Automatisierungsgrad auf. Naturgewachsene Produkte haben eine große Sortenvielfalt und unterliegen hohen Toleranzen, Produktionen zu automatisieren ist somit eine Herausforderung. Raue Umgebungsbedingungen und höchste Ansprüche an Reinigung und Hygiene erschweren die Anforderungen.
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