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Veredelungsanlagen mit zukunftsweisender Visualisierung

: Lenze


Veredelte Textilien: Das ist nicht nur das bunt bedruckte Hemd, die imprägnierte Windjacke oder besonders flauschige Bettwäsche. Auch in der Luft- und Raumfahrt kommen in modernen Fertigungen veredelte Werkstoffe zum Einsatz. „Die Außenhaut des Airbus A380 besteht zu etwa 70 % aus Textilien“, verdeutlicht Klaus A. Heinrichs, Prokurist bei Monforts, dem Mönchengladbacher Spezialisten für Textilmaschinen. „Wir sprechen heute nicht mehr von Stoffen, sondern von Flächengebilden.“ Ausgefeilte Automatisierung, fein justierte Abläufe und eine Maschinenvisualisierung, die aktuell ihresgleichen sucht, werden dem High-tech-Anspruch gerecht. Das zukunftsweisende Projekt hat Monforts gemeinsam mit Lenze auf die Beine gestellt.

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Aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken – im Maschinenbau ein Exot: die einfache Kommunikation per Touchscreen.

Aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken – im Maschinenbau ein Exot: die...

Wie lässt sich in der Praxis eine Anlage für die Veredelung von Stoffen beherrschen, deren Bahnen oft gut 1.000 und mehr Meter lang sind? Wie sind Mensch-Maschine-Schnittstellen zu konzipieren, damit eine sichere Navigation mit bester Orientierung möglich ist? Welchen Beitrag leisten verständliche Informationen und hilfreiche Menüstrukturen bei der Produktionssteuerung inklusive schneller Rüstzeiten? Und nicht zuletzt: Was erwartet der Mensch an der Maschine zukünftig von der Maschinenbedienung? „Wischbewegungen sind für junge Menschen z. B. gelebte Praxis. Digital Natives sind etwas anderes gewohnt als das, was Maschinen heute zur Bedienung bieten“, bringt es Jan Bilke auf den Punkt. Der Diplom-Ingenieur für Automatisierungstechnik bei Monforts ist Projektleiter für die gemeinsam mit Lenze und dem Bremer Institut für Integriertes Design (IID) gestartete Visualisierungsentwicklung.

Leicht Bedienung – ein großes Thema

Die Besetzung dieses Dreigestirns macht deutlich, welchen Stellenwert die Bedienbarkeit komplexer Maschinen heute einnimmt. Auf der einen Seite steht der OEM mit tiefgreifendem Prozesswissen und Know-how für die Abläufe. Auf der anderen der Partner für die Antriebstechnik und Automation mit einem eigenen Lösungsportfolio an Motion Control sowie für das Bedienen und Beobachten. Dritte im Bunde sind schließlich die Spezialisten für visuelle Kommunikation und Interaktion – IID, die die grafische Gestaltung übernommen haben. Funktionen wie Wischen, Zoomen oder Blättern sind für Menschen heute so selbstverständlich geworden, dass dies auch bei Maschinen-Displays erwartet wird. „Leichte und benutzerfreundliche Bedienung ist ein ganz aktuelles Thema“, führt Jan Bilke an. „Vor allem auch deshalb, weil immer
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Stichwort „joy of use“: Einfach und intuitiv zu erlernende Maschinenbedienung schafft Wettbewerbsvorteile und sorgt beim Anwender für Begeisterung.

Stichwort „joy of use“: Einfach und intuitiv zu erlernende Maschinenbedienung...

öfter ungelernte Kräfte und Zeitarbeiter in den Produktionen stehen. Sie müssen sich ohne aufwendige Schulungen schnell und sicher in die Maschinenbedienung hineinfinden.“ Dieser Aspekt bekommt gerade bei Monforts einen sehr hohen Stellenwert, weil die Anlagen überwiegend in den Export gehen.

Maschinenbediendung – einfach State of the Art

Diese Entwicklung beeinflusst auch die Arbeitsweise der Automatisierungspartner. Monforts schätzt zunächst die Antriebstechnik- und Motion-Control-Kompetenz von Lenze sowie die gute Zusammenarbeit im Engineering. Der Auftrag, die neue Generation der Spannrahmen Montex mit einer komplett neu gedachten Bedienerführung auszurüsten, ging über die klassische Antriebs- und Steuerungstechnik hinaus. „Früher war es üblich, eine möglichst große Vielzahl an Informationen auf dem Display darzustellen; unabhängig davon, wie relevant diese für den Bediener waren“, führt Klaus A. Heinrichs an und erinnert sich an „kleine selbst beschriftete Aufkleber“, die sich die Werker neben die Knöpfe geklebt haben, um zu wissen, welche Funktionen dahinterstecken.

Komplett neu gedachte Bedienerführung: Lenze hat Monforts in diesem Projekt über alle Phasen des Engineeringprozesses begleitet. „Bezogen auf die Weiterentwicklung unserer Visualisierung haben wir Lenze von Beginn an zur Seite gehabt. In Workshops haben wir gemeinsam an ersten Ideen gearbeitet und auf diese Weise unsere zukunftsweisende Visualisierung zum Erfolg gebracht“, erzählt Heinrichs. So hat das Lenze-Team erste Umsetzungsszenarien skizziert, damit aus der Idee ein Konzept wurde, welches in gemeinsamen Projekten realisiert
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Schlank im Design, Groß in Sachen Benutzerfreundlichkeit: Das Visualisierungssystem von Monforts.

Schlank im Design, Groß in Sachen Benutzerfreundlichkeit: Das Visualisierungssystem...

wurde. Letztlich war es die kontinuierliche enge partnerschaftliche Zusammenarbeit, die zur Umsetzung dieser Visualisierungslösung beitrug.

Maschinenbauprojekte, wie die neue Generation der Spannrahmen bei Monforts, zeigen die Lösungskompetenz von Lenze: von der Aktorik über die Automatisierungssoftware bis hin zur Mensch-Maschine-Schnittstelle. Die Hardware in Gestalt multitouchfähiger Displays mit Diagonalen bis immerhin 24 Zoll ist vorhanden – zusätzlich wurde eine HTML5 basierte Visualisierung für Web-Browser entwickelt. Ob Smart-Phone oder Tablet: Der Betrieb ist auch an mobilen Endgeräten möglich und erlaubt es z. B. dem Servicepersonal, sich Störmeldungen und Diagnosemöglichkeiten ortsunabhängig anzeigen zu lassen.

Schnell den Überblick gewinnen

Wo liegen die Vorteile der guten Usability im Detail? Gegliedert ist die Visualisierung bei Monforts entlang des linearen Durchlaufs der Ware durch die Anlage. Hierbei stellt das Hauptbild eine verkleinerte, horizontal verschiebbare Ansicht des Gesamtsystems dar. In die einzelnen Komponenten lässt sich dann am Lenze-Multitouchdisplay hineinzoomen und so ein Bildwechsel ausführen. Das Bildschirmraster sowie die Größe der Buttons und Anzeigeelemente sind hierbei für die Benutzung mit der Hand oder dem Finger optimiert. Das Bildschirmlayout ist in klar gegliederte Funktions- und Anzeigebereiche aufgeteilt. Dies ermöglicht dem Nutzer eine schnelle Übersicht, eine gute Orientierung und einfache Einarbeitung in das System. Als Hauptnavigation dient die horizontal verschiebbare Linse, mit der Nutzer in die Detailansicht der einzelnen Komponenten gelangen. Parallel dazu gibt
es ein Farbleitsystem, das über die Farben Grün, Gelb und Rot Anlagenzustände schnell und eindeutig kennzeichnet.

Monforts hat sich frühzeitig entschlossen, das Thema mit Blick auf die Zukunft ganzheitlich anzugehen. Zunächst war es das Ziel, die alte Visualisierung moderner zu gestalten und in Teilbereichen entsprechend zu überarbeiten. Für Klaus A. Heinrichs steckt hinter dieser Entscheidung die klare Strategie, die Visualisierung als Teil der Gesamtproduktivität einer Anlage zu betrachten. „Wenn sich unsere Spannrahmen gerade bei häufig wechselnden Maschinenführern leichter bedienen lassen, spart der Textilbetrieb bei Rüstarbeiten und beim Einfahren von neuen Produkten. Mit einem schnellen Rüsten der Anlage habe ich höchste Produktivität von Anfang an. Das rechnet sich für unsere Kunden.“ Allein nur fünf Minuten schneller zu sein, bedeutet bei einer Bahngeschwindigkeit von 50 m in der Minute eine Ersparnis von 250 m Stoff. „Und das trägt direkt zum Betriebsergebnis bei, weil ich mich nicht erst durch endlose unübersichtliche Menüs klicken muss“, meint Heinrichs. Hinzu komme, dass die neue Visualisierung jetzt auch den Weg frei macht für den schnellen Teleservice über das Internet. Hier sieht sich Monforts wiederum in der Rolle des Systempartners für Kunden aus der Textilbranche, die über den ganzen Globus verteilt sind.

Wie das Erscheinungsbild letztlich vor Ort im Detail aussieht, das wird in Zukunft auch von den Gepflogenheiten jedes einzelnen Mitarbeiters in einer Produktionsschicht abhängen. Die neue Visualisierung von Monforts bietet nämlich so viele Freiheitsgrade, dass sich die Bedienführung durch sogenannte Widgets individuell einstellen lässt. „Die Bildschirmaufteilung wird dann personenbezogen gespeichert, weil Schichtleiter sicher ein anderes Informationsbedürfnis haben als die Bediener vor Ort“, erklärt Jan Bilke.

Während Antriebs- und Steuerungstechnik die Aufgabe hat, Know-how und Ideen von Maschinenbauern in Bewegung zu bringen, macht eine moderne Visualisierung obendrein Spaß bei der Bedienung. Bei Monforts wird deshalb auch zu Recht der Begriff des „joy of use“ gepflegt. Vor dem
Hintergrund, dass Textilmaschinen meist von Inhabern gekauft werden, sorgt nach Erfahrung von Klaus A. Heinrichs eine gute Visualisierung für echte Begeisterung. An ihr lässt sich ablesen, wie innovativ die Maschine ist.

Monforts in Mönchengladbach und Lenze in Groß Berkel sind überzeugt: Die selbsterklärende Visualisierung mit einer gelebten Smartphone-Gestik wird Standard im Industrieumfeld werden. Die beiden Unternehmen verbindet eine partnerschaftliche Zusammenarbeit. Weitere Projekte im Kontext von Industrie 4.0 sind in der Vorbereitung. „Mehr wird an dieser Stelle aber noch nicht verraten“, schließt Klaus A. Heinrichs diesem Ausblick an.

Aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken – im Maschinenbau ein Exot: die einfache Kommunikation per Touchscreen.
Stichwort „joy of use“: Einfach und intuitiv zu erlernende Maschinenbedienung schafft Wettbewerbsvorteile und sorgt beim Anwender für Begeisterung.
Schlank im Design, Groß in Sachen Benutzerfreundlichkeit: Das Visualisierungssystem von Monforts.


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