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Umfassende Anlagenmodernisierung

: Lenze


Abdeckungen für Laderäume sind die Spezialität der Firma Hornschuch in Stolzenau. Seit 1964 produziert das Unternehmen hochwertige Folien und synthetisch beschichtetes Gewebe für den Automobilbau. Bei den flexiblen, aufrollbaren Abdeckungen für den automobilen Kofferraum sind die Niedersachsen Weltmarktführer. Damit das auch in Zukunft so bleibt, investiert Hornschuch kontinuierlich in die Modernisierung seiner Produktionsanlagen, und da vor allem in die Antriebstechnik. Gemeinsam mit Lenze wurden zwei große Beschichtungsanlagen überarbeitet. Eine dritte Anlage soll im nächsten Jahr erneuert werden.

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Mit einer Röntgeneinheit wird in der Anlage die Schichtdicke ständig überwacht.

Mit einer Röntgeneinheit wird in der Anlage die Schichtdicke ständig überwacht.

Die einen nennen es Modernisierung, andere sprechen von Retrofit, Dritte wiederum von vorbeugender Instandhaltung. Im Grund wollen alle das Gleiche: Dass ihre Anlage auch weiterhin verlässlich und mit gleichbleibender Qualität produziert. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt dafür, Geld in die Hand zu nehmen, um der liebgewordenen Maschine oder Fertigungsstraße eine Frischzellenkur zu verabreichen?

Bei Hornschuch vor allem dann, wenn Stillstandszeiten zunehmen. „Diese lassen sich mit unserem Instandhaltungsprogramm eindeutig dokumentieren“, sagt Instandsetzungsleiter Peter Posnanski „Die Auswertung nutzen wir dann als Grundlage für die sich anschließenden Investitionsgespräche mit den Maschinenverantwortlichen und der Geschäftsführung.“ Ein weiterer Auslöser, sich über Ersatzbeschaffungen Gedanken zu machen, ist eine unsichere Verfügbarkeit von Austauschteilen. Diese resultiert vor allem aus herstellerseitig abgekündigten Komponenten wegen neuer Gerätetypen. Die Folge ist eine aufwendige Beschaffung in der Regel teurer Ersatzlösungen mit entsprechend langen Lieferzeiten.

Gutes Gefühl im Service

Diese beiden Aspekte führten bei Hornschuch zu der Entscheidung, zwei Produktionsanlagen aus den 1980er Jahren mit moderner Antriebstechnik auszurüsten, konkret in Gestalt von Servoreglern der Lenze-Reihe 9400. Ein weiteres Modernisierungsziel bestand darin, Gleichstromantriebe durch sparsame AC-Servomotoren zu ersetzen. Den Auftrag für die Arbeiten hat Hornschuch direkt an die eigenständige Service-Gesellschaft
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Sprechen über die nächsten Modernisierungsprojekte: Hornschuch-Instandsetzungsleiter Peter Posnanski (links) und Ralf Güthoff von Lenze.

Sprechen über die nächsten Modernisierungsprojekte: Hornschuch-Instandsetzungsleiter...

von Lenze gegeben, weil die Stolzenauer bereits sehr gute Erfahrungen mit den Produkten und der Betreuung des Spezialisten für Antriebs- und Automatisierungstechnik gemacht hatten.

Skalierbare Servicemodule

Das Beispiel Hornschuch zeigt, dass Anlagenmodernisierungen nicht automatisch ein komplettes Neuengineering von Motoren, Antriebsregelung oder Steuerungstechnik zum Inhalt haben müssen. Lenze hat deshalb ein abgestuftes Servicemodell aufgebaut, das aus skalierten Leistungsmodulen besteht. Auch bei Hornschuch hat das Ganze mit der einfachsten Stufe begonnen, der Bestandsaufnahme im Rahmen einer Inspektion. Ziel der Arbeit ist, die Maschinenverfügbarkeit und die Lieferfähigkeit eventueller Auslaufartikel transparent machen. Danach folgt die Maschinenanalyse. Sie setzt auf der Bestandsaufnahme auf und geht weiter ins Detail, um z. B. Energieeinsparpotenziale zu erkennen, Schwachstellen oder Risiken aufzudecken und wertvolle Leistungsreserven zu erschließen. Dabei untersucht Lenze elektronische und elektromechanische Antriebs- und Steuerungselemente unter besonderer Berücksichtigung funktionskritischer Schlüsselkomponenten. Das Ergebnis bildet schließlich die Grundlage für in die Zukunft weisende Maßnahmen. Bei Hornschuch hat besonders die in Aussicht gestellte Energieeffizienz den Ausschlag gegeben, die DC-Motoren auszutauschen.

1:1-Austausch verlängert das Leben

Eine Modernisierung muss nicht automatisch wie bei Hornschuch den Einbau neuer Technik zur Folge haben. Ein mögliches Resultat der anfänglichen Analyse kann auch der 1:1-Austausch von
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In einem durchlaufenden Rollenprozess entstehen unter anderem Laderaumabdeckungen für Autos.

In einem durchlaufenden Rollenprozess entstehen unter anderem Laderaumabdeckungen...

Komponenten sein, die aufgrund langer Betriebszeiten bald das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. Diese Maßnahme – der Ersatz Alt gegen baugleich Neu – hat das Ziel, den Lebenszyklus einer Maschine zu verlängern, ohne dabei in das Engineering einsteigen oder Schnittstellen anpassen zu müssen. Weil Lagerressourcen für Ersatzteile in der Regel begrenzt sind, übernimmt Lenze immer häufiger die auf einen Betrieb abgestimmte Bevorratung sofort abrufbarer, einbaufertiger Technik.

Sind z. B. alte Antriebsregler durch eine aktuelle, und damit modernere wie leistungsstärkere, Gerätegeneration zu ersetzen, erweitert Lenze die Servicedienstleistungen modular mit Integrations- und Engineering-Unterstützung. Bei Hornschuch beinhalten diese u. a. Schnittstellenprogrammierungen, konstruktive Anpassungen im Schaltschrank und Feineinstellungen der eingesetzten Software.

Die höchste Servicestufe bei Lenze umfasst die komplette Modernisierung der Steuerungs- und Antriebstechnik, teilweise auch einschließlich der Motoren und Getriebe. Für das Engineering ist dann generell nötig, dass Funktionen und Besonderheiten einer Anlage im Service-Team umfassend bekannt sind. Langjährige Partnerschaften und Geschäftsbeziehungen sind in der fünften Phase des Maschinenbaus „Betrieb sichern“ nur von Vorteil. Bei Projekten dieser Art – das zeigt auch der Blick in die Produktion von Hornschuch – bleiben Konstruktion, Mechanik und mechanische Schnittstellen so weit wie möglich erhalten.

Stabile Produktqualität

Argumente für derart umfassende Modernisierungen können sowohl aus dem Controlling kommen als auch aus der Produktion. So kann
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Hornschuch investiert am Standort Stolzenau kontinuierlich in die Modernisierung der Produktionsanlagen.

Hornschuch investiert am Standort Stolzenau kontinuierlich in die Modernisierung...

etwa ein noch so aufwendiges Retrofit preiswerter sein als die Investition in eine neue Maschine. Wenn eine Anlage speziell auf die Belange eines Kunden abgestimmt ist und bis dato gut läuft, entscheidet sich auch die Produktion eher für eine Modernisierung, statt das Risiko einzugehen, mit einer neuen Maschine Produkte möglicherweise nicht in der gewohnten Qualität herstellen zu können. Auch bei Hornschuch sind es die eingespielten Prozesse, die in Verbindung mit ausgefeilten Beschichtungsrezepturen die Qualität der beschichteten Gewebe ausmachen und so die Vormachtstellung im Weltmarkt sichern.

Damit sich die eigenen Produktions- und Instandhaltungsmitarbeiter auch nach der Modernisierung weiterhin bestens mit ihren Anlagen auskennen, hat Lenze ein auf die Belange von Hornschuch abgestimmtes Trainingsprogramm aufgesetzt.

Peter Posnanski schätzt die insgesamt „sehr unkomplizierten Serviceeinsätze und Beratungen am Telefon“ und freut sich, dass der Lenze-Service die Modernisierungsarbeiten mit einer Einführung in die Engineering-Systeme verbunden hat. Zudem sind die Antriebsreglerfunktionen so einfach wie nur möglich programmiert, „damit wir später jederzeit selber klarkommen“. Für Posnanski sind es Punkte wie diese, die den Erfolg einer Partnerschaft ausmachen. Für ihn steht deshalb auch fest, dass Lenze langfristig im Rahmen von Modernisierungen bei Hornschuch zum Standard wird. „Wenn wir durchgängig mit einem System arbeiten, können sich unsere Mitarbeiter genau darauf konzentrieren und müssen nicht x Antriebe von x Herstellern beherrschen.“

Oft effektiver als Neukauf

Der Blick in die Produktion
von Hornschuch macht deutlich, dass gerade bei langen Produktionsstraßen mit kontinuierlich laufenden Fertigungsprozessen, wie hier das endlose Beschichten von Rollenmaterial, schrittweise Modernisierungen effektiver und preiswerter sind als der Neukauf. Darüber hinaus sichern sich Unternehmen, die so vorgehen, ihre etablierten und von der Belegschaft gelebten Abläufe. Dies ist nicht zuletzt ein Garant für gleich bleibende Produktqualität. Weil keine Modernisierung wie die andere ist, sorgen modulare Servicepakete dafür, dass Modernisierungen passgenau möglich sind.

Mit einer Röntgeneinheit wird in der Anlage die Schichtdicke ständig überwacht.
Sprechen über die nächsten Modernisierungsprojekte: Hornschuch-Instandsetzungsleiter Peter Posnanski (links) und Ralf Güthoff von Lenze.
In einem durchlaufenden Rollenprozess entstehen unter anderem Laderaumabdeckungen für Autos.
Hornschuch investiert am Standort Stolzenau kontinuierlich in die Modernisierung der Produktionsanlagen.
Immer noch verlässlich in Betrieb: Antriebsregler von Lenze aus den 80er-Jahren.


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