Fachverlag x-technik
search
 

Schließen

PDF


Roboter trotzt rauesten Bedingungen

: Stäubli


Um einerseits konkurrenzfähige Produktionskosten auch in traditionellen Hochlohnländern wie hier in Österreich zu ermöglichen sowie andererseits seinen Kunden höchste und konstante Verarbeitungsgüte zu gewährleisten, setzt der Präzisionsteile-Hersteller Redtenbacher auf einen außerordentlich hohen Automatisierungsgrad. Die dafür notwendigen Maschinen und Anlagen werden größtenteils hausintern selbst entwickelt und gebaut. Für die spanabhebende Fertigung einer kundenspezifischen Brillen-Scharnierlösung wurde beispielsweise eine Rundtaktmaschine realisiert, in der ein Stäubli-Roboter auch bei rauester Produktionsumgebung mit höchster Präzision und Prozesssicherheit überzeugt. Von Ing. Norbert Novotny, x-technik

/xtredimg/2019/Automation/Ausgabe270/18328/web/IMG_1496.jpg
Die Unmengen an Kühlschmieröl können dem komplett gekapselten TX40 nichts anhaben. (Bilder: x-technik)

Die Unmengen an Kühlschmieröl können dem komplett gekapselten TX40 nichts...

Redtenbacher steht für „Alles rund um die Brille“. Im Headquarter in Scharnstein (OÖ) und in weiteren Produktionsstätten in Slowenien und Tschechien fertigt das international agierende Unternehmen mit rund 150 Mitarbeitern Präzisionsteile hauptsächlich für die Brillenindustrie – von Scharnierlösungen und Bügel bis hin zu Markenemblemen. „Mit konstanter Präzision und einer kaum noch messbaren Abweichung erst ab der dritten Stelle nach dem Komma haben wir uns weltweit eine Spitzenposition gesichert“, erläutert Daniel Almhofer, Leiter der Arbeitstechnik und Konstruktion bei Redtenbacher. Das habe sich auch in anderen Branchen herumgesprochen. Denn in den letzten Jahren greifen immer mehr Unternehmen aus der Automobil- und Uhrenindustrie sowie der Medizintechnik auf Präzisionsteile von Redtenbacher zurück.

Mitverantwortlich für den Erfolg der Oberösterreicher ist die überaus hohe Fertigungstiefe. Neben der spanabhebenden Fertigung wie dem Fräsen, Bohren, Reiben, Gewinden etc. und der spanlosen Fertigung mit hydraulischen Pressen und Spritzgussmaschinen verfügt Redtenbacher über höchste Kompetenz in der Oberflächentechnik – vom Entgraten über die Prozesse Trowalisieren und elektrochemisches Polieren bis zum Galvanisieren. „Mit unserem modernen Maschinenpark und einem beschleunigten Warenwirtschaftsverkehr durch ein implementiertes SAP-System können wir höchste Zeit- und Kosteneffizienz, eine wettbewerbsfähige Preisstruktur sowie qualitative Konstanz sicherstellen“, so Almhofer weiter.

Enormes Know-how im Maschinenbau

Die für die Teilefertigung notwendigen Maschinen und Anlagen sowie deren Automatisierung
/xtredimg/2019/Automation/Ausgabe270/18328/web/IMG_1481.jpg
Für eine kundenspezifische Brillenscharnierlösung wurde eine der Rundtaktmaschinen mit einem Stäubli-Roboter ausgestattet.

Für eine kundenspezifische Brillenscharnierlösung wurde eine der Rundtaktmaschinen...

werden größtenteils hausintern entwickelt und gebaut – von der Rundtaktanlage bis zum Montageautomaten. „Neben einer produktspezifischen Entwicklungsabteilung verfügen wir auch über ein hochkompetentes Team in der Arbeitstechnik bzw. Konstruktion, das sich in den letzten 15 Jahren aufgrund unserer eigenen Produktionserfahrung enormes Know-how im Maschinen- und Anlagenbau angeeignet hat“, ist Almhofer stolz.

Im Zuge einer Neuausstattung der gesamten spanabhebenden Fertigung im Jahr 2014 entstand die aktuell eingesetzte Maschinengeneration RB16. Die Rundtaktmaschinen können dabei mit bis zu 16 Bearbeitungsstationen sowie mit maximal 32 CNC-Achsen bestückt werden. „Aufgrund ihrer hohen Flexibilität können diese Maschinen sehr einfach auf verschiedenste Produkte umgerüstet werden. Darüber hinaus gibt es individuelle Teileaufträge, für die eigene Maschinen entwickelt und gebaut werden“, verdeutlicht Almhofer, der auch bei der Entwicklung der RB16-Generation federführend beteiligt war.

Um die Fertigungskosten zu minimieren und somit gegen den Mitbewerb aus den Billiglohnländern bestehen zu können, ist für die Scharnsteiner ein hoher Automatisierungsgrad zwingend notwendig. „Kombiniert mit einer wesentlich höheren und vor allem konstanten Qualität sind wir mehr als konkurrenzfähig“, betont Almhofer.

Stäubli mit den besten Argumenten

So wurde beispielsweise für eine kundenspezifische Brillenscharnierlösung eine der Rundtaktmaschinen mit einem Roboter ausgestattet, der für Teilebestückung
/xtredimg/2019/Automation/Ausgabe270/18328/web/Redtenbacher---Sigma_4K_CC-1.jpg
Redtenbacher steht für „Alles rund um die Brille“: z. B. Scharnierlösungen Compact 5.0 (links) oder Sigma A 3.2 Compact (rechts). (Bilder: Redtenbacher)

Redtenbacher steht für „Alles rund um die Brille“: z. B. Scharnierlösungen...

in der Anlage verantwortlich ist. Grundvoraussetzung dafür war, einen Roboter zu finden, der für die rauen Arbeitsbedingungen in der Präzisionsteilefertigung gerüstet ist. „In unseren Bearbeitungsmaschinen arbeiten wir mit Unmengen an Kühlschmieröl, das für Komponenten des Roboters wie Dichtungen, Drehgeber, Motoren etc. zu einem Riesenproblem werden können. In diesem Punkt haben im Anbietervergleich für uns die Roboter von Stäubli den allerbesten Eindruck hinterlassen“, erinnert sich der Konstruktionsleiter.

Roboter von Stäubli werden so entwickelt, dass sie auch unter widrigen Einsatzbedingungen beständig arbeiten und die spezifischen Anforderungen erfüllen. „Alle Kabel und Leitungen sind innerhalb des kompakten, komplett gekapselten Roboterarms verlegt. Für einen optimalen Schutz befinden sich zudem alle Anschlüsse unter dem Roboterfuß“, bemerkt Alexander Müller, Branch Manager Austria bei Stäubli. Darüber hinaus fertige Stäubli seine eigenen Getriebe, die speziell konzipiert sind, den Wartungsaufwand zu reduzieren und die Lebensdauer des Roboters zu steigern.

Schnell und hochpräzise

Aufgrund der engen Platzverhältnisse in der Rundtaktmaschine wählte man den 6-Achs-Roboterarm TX40 mit einer Reichweite von 515 mm. „Die kompakte Größe reduziert den Platzbedarf auf ein Minimum. Dank der Möglichkeit der Deckenmontage konnte der Roboter einfach in die Fertigungszelle integriert werden. Sein kugelförmiger Arbeitsbereich ermöglicht außerdem eine optimale Nutzung des Arbeitsraumes“, betont
/xtredimg/2019/Automation/Ausgabe270/18328/web/Redtenbacher---Sigma_4K_CC-6.jpg
Almhofer.

Konkret ist der Sechsachser bei dieser Maschine für den Einlegeprozess der zu fertigenden Teile in die erste der 16 Bearbeitungsstationen (Fräsen, Bohren) zuständig. „Die dafür geforderte Taktzeit von 4,2 Sekunden und eine Positioniergenauigkeit von 0,03 mm konnte Stäubli von Anfang an gewährleisten“, ist er voll des Lobes. Anschließend wird der Teil im Rundtakt auf den einzelnen spanabhebenden Bearbeitungseinheiten fertiggestellt.

Den mechanischen und elektrotechnischen Einbau des TX40 übernahmen zwei hausinterne Montageteams von Redtenbacher. „Dabei war die hohe Transparenz der Robotersteuerung mit all ihren Schnittstellen überaus hilfreich. Zudem war der Support seitens Stäubli bei der Einbindung des Roboters in die Maschinensteuerung, der Programmierung und der Inbetriebnahme vorbildlich“, zeigt sich der Projektverantwortliche zufrieden.

Sicher und flexibel

Auch die ausgereifte Sicherheitstechnik der Stäubli-Roboter im Vergleich zu anderen beispielsweise pneumatischen Einlegesystemen möchte Almhofer nicht unerwähnt lassen: „Das Verletzungsrisiko für den Bediener liegt aufgrund des sicheren Roboters bei Null.“ Den größten Nutzen sieht er jedoch in der hohen Flexibilität des Roboters. „Die Maschine kann relativ rasch auf ein anderes Produkt umgerüstet werden. Aufgrund der vielfältigen Montagemöglichkeiten und der sechs Achsen kann der Roboter in jeder Lage Teile einlegen. Er könnte Teile bei Bedarf auch in jede Richtung drehen, umspannen oder auch aus der Anlage befördern.“


Selbstverständlich müsse man bei jeder Anwendung abwägen, ob ein Robotereinsatz in puncto Wirtschaftlichkeit auch Sinn macht. „Ziel ist allerdings schon, in Zukunft über einen Pool an Robotern zu verfügen, um für geeignete Aufträge Maschinen flexibel damit aufzurüsten und somit das Optimum für unseren Kunden herauszuholen. Aufgrund der hohen Leistungsfähigkeit der Robotersysteme und des hervorragenden Service wird Stäubli auch künftig unser erster Ansprechpartner sein“, sieht Almhofer großes Potenzial im Robotereinsatz.

Die Unmengen an Kühlschmieröl können dem komplett gekapselten TX40 nichts anhaben. (Bilder: x-technik)
Für eine kundenspezifische Brillenscharnierlösung wurde eine der Rundtaktmaschinen mit einem Stäubli-Roboter ausgestattet.
Redtenbacher steht für „Alles rund um die Brille“: z. B. Scharnierlösungen Compact 5.0 (links) oder Sigma A 3.2 Compact (rechts). (Bilder: Redtenbacher)
Der pneumatische Dreifinger-Greifer von Schunk ist höchst zuverlässig.
Mittels eines Rundvibrators kommen die Kleinteile vereinzelt in die Anlage und werden vom Roboter in die erste Station eingelegt.
Anschließend werden die Teile nacheinander in den einzelnen Bearbeitungsstationen fertigbearbeitet.
Saubere Lösung: Auch die Robotersteuerung des TX40 wurde im Schaltschrank integriert.
Mit der Roboterperformance vollends zufrieden: Andreas Atzetmüller (links) und Daniel Almhofer (beide Redtenbacher).
Mehr als 75 größtenteils CNC-gesteuerte Produktionsautomaten gewährleisten hohen Output bei gleichbleibender Qualität. (Bild: Redtenbacher)



Zum Firmenprofil >>


Bericht in folgender Kategorie:
Industrieroboter

Special Automation aus der Cloud

cloud.JPG Immer mehr Teile der industriellen Automatisierung sollen in die Cloud verlegt werden. Nicht nur die in rapide steigenden Mengen generierten Daten, sondern neben Auswerte-, Überwachungs- und Kontrollmechanismen auch Steuerungs-, Regelungs- und sogar Safety-Algorithmen. Wozu eigentlich? Was lässt sich vernünftig in die Cloud verlegen? Was sollte man dabei beachten? Und was ist das überhaupt, die Cloud?
mehr lesen >>

Im Gespräch

/xtredimg/2019/Automation/Ausgabe270/17877/web/IMG_2058.jpg„SEW-Spirit“ für die Kunden
Für das vierköpfige Management-Team des Wiener Drive Technology Centers von SEW-Eurodrive ist 2019 ein ganz besonderes Jahr: Die rot-weiß-rote Niederlassung des Bruchsaler Antriebstechnikspezialisten feiert heuer ihr 50-jähriges Bestehen. Im Gespräch mit x-technik AUTOMATION verrieten Geschäftsführer DI (FH) Oliver Beschkowitz, Produktionsleiter Ing. Leopold Praschl, Finanzleiter Herbert Gosch sowie Vertriebsleiter Ing. Thomas Wiederer, was das Besondere an SEW ist und warum sie bei ihren Mitarbeitern so weit wie möglich auf einen gezielten Mix aus Jung und Alt setzen. Das Gespräch führte Sandra Winter, x-technik
Interview lesen >>

Newsletter abonnieren