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Maschinenbau per virtuellem Zwilling

: Lenze


Virtuelle Realität (VR) im Maschinen- und Anlagenbau: Aktuell geben hochauflösende VR-Brillen vor allem den täglich neu auf den Markt kommenden Computerspielen den besonderen Kick. Lenze nutzt diese Technik hingegen vermehrt als effektives Werkzeug im Engineering und Training. Dip.-Ing. Jörg Fuhrmann, Geschäftsführer der Lenze Austria Holding GmbH und Lenze Antriebstechnik GmbH Österreich, hat dazu im Gespräch mit x-technik erörtert, wie Software und digitale Dienstleistungen OEMs dabei unterstützen, flexible Maschinen zu bauen und zu betreiben. Das Gespräch führte Luzia Haunschmidt / x-technik

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Herr Fuhrmann, dass Lenze als ausgewiesener Antriebsspezialist sich über die Jahre zum Motion Centric Automation-Routinier entwickelt hat, ist mittlerweile weithin bekannt. Doch nun überrascht Lenze mit einem völlig neuen Produkt für die Visualisierung der virtuellen Realität im Maschinen- und Anlagenbau – nämlich einer VR-Brille. Was dürfen sich künftige Anwender darunter vorstellen?

Der digitale Zwilling hilft komplexe Automatisierungszusammenhänge leichter zu beherrschen. In der VR haben z. B. Entwickler die Chance, durch den digitalen Zwilling zu erleben, wie sich veränderte Einstellungen in der VR-Welt ganz real auswirken. Komplexere Maschinenabläufe, Technologie- oder Softwarefunktionen können in der VR einfacher dargestellt und direkt erlebt werden.

Lenze will die VR-Technologie und digitale Zwillinge für seine Kunden nutzbar machen, jedoch ohne eigene Produkte wie VR-Brillen zu entwickeln bzw. herzustellen – dazu nutzen wir handelsübliche Hardware.

Was unterscheidet die VR-Brille von Simulationsverfahren und 3D-Modellen via Bildschirm?

Betrachtet man die Konstruktions- und Engineering-Phase von Maschinen, so sind die Kombinationsmöglichkeiten von Motoren mit unterschiedlichen Getrieben vergleichsweise noch einfach in Geometrie und Abmaßen vorstellbar. Software-Anwendungen,
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Lenze nutzt virtuelle Realität vermehrt als effektives Werkzeug im Engineering und Training.

Lenze nutzt virtuelle Realität vermehrt als effektives Werkzeug im Engineering...

wie wir sie beispielsweise im Bereich Robotik kennen, bringen jedoch eine abstrakte Komplexität mit sich. Zwar erzeugen Simulationsverfahren und 3D-Modelle am Bildschirm erste tiefergehende Erkenntnisse für deren Zusammenhänge, dabei fehlt aber immer noch der wichtigste Schritt – nämlich das Erleben.

Die Virtuelle Realität per VR-Brille "real" zu erleben, schließt genau diese Lücke. Mit ihr gelingt es uns, die komplexen Zusammenhänge auch für Nicht-Experten leichter verständlich und vor allem auch beherrschbar zu machen.

Für welche Applikationseinsätze ist die VR-Brille vorteilhaft?

Wir nutzen VR bereits aktiv um Maschinen zu simulieren – und um über diesen Weg SPS-Applikationen in Betrieb nehmen und verifizieren zu können. Von einfachen Motion Applikationen für einzelne Achsen – z. B. einem Förderband, bis hin zu komplexen Mehrachsen Applikationen wie beispielsweise einer Roboterzelle, einem Regalbediengerät oder einer Textil/Druckmaschine.

Wir bedienen uns dieser Technologie aber auch zur Entwicklung unserer eigenen FAST Software-Module. Über VR können unsere Entwicklungsingenieure das Verhalten ihrer Software oder die Änderung in einem Software Modul schneller erkennen,
da so ein direkter Bezug zu einer Maschine besteht.

Apropos Software – für realitätsnahe, virtuelle Planungen automatisierter Vorgänge bedarf es doch auch einer der VR-Brille hinterlegten Simulations-Software – bietet Lenze dahingehend ein entsprechendes Programm?

Wir nutzen für die VR verschiedene Technologien und damit Simulationssoftware. Welche Software wir verwenden, hängt vom jeweiligen Anwendungsfall ab. Als Technologieanbieter verwenden wir allerdings wenn möglich, unsere eigene Simulationssoftware um Vorteile der virtuellen Realität für unsere Kunden nutzbar zu machen.

Wie aufwändig darf man sich als Programmierer eine derartigen Simulationsvorgang vorstellen?

Der Aufwand für die Entwicklung bestimmter Technologie-Basis-Modelle, z. B. einer Roboter-Zelle oder einer Textil-Druckmaschine, ist überschaubar. Der Vorteil der VR ist die einfache und kostengünstige Vervielfältigung bzw. Mehrfachnutzung von Softwaresimulationen. Einmal erstellte digitale Zwillinge können wir z. B. unseren Applikationsingenieuren
weltweit sofort kostenfrei zur Verfügung stellen.

Wäre der Einsatz der VR-Brille evtl. auch für Schulungs- bzw. Trainingszwecke in automatisierenden Umgebungen vorstellbar?

Die Anwendung von VR in Schulungen ist einer unserer Fokusbereiche – sowohl für die Ausbildung unserer Applikationsingenieure als auch für unsere Kundentrainings. Dazu zählen auch Kundenbesuche bei denen wir z. B. unsere FAST-Applikation-Softwareprodukte mit Hilfe der VR demonstrieren und erklären.

Bietet Lenze auch Simulations-Schulungen an?

Ja, aktuell haben wir die ersten Robotik-Workshops mit VR-Unterstützung ins Trainingsprogramm aufgenommen. Der Kunde oder ein Mitarbeiter entwickeln während des Workshops eine Basis-Technologie-Applikation und sie nutzen die VR um die Applikation in Betriebe zu nehmen und zu erleben.

Werden Sie auf der kommenden Messe SMART Automation in Linz Anwendungen mit der VR-Brille bieten?

Das ist eines der Highlights unseres Messeauftrittes auf der SMART Automation. Besucher unseres Messestandes bekommen die Gelegenheit, mit der VR-Brille in einer Fördertechnikanwendung mit Unterstützung eines Roboters virtuell zu agieren.

Herr Fuhrmann, herzlichen Dank für das informative Gespräch!

Lenze auf der Messe SMART Automation:

Design Center, Stand F005

Lenze nutzt virtuelle Realität vermehrt als effektives Werkzeug im Engineering und Training.


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Ind Hardware, Ind Software, Smart Automation, Industrie 4.0

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