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Im Dialog: Digitale Revolution

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Wie gut sind wir auf die digitale Revolution eigentlich vorbereitet? Abseits des privaten Umfelds und nebst ersten betrieblichen Umsetzungsanstrengungen hinsichtlich der Vernetzung von Produktionsfloors, Prozessen und Office-Ebenen, stellt sich dazu auch die Frage, wie gut die automatisierenden Angebote den derzeitigen und künftigen Anforderungen der IoT-Evolution entsprechen und welchen Change diese zu bewältigen haben. Ing. Helmut Maier, Senator des Senats der Wirtschaft Österreich, nimmt dazu im Dialog mit Hans Harrer, Vorstandsvorsitzender des Senats der Wirtschaft Österreich, die Herausforderungen unter die Lupe und erörtert, wo mittelständische Unternehmen bei der digitalen Transformation Hilfe erhalten.

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Hans Harrer, Vorstandsvorsitzender des Senats der Wirtschaft Österreich.

Hans Harrer, Vorstandsvorsitzender des Senats der Wirtschaft Österreich.

Helmut Maier: Der Senat der Wirtschaft ist als parteiunabhängige Unternehmensorganisation eine treibende Kraft zur Gestaltung einer ökosozialen und zukunftsfähigen Wirtschaft und Gesellschaft und bietet konkretes und praxisorientiertes Know-how für Unternehmer und politische Entscheidungsträger. Mit den Themen Wirtschaft, Ökologie, Bildung und Gesundheit steht der Senat für die Zukunft der Österreicher und ist somit ein Bindeglied zwischen den Unternehmen, deren Mitarbeiter und der Politik in Österreich. Weiters verfügt der Senat über ein ausgeprägtes, international agierendes Wirtschafts-Netzwerk und sorgt für Wissenstransfer zu politischen Entscheidungsträgern. Lieber Hans, was trägt der Senat der Wirtschaft zum Thema Digitalisierung im industriellen Umfeld bei und welchen Herausforderungen begegnet man dabei?

Hans Harrer: Helmut, der Senat hat die Aufgabe als ökosoziale Bewegung, Politik für den Mittelstand aus der Gesellschaft heraus zu machen. Es geht uns dabei um jene Menschen, die sich bei vollem Risiko und großer Eigenverantwortung für die Wertschöpfung unserer Gesellschaft einsetzen. Ich zitiere unseren Präsidenten des Senats Erhard Busek: „Die Stärkung der Mitte ist wirtschaftlich entscheidend“. Dies motiviert uns, dass wir massiv hinter dem Mittelstand stehen. Wenn wir gestalten, bestimmen, unternehmen , dann gehen wir in eine sichere Zukunft. Die Digitalisierung ist dabei ein wesentlicher Baustein in der Wirtschaft. Die Großkonzerne haben genug Know-how und Geldmittel, um solchen Technologien zu folgen. Der Mittelstand ist oft technisch und finanziell überfordert oder sieht den Zweck nicht. Darum liegt es an uns, hier Hilfe durch die MITTELSTANDS-ALLIANZ anzubieten.

Helmut Maier: Meiner Meinung
ist dies auch extrem wichtig, da 99,7 % aller Unternehmen in Österreich dem Mittelstand zugehörig sind. Ungefähr zwei Drittel aller Umsätze und knapp 70 % der Arbeitsplätze in unserem Land werden vom Mittelstand generiert. Innovationen sind wichtig und ein treibender Faktor in unserm Land. Dies dürfen wir nicht verschlafen und müssen sicherstellen, dass die Unternehmen von den gemeinsamen Innovationen profitieren. Welchen Anteil hat hier die Regierung und wie verantwortlich zeigt sich die Regierung? Ist allen Beteiligten, von Politik, Wirtschaft, Bildung, sozialen Organisationen bewusst, dass wir beim Thema Digitalisierung, Industrie 4.0 den Fortschritt nicht verpassen dürfen? Global gesehen gibt es etliche wirtschaftliche Beispiele ehemaliger Marktführer, die heute keine Rolle mehr spielen.

Hans Harrer: Aus unserer Sicht ist hier bereits sehr viel in die Wege geleitet worden, was schon durch die Umbenennung des BM auf den Wortlaut „Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort der Republik Österreich“ zum Ausdruck kommt. Da wird aus meiner Sicht viel unternommen, um die Anliegen der Unternehmen ernst zu nehmen. Die Aufgabe des Senats ist es, relevante Themen in der Politik zu verankern und immer wieder darauf aufmerksam zu machen. Österreich steht gut da, hat aber als innovatives Land viel zu verlieren. Die Gestaltungsfreiheit der Unternehmer wird durch immer mehr Vorschriften, Regularien, Bestimmungen, Einschränkungen eingeengt und genau dies müssen wir aufzeigen und den Unternehmen so Hilfe leisten.

Helmut Maier: Die Themen an richtiger Stelle zu platzieren ist ein Faktor für unsere Unternehmer, aber meiner Ansicht nach stellt die Digitalisierung für eine Reihe an Betrieben auch eine finanzielle Last dar. Nichttechnische Unternehmen sind hier ganz besonders betroffen. Diese haben oft nicht die Mittel, um ihre eigenen Anpassungen an die globale Entwicklung zu finanzieren und sehen meist auch nicht die Notwendigkeit. Da orte ich eine große Gefahr. Technologien, wie visuelle Darstellungen mittels Virtual Reality Brille im Baugewerbe, einfachste elektronische Planungen und digitale Präsentationen in diversen Branchen ist
für viele nicht leistbar und deswegen bei Seite gelegt. Der Senat hat aber auch die Aufgabe, Hilfe zu leisten, damit gerade der Mittelstand am letzten technologischen Stand ist. 70 % der Arbeitnehmer vertrauen auf Aktivitäten, um einen sicheren Arbeitsplatz zu haben.

Hans Harrer: Gut, dass Du dies ansprichst. Auf unserer Homepage haben wir zum Thema Digitalisierung eine Toolbox mit vielen Ansprechpersonen eingerichtet, um hier Hilfe zu leisten und diverse Projekte zu begleiten oder Betriebe zu unterstützen. Hier geht es vorwiegend um Themen, wie: Was kann Digitalisierung für mein Unternehmen bedeuten? Wie und mit wem soll ich das anpacken? Wie finanziere ich die Digitalisierung? Wie gehe ich mit Mitarbeiter um, die von der Digitalisierung betroffen sind? Nebst der Vorantreibung des Ausbaus des 5G-Netzwerks, der Errichtung der Finanz-Toolbox, als optimals Hilfmittel für KMUs, oder auch dem Aufzeigen von Best Practice-Beispielen ist der Senat der Wirtschaft sehr aktiv unterwegs.

Helmut Maier: Mit einfachen Worten: Die Digitalisierung macht – abgestimmt auf die Gegebenheiten der Unternehmen – Sinn und ist notwendig, um den Mittelstand Österreichs nach vorne zu bringen. Aus einer 1994 entstandenen Studie, die übrigens derzeit noch Gültigkeit hat, werden wir 2030 nur noch zwei bis drei Tage arbeiten. Wenn die Reduktion von sieben Tage auf derzeit fünf Tage bzw. 38,5 Wochenstunden bislang nicht den Ruin gebracht hat, dann brauchen wir uns vor der Zukunft auch nicht fürchten. Wobei die Digitalisierung herausfordernde Veränderungen bringen wird.

Hans Harrer: Ja, vergiss aber nicht, dass die Digitalisierung, abgesehen von den Staatsfinanzen, die sich komplett verändern werden – Thema Arbeitnehmerabgaben, Energiewandel, etc. – auch die Ressourcen beeinflusst. „Die digitale Revolution wird uns helfen, die Ressourcen zu schonen“. Der international anerkannte Digitalisierungsexperte Karl-Heinz Land referierte Anfang 2019 in Wien zum Thema „Erde 5.0: Warum wir keinen zweiten Planeten brauchen“. Die ökologischen
Auswirkungen der Digitalisierung stellen dazu eine große Chance dar!

Helmut Maier: Er erwähnte auch ein Beispiel, dass sehr aussagekräftig und nachvollziehbar ist, nämlich dass die Digitalisierung die Dematerialisierung vorantreibt. Sein Beispiel dazu: „Wenn man begreift, dass ein PKW einen Nutzungsgrad von nur ca. 5 % hat und den Rest der Zeit irgendwo herumsteht, wird klar, dass die Shared Economy Sinn macht. Wenn nun nicht mehr jeder ein eigenes Auto kauft, sondern es kurzfristig dann mietet, wenn er es tatsächlich braucht, werden nicht mehr 100, sondern vielleicht nur mehr 10 Autos benötigt.“ Das spart Produktionsressourcen und Rohstoffe, aber man braucht auch weniger Parkplätze, die als Parkanlagen und Grünflächen der Natur und damit dem Menschen zurückgegeben werden können. Dies bräuchten wir laut letzter Klimastudie dringend, um die Erderwärmung einzudämmen.

Hans Harrer: Helmut, du siehst, wir setzen uns mit einem sehr engagierten Team für diese Themen ein und laden die Unternehmer ein, deren Input zu geben und mit uns einen digitalisierten Weg im wichtigsten Bereich der Wirtschaft zu gehen – dem Mittelstand unseres Landes Österreich.

Helmut Maier: Hans, ich danke dir für diesen Dialog und wünsche alles Gute auf dem Weg zur digitalen MITTELSTANDS ALLIANZ.

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