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Dichtheitsprüfung im Spritzgusstakt

: ABB


Es sind größtenteils die Spritzgussmaschinen, die bei der Karl Rejlek GmbH den Produktionstakt vorgeben. Das bekommen mittlerweile auch vier IRB 120-Industrieroboter von ABB zu spüren. Ihre Aufgabe ist es, die Gasdichtheit frisch produzierter Kunststoff-, Metall- oder Hybridteile inline zu checken. Theoretisch bleiben ihnen dafür 50 Sekunden, praktisch müssen sie an ihre Leistungsgrenze gehen, um mit einem extrem raschen Handling die Zeit aufzuholen, die der eigentliche Prüfvorgang kostet. Von Sandra Winter, x-technik

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Der IRB 120, der kleinste Industrieroboter von ABB, ist in jedem beliebigen Winkel montierbar und dementsprechend einfach in ein größeres Gesamtsystem zu integrieren.

Der IRB 120, der kleinste Industrieroboter von ABB, ist in jedem beliebigen...

Die Automobilindustrie gilt seit jeher als besonders anspruchsvolle Klientel. Nur wer höchste Produktqualität liefert, kann in dieser Branche reüssieren. Mit der Kombination von Werkzeugbau und Serienproduktion in einem Haus hat es die Karl Rejlek GmbH selbst in der Hand, entsprechende Standards zu setzen. Und das passiert auch – immer wieder, wie Michael Juratovac, Leiter Automatisierungstechnik des Unternehmens, bestätigt: „Die Dichtheitsprüfung durch den IRB 120 ist ein gutes Beispiel dafür. Der Ansporn dazu kam intern, von der Qualitätssicherung“, erinnert er sich.

Mittlerweile befindet sich bereits die vierte Station im Aufbau, bei der ein Vertreter der kleinsten Industrieroboter-Generation von ABB als Kontrollorgan fungiert. „Er ist in eine Spritzgussfertigungszelle integriert, übernimmt die auf ihre Dichtheit zu untersuchenden Teile von einem Linearroboter von Engel, setzt sie auf die Prüfvorrichtungen auf, steuert die externe Peripherie – ein Lecktestsystem mit Vakuumpumpe – an, wartet auf dessen Urteil und legt die Gutteile auf einem Gurtförderer ab bzw. schleust, was für nicht in Ordnung befunden wurde, aus“, beschreibt Michael Juratovac. Insgesamt bleiben dem IRB 120 50 Sekunden für den Qualitätscheck von jeweils zwei Teilen, wobei der Roboter selbst sehr rasch zu agieren hat, weil die Dichtheitsprüfung an sich so viel Zeit in Anspruch nimmt. „Er fährt mit maximaler Geschwindigkeit. Andernfalls könnte er den von der Spritzgussmaschine vorgeschriebenen Produktionstakt nicht halten“, erklärt der Leiter Automatisierungstechnik bei der Karl Rejlek GmbH.

Hochqualitative Produkte für anspruchsvolle Kunden

Der Werkzeugbau bildet bereits seit der Firmengründung im Jahr 1965 ein Kerngeschäft der nunmehrigen
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Anton Reifbäck (ABB) und Michael Juratovac (Karl Rejlek GmbH) sehen dem IRB 120 bei einem Probelauf genauestens auf die Greifer. Sie beobachten, ob auch alles richtig zugeführt und abgelegt wird.

Anton Reifbäck (ABB) und Michael Juratovac (Karl Rejlek GmbH) sehen dem IRB...

Rejlek Metal & Plastics Group, die Kunststoffverarbeitung folgte „erst“ fünf Jahre später. Heute gilt die Unternehmensgruppe als Spezialist für hochkomplexe Mehrkomponentenspritzguss- und Hybridteile. „Generell zählen auch die Konsumgüterindustrie, die Industrieelektronik, die Medizintechnik und der Maschinen- und Anlagenbau zu unseren Hauptauftragsgebern, aber am Standort Wien haben wir uns vor allem auf die Automobilindustrie fokussiert. Die Klassiker hier bei uns sind unterschiedlichste Baugruppen für die KFZ-Elektrik bzw. Elektronik“, verrät Michael Juratovac.

Bei der IRB 120-Prüfstation geht es aktuell um einen am Heck eines Fahrzeugs zu montierenden Teil eines Rückfahrkamerasystems, der abgasdicht sein soll. In Zukunft könnten aber auch andere Dinge bzw. Produkteigenschaften genauer unter die Lupe genommen werden vom ABB-Roboter. „Maximale Flexibilität ist einer der größten Vorteile dieses Roboters. Für diese Applikation hätte auch ein kartesischer Roboter oder ein einfacheres System gereicht, aber wir wollten uns heute schon auf die potenziellen Anforderungen von morgen ausrichten und je nach konkretem Bedarf möglichst einfach erweitern sowie umgestalten können. Mit dem kleinen Sechsachser von ABB sind wir für sämtliche Eventualitäten perfekt gerüstet – egal, ob zusätzliche Positionen anzufahren oder eine Kamera, ein Höhenmesssystem oder irgendwelche anderen Prüfschritte zu integrieren sind“, sagt einer, der bereits seit fünfzehn Jahren für die Karl Rejlek GmbH tätig ist und der den am Standort Wien vorhandenen, insgesamt 80 Stück starken Spritzgussmaschinenpark kennt wie kaum ein anderer. „Ich habe hier im Unternehmen Werkzeugmacher gelernt, bevor ich berufsbegleitend zuerst den Bachelor und dann den Master als Wirtschaftsingenieur
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Der ABB-Roboter kann nicht nur über ein Handbediengerät oder die entsprechenden Tasten am Compact Controller, sondern auch über ein von Michael Juratovac selbst entwickeltes externes Bedienpult gestoppt, gestartet oder in die Grundstellung gebracht werden.

Der ABB-Roboter kann nicht nur über ein Handbediengerät oder die entsprechenden...

an der FH Wiener Neustadt machte“, verrät der nunmehrige Leiter der Automatisierungstechnik-Abteilung.

Schneller Roboter unterstützt kurze Zykluszeiten

Während seiner Berufslaufbahn in einem u. a. von der Automobil- und Elektronikindustrie getriebenen Umfeld hat Michael Juratovac auch Folgendes gelernt: Es wird alles immer kleiner, filigraner, präziser und kniffliger. „Die Miniaturisierung schreitet kontinuierlich voran. Und bei den Zykluszeiten werden die technischen Limits ebenfalls zunehmend ausgereizt: Wenn ein Projekt dreimal dupliziert wird, kann man davon ausgehen, dass die Zykluszeit jedes Mal um 20 % zu verbessern ist. Demnach werden schnelle Roboter immer wichtiger, genauso wie möglichst leane Produktionsprozesse, bei denen alle Zwischenschritte in das Gesamtsystem integriert sind. Am besten ist es, wenn vorne das Rohmaterial rein- und hinten ein qualitätsgeprüftes fertiges Teil rauskommt“, beschreibt er.

Mit seinen lediglich 25 kg Eigengewicht ist der kleinste Industrieroboter von ABB sehr gut handlebar und dementsprechend einfach in ein größeres Gesamtsystem zu integrieren. Noch dazu, wo er in jedem beliebigen Winkel montiert werden kann. Laut DI (FH) Anton Reifbäck, M.Sc., Verkauf Robotics & Applications bei ABB Robotics Austria, ist der IRB 120 eine kosteneffiziente und zuverlässige Wahl, wenn auf einer kompakten Stellfläche hohe Produktionsleistungen verlangt sind. „Seine maximale Handhabungskapazität von 3 kg bzw. 4 kg mit vertikalem Handgelenk bei einer Reichweite von 580 mm ist für die Anforderungen der Firma Rejlek völlig ausreichend, wie anhand einer Vorab-Simulation mit RobotStudio sehr gut zu erkennen war. Sogar Taktzeitüberprüfungen sind mit unserer Simulations- und Offline-Programmiersoftware
machbar“, betont der ABB-Mitarbeiter. Und genau das war für Michael Juratovac außerordentlich wichtig: „Da die Spritzgussmaschine den Produktionstakt vorgibt wollten wir sichergehen, dass der IRB 120 mit deren Tempo Schritt halten kann. Und das Schöne an RobotSudio ist: Man kann die entsprechenden CAD-Daten importieren und sieht sofort, ob alles wie gewünscht funktioniert und zusammenpasst“, beschreibt er. Nach einer zweitägigen Grundschulung fand sich Michael Juratovac bereits so gut in der RobotStudio-Software zurecht, dass er selbst ein erstes Grob-Konzept mit einem IRB 120 als Dichtheits-Prüforgan erstellen konnte. „Das war mit ein Grund, warum wir uns für den Einsatz eines ABB-Roboters entschieden“, ergänzt er.

Gute gemeinsame Erfahrungen verbinden

Ein weiterer Grund, warum sich der kleinste Industrieroboter aus dem Hause ABB von Anfang an in der engeren Auswahl befand, ist in der gemeinsamen Historie zu finden: Denn bereits in den 90er Jahren waren mehrere ABB-Roboter für die Rejlek Metal & Plastics Group tätig. Ihre Aufgabe war es, am ungarischen Produktionsstandort in Székesfehérvár die Gehäuse von Röhrenfernsehern zu lackieren. In Mór, dem Sitz der auf Stanztechnik spezialisierten Rejlek Metal & Stamping kft, die u. a. für die Herstellung von Lenkkonsolenteilen weithin bekannt ist in der Automobilindustrie, hielten laut Michael Juratovac in den letzten Jahren ebenfalls mehrere ABB-Roboter Einzug. „Wenn es gemeinsame Projekte mit unseren Schwesterunternehmen gibt, ist es natürlich von Vorteil, wenn wir alle mit denselben Technologien arbeiten bzw. vertraut sind. Außerdem ist ABB ein Anbieter, der gegebenenfalls sogar schlüsselfertige Anlagen und komplette Gesamtsysteme liefern kann, sollten unsere eigenen Personalkapazitäten nicht mehr ausreichen für ein dringend umzusetzendes Automatisierungsprojekt. Last but not least zählte für uns natürlich auch die örtliche Nähe zur ABB-Niederlassung in Wiener Neudorf: Wir wollten kurze Reaktionswege und die Gewissheit, dass schnell jemand mit den entsprechenden Kompetenzen bei uns im Haus sein kann, wenn wirklich einmal der Hut brennt“, verrät der Leiter Automatisierungstechnik bei der Karl Rejlek GmbH.

Abschließend hat Michael Juratovac noch ein paar
wertvolle Hinweise für alle jene parat, die zum ersten Mal mit einem ABB-Roboter zu tun haben: Einerseits empfiehlt er Learning by Doing – also nach dem Standard-Programmierkurs einfach selber hinsetzen, ausprobieren, im RAPID-Referenzhandbuch nachschlagen und tun, andererseits solle man sich nicht scheuen, den Support von ABB zu bemühen. „Ich habe ein paar Mal per Mail um Hilfe gebeten und umgehend entsprechende Codeschnipsel erhalten. Denn obwohl die Programmiersprache einfach aufgebaut ist und zahlreiche vorgefertigte Befehle bereithält, hilft es letztendlich doch am schnellsten weiter, wenn ein Wissender verrät, wie es geht und wenn man ein gut geschriebenes Programm mit einem einfach nachvollziehbaren Grundaufbau als Vorlage bekommt“, bekennt der gelernte Werkzeugmacher und studierte Wirtschaftsingenieur.

Der IRB 120, der kleinste Industrieroboter von ABB, ist in jedem beliebigen Winkel montierbar und dementsprechend einfach in ein größeres Gesamtsystem zu integrieren.
Anton Reifbäck (ABB) und Michael Juratovac (Karl Rejlek GmbH) sehen dem IRB 120 bei einem Probelauf genauestens auf die Greifer. Sie beobachten, ob auch alles richtig zugeführt und abgelegt wird.
Der ABB-Roboter kann nicht nur über ein Handbediengerät oder die entsprechenden Tasten am Compact Controller, sondern auch über ein von Michael Juratovac selbst entwickeltes externes Bedienpult gestoppt, gestartet oder in die Grundstellung gebracht werden.



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