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Condition Monitoring fürs Feintuning von Robotersystemen

: ABB


Derzeit sind es mehr als 3.000 Roboter, die von der österreichischen ABB-Service-Mannschaft regelmäßig betreut werden, und die Tendenz ist weiterhin steigend: Einerseits erhält die bereits bestehende installierte Basis kontinuierlich Zuwachs, andererseits wissen immer mehr Kunden die Vorteile digitaler Fernüberwachungsmöglichkeiten zu schätzen. Denn eines ist klar: Wer vorausschauend agiert, bleibt vor plötzlichen unliebsamen Überraschungen weitgehend verschont. Außerdem lässt sich ein gezieltes Monitoring aller Roboter-Aktivitäten perfekt für ein produktivitätssteigerndes Feintuning von Robotersystemen nutzen. Von Sandra Winter, x-technik

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Das Bestandsoptimierungs-Angebot von ABB beinhaltet regelmäßige Analysen des Allgemeinzustands und der Leistungsfähigkeit der Roboter. Außerdem werden Anregungen für weitere Performance-Steigerungen gegeben.

Das Bestandsoptimierungs-Angebot von ABB beinhaltet regelmäßige Analysen des...

Die Zeiten haben sich geändert. Während früher vornehmlich unangekündigte Störungseinsätze den Berufsalltag eines Servicetechnikers prägten, läuft das Reparatur- und Wartungsgeschäft in der heutigen Industrie 4.0-Welt größtenteils in vorab vereinbarten Bahnen ab. „Es ist gar nicht so lange her, dass wir in 80 % aller Fälle zu ungeplanten Serviceeinsätzen ausrücken mussten. Dieses Bild hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Mittlerweile erfolgen rund zwei Drittel unserer Einsätze nach vorheriger Absprache“, erklärt Karl Reutterer, stellvertretender Serviceleiter bei ABB Österreich. „Für die spontanen Field Service-Aktivitäten würden wir heutzutage mit zwei Technikern für ganz Österreich auskommen. Aber da immer mehr Kunden die Vorzüge unserer anforderungsgerecht geschnürten Roboter Care Service Agreement Pakete zu schätzen wissen, halten wir trotz eines mittlerweile insgesamt 18 Mitarbeiter starken Service-Teams permanent nach kompetenter Verstärkung Ausschau“, fügt er ergänzend hinzu.

Performance steigernde Maßnahmen, die gleichzeitig die Lebenserwartung von Robotern erhöhen, werden laut Karl Reutterer besonders häufig nachgefragt. Schließlich könne sowohl steuerungsseitig als auch auf Seite der Mechanik mit fachmännischer Unterstützung sehr einfach und rasch aus alt wieder neu gemacht werden. „Dadurch wird zum Beispiel die Möglichkeit geschaffen, auch ältere Mechanik-Typen mit den Vorzügen der neuesten Steuerungsgeneration IRC5 zu betreiben und Optionen wie SaveMove2 oder Feldbus-Kommunikation zu nutzen. Und den Zugriff auf unsere ABB Ability™ Connected Services bietet die IRC5 sogar standardmäßig. Damit ist auf Wunsch jederzeit eine kontinuierliche Überwachung des Roboterzustands sowie eine schnelle Fehleranalyse
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Die Zahlen sprechen für sich: Unter Zuhilfenahme der ABB Ability™ Connected Services verkürzen sich nicht nur die Reaktionszeiten auf etwaige Störungen um bis zu 60 %, Vieles kann auch bereits im Vorfeld abgefangen werden.

Die Zahlen sprechen für sich: Unter Zuhilfenahme der ABB Ability™ Connected...

realisierbar“, betont Manfred Gloser, Leitung Robotik und Antriebe bei ABB Österreich.

Kundenindividuell geschnürte Service Agreement Pakete

Grundsätzlich können ABB-Kunden bei den Service-Vereinbarungen für ihre Roboter zwischen einem Basis-, Preventive-, Express- oder einem Extended Care Service Agreement Paket wählen. „Unser Angebot reicht von einer gewissen Basis-Wartung mit jährlicher Inspektion bis hin zu einem ‚Rundum-Sorglos-Package‘, bei dem die Kosten für die Arbeitszeit der Servicetechniker sowie für sämtliche Ersatzteile, Öle und Fette inklusive sind. Außerdem beinhaltet ABB Extended Care eine garantierte Reaktionszeit für Vor-Ort-Einsätze sowie den Zugang zu unseren ABB Ability™ Connected Services – Condition Monitoring & Diagnostics, Backup-Management, Remote Access, Fleet Assessment und Asset Optimization – die sich je nach konkreter Erfordernis miteinander kombinieren lassen“, geht Karl Reutterer weiter ins Detail.

Mit der Inanspruchnahme solcher Care-Pakete werden Instandhaltungskosten planbar. Die Besitzer bzw. Betreiber eines ABB-Roboters wissen, mit welchen Ausgaben sie zu rechnen haben, um diesen über seine gesamte Lebensdauer hinweg ‚fit‘ zu halten. „Das macht unser Angebot extrem attraktiv für die Kunden“, bestätigt Manfred Gloser. Ein weiterer Vorteil geplanter Wartungs- bzw. Inspektionsarbeiten: Diese lassen sich punktgenau „timen“ und vielfach sogar in produktionsfreie Zeiten verlegen.

Digital Condition Monitoring bringts

Die
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Karl Reutterer (li.) und Manfred Gloser empfehlen ihren Kunden digitale Überwachungstools, um die letzten Prozentpunkte aus einer Anlage herauszukitzeln.

Karl Reutterer (li.) und Manfred Gloser empfehlen ihren Kunden digitale Überwachungstools,...

Zahlen sprechen für sich: Unter Zuhilfenahme der ABB Ability™ Connected Services verkürzen sich nicht nur die Reaktionszeiten auf etwaige Störungen um bis zu 60 %, Vieles kann auch bereits im Vorfeld abgefangen werden. „Fast ein Viertel aller unerwünschten Zwischenfälle lässt sich vermeiden, wenn eine kontinuierliche Zustandsüberwachung und Diagnose des Systems erfolgt“, weiß Karl Reutterer aus Erfahrung. Wobei es dank zunehmender Vernetzung immer mehr Schlüsselindikatoren für die Erreichung einer bestmöglichen Performance sind, die sich vollautomatisch im Auge behalten lassen. Von der Temperatur im Steuerschrank angefangen, über die Drehzahl der Kühlventilatoren bis hin zur Auslastung der CPU und des Achsrechners ist allerhand digital überwachbar. Und es wird stetig mehr: „Alles, was steuerungsseitig inkludiert ist, decken wir bereits ausgezeichnet ab. Jetzt gehen wir in einem weiteren Schritt vermehrt dazu über, die Mechanik mitzuüberwachen – um beispielsweise von den gemessenen Parametern auf etwaige Verschleißerscheinungen zu schließen“, verrät Karl Reutterer.

Darüber hinaus weitet ABB sein Monitoring- und Diagnose-Angebot sukzessive auch auf die externe Peripherie der Roboter aus. So wurde auf der Automatica 2018 in München u. a. ein digital vernetzter Lackzerstäuber präsentiert, der es möglich macht, die Qualität einer Lackierung in Echtzeit zu optimieren. „Durch die Überwachung des Zustands wichtiger Zerstäuber-Komponenten wie Glockenteller, Luftmotor und Lenkluftring sowie von entscheidenden Größen wie Beschleunigung, Druck, Vibration und Temperatur kann der Lackauftragswirkungsgrad während des Lackiervorgangs um bis zu 10 % gesteigert, die Abfallmenge bei Farbwechseln um bis zu 75 % reduziert und der Druckluftverbrauch um bis zu 20 % gesenkt werden“, beschreibt Manfred Gloser die besonderen Fähigkeiten des ABB Ability™ Connected
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Der ABB Ability™ Connected Atomizer RB 1000i: Ein digital vernetzter Lackzerstäuber, der in Echtzeit für optimale Ergebnisse sorgt.

Der ABB Ability™ Connected Atomizer RB 1000i: Ein digital vernetzter Lackzerstäuber,...

Atomizers. Prozessentscheidende Informationen aus dem Schweiß-Equipment abzugreifen, ist ein weiterer Digitalisierungsschritt, den ABB aktuell in einem weiteren Projekt bereits intensiv verfolgt.

Konkrete Hinweise fürs Feintuning

Insgesamt ist bei ABB in Österreich bereits eine Vielzahl an ABB Ability™ Connected Services erhältlich. Diese liefern in Echtzeit Informationen mit nachweislich produktivitätssteigernder Wirkung. „Früher dachten viele Kunden beim Thema ABB Ability™ Connected Services hauptsächlich an treffsichere Fehleranalysen und an die Möglichkeit, die vorhandenen Produktionssysteme vorausschauend bzw. zustandsorientiert warten zu können. Mittlerweile gerät aber eine weitere Spezialität digitaler Überwachungstools vermehrt in den Blickpunkt: Die Tatsache, dass mit ihrer Hilfe die letzten Prozentpunkte aus einer Anlage herausgekitzelt werden können“, sagt Karl Reutterer. „Ich sehe sofort, wenn an einer bestimmten Stelle plötzlich vermehrt kleine Mikrostillstände auftreten und erhalte konkrete Hinweise darauf, wo bzw. wie optimiert werden könnte“, ergänzt er.

Blick in die Zukunft

In flexible und agile Automationslösungen zu investieren – das gilt in unserer schnelllebigen Welt als erfolgversprechendstes Mittel, um möglichst rasch auf veränderte Marktbedingungen reagieren zu können. ABB setzt dieses „Patentrezept“ zurzeit selbst um: Beim Bau der laut eigenen Angaben „fortschrittlichsten Roboterfabrik der Welt“. Um eine maximale Anpassungsfähigkeit an wechselhafte Erfordernisse zu gewährleisten, werden selbstlernende Maschinen genauso in die neue Produktionsstätte
in Shanghai, China, Einzug halten wie kollaborative und digitale Lösungen. „Die ABB Ability™ Connected Services werden Auskunft über das laufende Produktionsgeschehen geben. Außerdem bieten sie alle Voraussetzungen, um Cloud-Anwendungen mit künstlicher Intelligenz und Machine Learning umzusetzen. Das Endziel sind selbstoptimierende Systeme, die die Erfahrungen der gesamten vernetzten Basis für einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess nutzen“, gibt der Leiter Robotik und Antriebe bei ABB Österreich abschließend einen Einblick, in welche Richtung die vor einigen Jahren eingeleitete Digitalisierungsoffensive bei ABB führt. „Früher zogen wir unser Know-how ausschließlich aus dem Wissen unserer Service-Techniker, heute können wir auf weltweite Erfahrungswerte und Analysen zurückgreifen“, fügt Karl Reutterer ergänzend hinzu.

Das Bestandsoptimierungs-Angebot von ABB beinhaltet regelmäßige Analysen des Allgemeinzustands und der Leistungsfähigkeit der Roboter. Außerdem werden Anregungen für weitere Performance-Steigerungen gegeben.
Die Zahlen sprechen für sich: Unter Zuhilfenahme der ABB Ability™ Connected Services verkürzen sich nicht nur die Reaktionszeiten auf etwaige Störungen um bis zu 60 %, Vieles kann auch bereits im Vorfeld abgefangen werden.
Karl Reutterer (li.) und Manfred Gloser empfehlen ihren Kunden digitale Überwachungstools, um die letzten Prozentpunkte aus einer Anlage herauszukitzeln.
Der ABB Ability™ Connected Atomizer RB 1000i: Ein digital vernetzter Lackzerstäuber, der in Echtzeit für optimale Ergebnisse sorgt.
Ein prüfender Blick durch eine Mixed-Reality-Brille ist ein hervorragendes Instrument, um Wartungs- und Servicearbeiten zu beschleunigen.
In ABBs neuer, gerade im Aufbau befindlichen Produktionsstätte in Shanghai – der laut eigenen Angaben „fortschrittlichsten Roboterfabrik der Welt“ – werden neben selbstlernenden Maschinen und digitalen Lösungen auch kollaborativ arbeitende YuMis Einzug halten.
In den Produktionshallen fungieren zunehmend mobile Kommunikationsmittel als Schnittstelle zum Menschen.

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  • Clemens-Holzmeister-Str. 4 / 1109 Wien
  • c/o ABB Business Services GmbH
  • D-68129 Mannheim
  • Tel. +49


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Robotik, Industrie 4.0

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